Zählt man sich zur sportlichen Fraktion, kommt man als Motorradfahrer an den Reifen von Metzeler nicht vorbei. Auch wenn man selbst tatsächlich noch nie auf den Pellen der Münchner unterwegs war, schwört mit Sicherheit mindestens einer der Spezis vom Motorradtreff oder vom Renntraining auf die Reifen mit dem Elefanten auf der Flanke. Und das kommt nicht von ungefähr. Metzelers Straßensport-Reifen M7 RR fährt auch nach vier Jahren am Markt immer noch regelmäßig Bestplatzierungen in Vergleichstests ein und die Schluffen aus der Racetech-Familie überzeugten bereits in unzähligen Turns sowohl Rennstrecken-Neulinge als auch Routiniers auf den unterschiedlichsten Motorrädern durch ihr unkapriziöses Verhalten.

Überarbeiteter Rennpelle

Während der Straßenreifen bei Tests und Nutzern in allen relevanten Disziplinen fleißig Punkte sammelt, monierten Rennstrecken-Vielfahrer jedoch beim Racetech RR Slick vor allem am Hinterrad die etwas schwache Laufleistung. Der Racetech wird zwar in den Mischungen K1 (Soft) und K2 (Medium) angeboten, die härtere der beiden Ausführungen blieb aber beim Verschleiß hinter den Erwartungen zurück. Im Laufe der Saison 2017 legte Metzeler aber nach, überarbeitete die K2-Variante des Hinterreifens und verspricht nun für den Racetech RR Slick eine Lebensdauer von 400 bis 450 Kilometer. Um die Performance des neuen Hinterreifens auch unter fordernden Bedingungen unter Beweis zu stellen, bestückten die Münchner während des Almeria Test-Camps vier neue GSX-R 1000 R mit den Rennpneus in der überarbeiteten Mischung und übergaben sie den angereisten Journalisten zum Dauereinsatz.

Einen ganzen Tag lang hieß es für den Metzeler Racetech RR schräg ums Eck und Dauerfeuer.

Und der Reifen hält tatsächlich, was der Hersteller verspricht. Bei frühsommerlichen Temperaturen und auf dem sehr verschleißintensiven Asphalt der spanischen Berg-und-Tal-Bahn steckte die nun etwas härtere K2-Mischung einen ganzen Tag unter Volllast weg, ohne spürbar an Grip einzubüßen. Da die Gixxer ununterbrochen bewegt wurden, standen am Ende des Tages über 370 Kilometer auf der Uhr und der Reifen in der Dimension 200/60 R17 hätte sicher noch ein bis zwei weitere Turns verkraftet. Damit sollte die überarbeitete Variante des neue K2 also auch für zwei Tage Rennstrecken-Training gut sein. Angeboten wird der Racetech RR in der Standardgröße 120/70 R17 fürs Vorderrad (K1 und K2) sowie den für Supersportler gängigen Hinterrad-Dimensionen 180/60 (180/55) und 200/60 (190/60), ebenfalls in der Mischung K1 und eben der überarbeiteten K2-Mischung.

Da geht noch was: Auch nach über 370 Kilometern mit unterschiedlichsten Fahrern ist der Reifen noch für einige Runden gut.

Nur die K2-Mischung am Hinterrad des Racetech RR gibt es seit Mitte 2017 in der überarbeiteten Version. Vorderrad und die K1-Mischung blieben unangetastet.

 

Hart im Nehmen

Ebenfalls mit von der Partie war der M7 RR und auch dieser musste sich im harten Rennstrecken-Einsatz beweisen. Zwar blieb dem straßenzugelassenen Reifen die Tortur auf einem 200-PS-Boliden erspart, dafür wurde er im Langstrecken-Einsatz auf KTM RC 390 Cup-Motorrädern und in gemischten Teams mit Profi-Beteiligung ordentlich geknechtet. Vor allem die Pros besorgten es sich heftig und bewegten sich und das Material am Limit. Ein an dieser Stelle nicht näher genannter Road Racer aus Liechtenstein pushte sein österreichisches Renngerät sogar über die physikalischen Grenzen hinaus und in den südspanischen Kies.

Kleinkaliber: Die Duelle über die lange Distanz wurden auf den 44 PS „starken“ KTM RC 390 ausgetragen…

… was selbst in Kombi mit dem straßenzugelassenen M7 RR extrem viel Spaß macht.

Dabei fiel der M7-RR vor allem durch sein allzeit gutmütiges Verhalten auf. Der Vorderreifen kündigt seine Haftungsgrenze frühzeitig an, was vor allem auf dem Kurs in Almeria sehr positiv auffiel. Hier gibt es nämlich zwei Ecken, die nicht nur mit viel Schräglage genommen, sondern auch noch blind über eine Kuppe hinweg angefahren werden müssen. Unter diesen Bedingungen wirken viel Rückmeldung von der Front und ein breiter Grenzbereich extrem vertrauensfördernd. Auch das Hinterrad rapportiert immer klar vom Geschehen und zeichnet sich durch einen kontrollierbaren Grenzbereich aus. Wirklich beeindruckend, wie transparent der Reifen auch nach vielen Runden im Dauereinsatz noch agiert und wie viel Spaß man mit einer, mit Straßenreifen besohlten und nur 44 PS „starken“ KTM auf dem Kringel haben. Da wundert es nicht, dass der M7 RR auf der Straße so eine Macht ist.

Vor allem das Vorderrad des M7 RR vermittelt viel Vertrauen.

Aber Vorsicht: genau für diese ist er gemacht und von Rennstrecken-Trainings auf aktuellen Superbikes sollte man mit ihm lieber absehen. Wer mit dem Straßenmotorrad den Sprung auf den Kringel wagen möchte und nicht gleich in Slicks investieren will, für den bietet Metzeler mit der profilierten und straßenzugelassenen Variante des Racetech RR in der K3 Mischung eine gute Alternative. Dieser kann zwar beim Thema Laufleistung sicher nicht mit dem M7-RR mithalten, steckt die Drehmomentattacken moderner Superbikes und vor allem die beim Rennstreckeneinsatz auftretenden, hohen Temperaturen viel besser weg. Damit ist man dann auf jeden Fall besser beraten.

Schon beim Start zum Langstrecken-Rennen gaben Uwe Seitz von PS, Max Neukirchner, Horst Saiger, Dario Giuseppetti und Stefan Nebel (v.l.n.r.) alles.

Der Hinterreifen zeigte sich nicht nur transparent, sondern bewies auch Nehmerqualiäten.

Fotos: Asphalt-Süchtig.de, WheelPics

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