© Yamaha - Trotz der schwierigen Situation werden die MotoGP-Stars in Valencia fahren

Knapp zwei Wochen nach dem tödlichen Unfall von Marco Simoncelli kam die Motorrad-Szene in Valencia zusammen. Die Stimmung im Fahrerlager war gedrückt. Es ist für niemanden der Beteiligten eine einfache Situation. Am Donnerstag nahmen Casey Stoner (Honda), Ben Spies (Yamaha), Valentino Rossi (Ducati), Alvaro Bautista (Suzuki) und Loris Capirossi (Pramac-Ducati) in der offiziellen Pressekonferenz Stellung. Capirossi wird seine Karriere nach 22 Jahren beenden und in Spanien mit der Startnummer 58 fahren.

Frage: „Casey, es war für dich eine fantastische Saison, aber jetzt ist es ein sehr trauriger Moment.“
Casey Stoner: „Niemand möchte, dass der Rennsport so ist. Wir haben zwei Todesfälle in sehr kurzer Zeit erlebt. Das ist sehr komisch und einzigartig. Es ist sehr traurig. Dieses Rennwochenende wird anders sein. Hoffentlich läuft alles gut ab. Man wird noch lange darüber nachdenken, was in diesen beiden Wochen wirklich passiert ist, und was der Rennsport einem bedeutet.“

Frage: „Hast du für dich eine Schlussfolgerung gefunden?“
Stoner „Ich denke, solche Vorfälle bringen Dinge ans Tageslicht, die viele Leute im Fahrerlager schnell vergessen. Also wie wichtig einem das Leben ist und wie viel Glück wir haben, das wir das tun, was wir tun. Es bringt aber auch die Gefahren ins Bewusstsein. Ich schätze, dass wir jetzt viel mehr Respekt haben, wenn wir auf die Strecke gehen und wie wir miteinander umgehen. Ich glaube, für mich war das ein großer Schritt.“

Frage: „Der hohe Grip der Reifen ist in der Diskussion gestanden. Kann das der Grund sein, warum Tomizawa und Simoncelli zurück auf die Strecke gekommen sind?“
Stoner: „Ich glaube nicht. Shoyas Unfall war anders, aber leider mit dem gleichen Ergebnis. Es gibt natürlich Leute, die sagen, dass wir mehr Schräglage fahren und die Reifen über mehr Grip verfügen, aber ich glaube nicht, dass das mit dem Unfall zu tun hatte. Ich glaube nicht, dass man den Unfall verhindern hätte können. Er hat versucht im Rennen zu bleiben. Diese Unfälle können passieren.“

Frage: „Du hast eigentlich gute Erinnerungen an Valencia. Dein Sieg in der 125er-Klasse ist schon acht Jahre her.“
Stoner: „Ja, es gab für mich auf dieser Strecken Höhen und Tiefen – eigentlich hauptsächlich Höhen. Ich hatte gute Resultate hier und war immer konkurrenzfähig. Ich konnte mein erstes Rennen hier gewinnen. Es hat damals lange gedauert, aber es ist schließlich auf dieser Strecke passiert. Für mich ist diese Strecke immer speziell. Es ist ein schwieriger Kurs. Hoffentlich können wir gut arbeiten. Im Vorjahr sind die Tests sehr gut verlaufen.“

Frage: „Mit einem MotoGP-Motorrad ist es sicher keine einfache Rennstrecke?“
Stoner: „Nein, speziell im Nassen nicht. Im Regen kann es knifflig werden, weil viel Gummiabrieb auf der Strecke liegt. Es fahren hier die verschiedensten Rennserien. Es kann sehr lückenhaft sein, wo Grip liegt und wo nicht. Wir müssen abwarten, wie sich das Wetter entwickeln wird. Generell muss ein MotoGP-Motorrad auf dieser Strecke körperlich bewegt werden, damit man schnell ist. Generell ist die Strecke für mich groß und breit genug. Man kann das Motorrad hier fliegen lassen.“

Frage: „Nach dem Rennen stehen dann die Testfahrten mit den neuen Motorrädern an.“
Stoner: „Ja. Es ist schon eine Zeit lang vergangen seit dem letzten Test. Hoffentlich haben sich die Dinge seit damals verbessert. Wir müssen verstehen, was wir für die kommende Saison haben und verbessern müssen. Jetzt steht erst das Rennen an und danach können wir darüber nachdenken, wie es für das nächste Jahr aussieht. Es wird eine lange Woche an dieser Strecke.“

