Johann Zarco - © LAT

© LAT – Johann Zarco konnte nach dem Unglück froh sein, auf beiden Beinen zu stehen

(Motorsport-Total.com) – Sein vorerst letztes MotoGP-Rennen beendete Johann Zarco wie schon in Malaysia im Kiesbett.

Beim Großen Preis von Valencia beförderte ihn diesmal aber kein anderer Fahrer ins Aus, der LCR-Honda-Pilot stürzte ohne Fremdeinwirkung und ging deshalb ohne Punkte nach Hause.

„Zu Beginn war es für mich ein schwieriges Rennen, aber dann bekam ich allmählich ein besseres Gefühl und auch eine bessere Pace“, fasst Zarco den Start in die 27 Rennrunden zusammen. „Insgeheim dachte ich sogar darüber nach, vielleicht Valentino (Rossi; Anm. d. R.) schnappen zu können. Aber in der Anfangsphase war es schwierig, mit den anderen zu kämpfen.“

Knapp außerhalb der Top 10 kämpfte der LCR-Fahrer unter anderem erneut gegen seinen ehemaligen KTM-Teamkollegen Pol Espargaro. „Aber er bekam bald Probleme mit den Reifen und ich war schneller. Ich überholte ihn, doch nur eine Runde später sah ich, wie (Danilo) Petrucci stürzte.“

Zarco von Lecuonas herrenloser KTM getroffen
„Ich witterte die Chance, Boden gutzumachen und auf Valentino aufzuholen. Aber nur Sekunden später stürzte ich selbst in Kurve 6. Es war nicht exakt dieselbe Stelle wie bei Petrucci. Aber ich rutschte auch übers Vorderrad weg. Vielleicht verlor ich in diesem Moment etwas den Fokus oder es lag an den Bedingungen“, mutmaßt Zarco.

„Danach war ich natürlich enttäuscht, weil ich das Rennen gewissermaßen verloren hatte. Zumal es für den Moment mein letztes Rennen in der MotoGP war. Als ich dann zu meinem Motorrad lief, traf mich Lecuonas Bike völlig unerwartet.“ Denn kurz nach Zarco stürzte auch Iker Lecuona in Kurve 6, seine KTM schleuderte gegen Zarco und riss den Franzosen abrupft zu Boden.

Der 29-Jährige gibt zu: „Es war ein Schock, ich hatte sofort ein seltsames Gefühl in meinem linken Knöchel. Ich konnte ihn nicht bewegen und hatte die Befürchtung, dass etwas gebrochen ist. Ein erster Check-up hat nichts dergleichen ergeben, aber ob Bänder beschädigt sind, müssen wir erst noch feststellen lassen.“

Petrucci zeigt nach schlechtem Start Aufholjagd
Was den Dreifach-Sturz in Kurve 6 ausgelöst hat, darüber konnte Zarco nur spekulieren. Dass der Wind und die niedrigen Temperaturen eine Rolle spielten, hält er für möglich, sagt aber: „Normalerweise ist der Medium-Reifen nicht zu hart für diese Bedingungen. Es kann allerdings sein, dass der Wind das Gefühl beeinflusst hat.“

Sowohl er als auch Petrucci und Lecuona waren am Vorderrad mit der Medium-Mischung ausgestattet. Hinten fuhr Zarco den harten und die anderen Beiden den weichen Reifen. „Unter den ersten zwölf Fahrern war ich mit (Alex) Rins und (Joan) Mir der einzige auf dem weichen Hinterreifen“, hält Petrucci fest. „Aber für mich war es die richtige Wahl. Ich fühlte mich gut.“

„Sicherlich ist Valencia eine Strecke, auf der es sehr schwierig ist zu überholen, aber ich konnte viele Leute überholen, weil ich in der ersten Runde 15. war. Als ich dann stürzte, war ich auf dem neunten Platz. Ich weiß nicht, was in dieser Kurve passiert ist“, erklärt der Ducati-Pilot weiter.

Ducati-Pilot nach Nuller nur noch WM-Sechster
Die Daten hätten gezeigt, dass er etwas langsamer war als in der Runde zuvor war, „aber es gab eigentlich keinen Grund zu stürzen. Trotzdem sind gleich drei Fahrer an der Stelle zu Boden gegangen. Keine Ahnung, was da passiert ist. Ich denke aber nicht, dass es mein Fehler war.“ Ungeachtet dessen war der Sturz für Petrucci und Ducati besonders bitter.

Der Italiener verlor durch den Nuller nicht nur Platz fünf in der WM-Fahrerwertung, Ducati verpasste zudem den Teamtitel. Doch Petrucci versucht, das Positive zu sehen: „Ich bin WM-Sechster geworden, habe ein Rennen gewonnen und stand dreimal auf dem Podium. Ich war WM-Dritter für 15 Rennen, es war meine beste Saison.“

Lecuona, der dritte Sturzpilot im Bunde, war nach dem Crash vor allem um die Gesundheit von Zarco besorgt – und erleichtert festzustellen, dass sich der Franzose nicht ernsthaft verletzt hatte. Wie seine beiden Leidensgenossen rätselte auch er über die Gründe.

Auch Lecuona kann sich Stürze nicht erklären
„Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht genau, was passiert ist. Zwei Fahrer sind in derselben Runde wie ich gestürzt, in derselben Kurve. Ich kenne den Grund nicht. Ich habe nicht härter gepusht oder später gebremst als zuvor. Trotzdem bin ich gestürzt. Vielleicht hat die Temperatur etwas damit zu tun. In der Moto3 gab es außerdem Probleme mit Öl auf der Strecke“, sagt Lecuona.

Zum Zeitpunkt des Sturzes lag er knapp in den Punkterängen – eine starke Leistung des MotoGP-Rookies. „Mit diesem Wochenende bin ich sehr zufrieden. Ich konnte mich steigern und war schnell unterwegs. Am Ende lag ich sogar in den Punkten, für mein erstes Rennen ist das unglaublich. Leider bin ich gestürzt, aber trotzdem bin ich glücklich.“

Wie schwierig die Situation in der Sturzkurve war, bemerkten auch die Top-3-Fahrer des MotoGP-Saisonfinales in Valencia. „Es gab schon in der Moto2 ein paar seltsame Stürze, auch mein Bruder ist gestürzt“, analysiert Rennsieger Marc Marquez. Er glaubt, den Grund dafür zu kennen.

Wind laut Marquez in Kurve 6 besonders kritisch
„Ich habe mir die Windverhältnisse danach genau angesehen und festgestellt, dass der Wind besonders in Kurve 11 und Kurve 6 sehr stark war. Das hat zu den Stürzen geführt“, sagt der Weltmeister. „Ich war dort deshalb besonders vorsichtig, um nicht übers Vorderrad wegzurutschen.“ Seine Podestkollegen pflichten ihm bei.

So bestätigt Fabio Quartararo: „Ich denke, Kurve 6 war die kniffligste Stelle heute. Aber auch die kurze Gerade zwischen 11 und 12 war nicht einfach. Ich habe dort bewusst früher geschaltet und war deshalb langsamer als noch im Qualifying.“ Und Jack Miller ergänzt: „Für mich waren Kurve 2, 6 und 11/12 besonders kritisch. Ich wäre fast gestürzt, hatte aber Glück. Der Wind war heute sehr störend.“

Ergebnisse MotoGP, Valencia 2019
MotoGP Valencia 2019 - © www.motogp.com

Text von Juliane Ziegengeist, Co-Autoren: Lewis Duncan, Matteo Nugnes

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