Frage: „Carmelo Ezpeleta hat gestern im spanischen Radio gesagt, dass alle Motorräder ab 2013 mit einer Einheitselektronik ausgestattet sein müssen. Was denkst du darüber?“
Stoner: „Bevor wir nicht damit fahren und alles offiziell ist, habe ich dazu keine Meinung. Bevor ich nicht damit gefahren bin, kann ich nicht sagen, wie sich das auswirken wird.“

Ben Spies

Frage: „Danke Casey. Wir kommen jetzt zu Ben Spies. Ben, es waren für alle schwierige Wochen. War es die richtige Entscheidung, dieses Rennen durchzuführen?“
Ben Spies: „Ja, das denke ich schon. Wenn wir an die vergangenen Wochen denken, dann ist es von den Gefühlen her schwierig, zum letzten Rennen zu kommen. Ich schätze, dass Marco wollte, dass wir Rennen fahren. Die Moral wird bei allen derzeit im Keller sein. Es ist das letzte Rennen und es ist hart, aber wir müssen zusammenhalten und für ihn und alle anderen unser Bestes geben und das beste Rennen fahren. Es ist hart, aber wir müssen das tun, was wir tun müssen.“

Frage: „Du hast die letzten beiden Rennen aufgrund von Verletzungen verpasst. Wie geht es dir?“
Spies: „Besser, viel besser. Ich musste mich ausruhen. Der Sturz in Australien war heftig. Im Moment ist meine Verfassung meine geringste Sorge. Ich möchte das letzte Rennen absolvieren und das Beste für Yamaha geben. Anschließend folgt der Test. Wie gesagt, ich schätze, dass kein Fahrer im Moment bei 100 Prozent ist. Wenn es nicht körperlich ist, dann mental. Wir müssen stark sein und unser Bestes geben.“

Valentino Rossi

Frage: „Danke Ben. Valentino, es waren für alle zwei extrem schwierige Wochen, speziell für dich.“
Valentino Rossi: „Ja. Es waren schwierige Wochen und ein schwieriger Moment am Sonntag. Ich habe versucht soviel Zeit wie möglich mit Paolo und Marcos Familie zu verbringen. Seine Mutter und seine Schwester sind gute Freunde. Die Anteilnahme in Italien war unglaublich und toll für Marco, weil viele Menschen an ihn gedacht haben. Vielen Menschen hat es gefallen, wie er auf und abseits der Strecke war.“

„Ich denke, dass es schön für seine Familie war. Obwohl es eine sehr, sehr schlimme Zeit war, war es doch eine gute Atmosphäre, weil viele Menschen Ciao zu Marco sagen wollten. Ich denke, es ist gut, hier in Valencia zu sein. Es ist ein merkwürdiges Rennen und alle haben ein komisches Gefühl. Ich denke, das Rennen ist die beste Art, um an Marco zu erinnern.“

Frage: „Kannst du etwas zum Unfall sagen? Innerhalb eines Jahres sind zwei Fahrer überrollt worden.“
Rossi: „Ich glaube, beide Unfälle waren ähnlich, aber doch anders. Shoya war ein kleiner Fehler unterlaufen, weil er weit über den Randstein gekommen war. Ich glaube, der Grund, warum er auf die Strecke zurückgekommen war, liegt am Moto2-Motor. Bei Marco war das anders. Marco war der größte Fahrer im Feld. Er hat seinen Körper eingesetzt, um das Motorrad zu fahren, aber auch im Zweikampf mit anderen Fahrern.“

„In diesem Fall hat er versucht, im Rennen zu bleiben und nicht zu stürzen. Er hat seinen Körper dazu eingesetzt. Sein Körper war wie das dritte Rad. Leider ist das Motorrad nicht gestürzt und ist zurück auf die Strecke gekommen. Es war unglücklich. Wir haben in den vergangenen Jahren viel an der Sicherheit gearbeitet, aber diese Stürze bleiben sehr gefährlich. In den ersten Runden sind alle Motorräder dicht beisammen und ein kleiner Fehler kann tragische Folgen haben.“

Frage: „Wäre es eine Möglichkeit, dass sich der Motor abstellt, wenn die Schräglage so extrem wie bei einem Sturz ist?“
Rossi: „Das würde gar nichts ändern. Marcos Motorrad ist nicht gestürzt. Es hatte vielleicht ein, zwei Grad mehr Schräglage. Ein System wie dieses kann so einen Sturz nicht verhindern. Es ist sehr schwierig.“

Frage: „Kommen wir zum sportlichen Aspekt. Bist du rückblickend mit deinem Wechsel zu Ducati zufrieden?“
Rossi: „Ja, sehr sogar. Es war eine sehr schwierige Entscheidung, weil wir nicht die Resultate geholt haben, die wir erwartet haben. Dennoch haben wir sehr hart gearbeitet und wir hoffen, dass wir im nächsten Jahr konkurrenzfähiger sind.“

Frage: „Sprechen wir über das Rennen. Nach dieser schwierigen Saison blickst du wahrscheinlich mehr auf den Test als auf das Rennen?“
Rossi: „Zuerst steht einmal das Rennen an. Wir müssen sichergehen, dass wir ins Ziel kommen und einige Punkte sammeln. Der Dienstag ist ein wichtiger Moment für das nächste Jahr, weil zum ersten Mal alle 1.000er Motorräder gemeinsam auf der Strecke sind. Wir arbeiten und erwarten, dass wir Probleme lösen können. Es wird interessant sein, das Motorrad im Vergleich mit Honda und Yamaha zu sehen. Zuerst steht aber das Rennen an. Wir müssen konzentriert sein und ein gutes Ergebnis holen, speziell für Marco.“

Alvaro Bautista

Frage: „Danke Valentino. Alvaro, ich schätze dir wird es wie den anderen Fahrern gehen?“
Alvaro Bautista: „Sicherlich. Das Rennen in Malaysia war sehr traurig. Seither waren es schwierige Tage. Jetzt sind wir in Valencia. Wie Valentino gesagt hat, ist es wichtig, dass wir jetzt das Rennen fahren. Marco hat das Racing geliebt. Er hat immer das Maximum gegeben. Der Rennsport war sein Leben. Ich denke, dass es das Beste ist, wenn wir das Rennen fahren und unser Bestes geben. Wir müssen ein gutes Rennen fahren, um an ihn zu erinnern.“

Frage: „Für dich ist es in den letzten Rennen gut gelaufen, auch wenn es die Ergebnisse nicht genau zeigen.“
Bautista: „Unser Level ist besser geworden. Ich hoffe, ich kann diesmal das Rennen beenden. Vielleicht kann ich in der Spitzengruppe mitfahren, aber es wird schwierig, weil unser Motorrad nicht ganz so konkurrenzfähig wie Honda und Yamaha ist. Trotzdem haben wir uns in den letzten Rennen gut verbessert, aber wir müssen ins Ziel kommen und ein gutes Resultat holen.“

Frage: „Gibt es schon Neuigkeiten für die kommende Saison?“
Bautista: „Ich möchte mich jetzt auf dieses Wochenende konzentrieren. Natürlich rede ich mich der Zentrale in Japan. Ich hätte natürlich gerne eine Entscheidung. Hoffentlich kann ich sie am Sonntag treffen. Ich möchte das Jahr mit einem guten Resultat beenden.“

Loris Capirossi

Frage: „Danke Alvaro. Loris, du bist 22 Jahre in der WM gefahren. Am Sonntag fährst du dein letztes Rennen. Es muss sehr schwierig für dich sein?“
Loris Capirossi: „Es ist für alle eine ungewohnte Situation. Die Geschehnisse in Malaysia waren sehr schwierig. Es sind jetzt alle hier. Wir werden Marco nie vergessen. Das ist sehr wichtig, weil er ein Teil unseres Lebens ist. Ich möchte ihn Ehren und werde mit der Startnummer 58 fahren. Ich werde ihn nie vergessen. Ich hoffe, dass er sich darüber freut.“

„Vielleicht kann ich das gleiche Resultat holen, das er erobert hätte. Ich werde für ihn mein Bestes geben. Nach dem Rennen beende ich meine Karriere. Diese Entscheidung habe ich schon lange getroffen. Ich bin glücklich, weil es nach 22 Jahren ein guter Zeitpunkt ist. Es gibt viele starke Fahrer, also ist es gut, etwas anderes zu machen.“

Frage: „Und du bist zufrieden mit deiner Rücktrittsentscheidung?“
Capirossi: „Ja, zu 100 Prozent. Meine Geschichte ist nach diesem Rennen zu Ende. Ich habe eine wunderbare Familie und kann sicher etwas anderes in meinem Leben tun.“

Frage: „Danke Loris für die vergangenen 22 Jahre!“

Text von Maximilian Kroiss

Motorsport-Total.com
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