Scott Redding - © Motorsport Images

© Motorsport Images – Scott Redding gesteht, dass er zeitweise überfordert war

(Motorsport-Total.com) – Kein Podium und P14 in der Meisterschaft: Scott Reddings zweite Saison als BMW-Pilot in der Superbike-WM war für alle Beteiligten eine große Enttäuschung.

Nachdem Redding in seiner BMW-Debütsaison im Jahr 2022 immerhin drei Mal auf das Podium klettern konnte und WM-Achter wurde, blieb die erwartete Steigerung im Folgejahr aus.

Im Sommer 2023 entschied sich Redding trotz der schwachen Ergebnisse dazu, seine Option zu ziehen und BMW auch in der WSBK-Saison 2024 treu zu bleiben. Da Toprak Razgatlioglu bereits unterschrieben hatte und Michael van der Mark ohnehin gesetzt war, blieb für Redding nur der BMW-interne „Abstieg“ ins Bonovo-Team, das ab 2024 allerdings als zweites Werksteam agiert.

„Wenn ich ehrlich sein soll, dann passt das neue Team viel besser zu mir und meinem Stil“, kommentiert Redding auf Nachfrage von Motorsport-Total.com den Teamwechsel und begründet: „Ich mag das familiäre Klima.“

„Ich betreibe den Rennsport, weil ich gut darin bin. Es ist mein Job. Mir bereitet es nicht jeden Tag großen Spaß, Motorrad zu fahren. Da bin ich vollkommen ehrlich“, gesteht Redding. „Das Gewinnen ist es, was mir Freude bereitet. Jetzt habe ich ein Team um mich herum, in dem es mehr Spaß macht und in dem der Druck geringer ist. Das hilft mir sehr.“

Die Bonovo-Crew und Scott Redding freundeten sich bereits im Vorjahr an
Mit der Bonovo-Crew verbrachte Redding bereits im Vorjahr viel Zeit. „Ich spürte es bereits bevor ich ins Team kam. Ich verbrachte zufällig mehr Zeit mit dem Team im Fahrerlager. Es fühlte sich richtig gut an, mit den Leuten zusammen zu sein. Als ich dann in dieses Team wechselte, waren wir bereits auf einer Wellenlänge.“

„Wir feierten bereits zusammen und hatten Spaß. Solche Dinge machen den Rennsport für mich aus. Ich mag diese ganzen politischen Dinge nicht. Dafür wurde ich immer wieder kritisiert, doch so bin ich“, erklärt Redding in seiner gewohnt lockeren Art und Weise.

Scott Redding zerbrach am Druck, der auf ihm lastete
Als Redding im Laufe der Saison 2021 ankündigte, dass er von Ducati zu BMW wechselt, waren die Erwartungen groß. Redding strebte mit der BMW M1000RR Siege an und wollte dem deutschen Hersteller zum ersten WSBK-Titel der Firmengeschichte verhelfen.

Mit der Zeit zerbrach Redding an seiner eigenen Erwartungshaltung. Es war keine Hilfe, dass BMW-Teamkollege Michael van der Mark sowohl 2022 als auch 2023 große Teile der Saison verpasste und nach seinen Comebacks nicht komplett fit war.

„Im vergangenen Jahr lastete der komplette Druck auf meinen Schultern“, bemerkt Redding. „Michael verpasste den Großteil der Saison. Ich versuchte, das Motorrad zu entwickeln. Dann fuhr ich die Rennen, versuchte die bestmöglichen Ergebnisse sicherzustellen und meinen Vertrag zu behalten. Ich musste so viele Dinge bewältigen. Als ich mich einfach nur auf das Fahren konzentrierte, holte ich bessere Ergebnisse.“

„Zwischenzeitlich jonglierte ich mit vier Bällen, obwohl ich nur zwei Hände habe“, beschreibt er die Situation. „Jetzt muss ich mir nicht so viele Gedanken machen. Ich liefere natürlich weiterhin meinen Input. Doch BMW konzentriert sich stärker auf das andere Team, was normal ist.“

Warum Michael Galinski für Scott Redding eine große Hilfe ist
Bonovo-Teammanager Michael Galinski ist sich bewusst, dass er mit Scott Redding einen sehr talentierten Fahrer hat. Doch damit Redding performt, muss das Umfeld stimmen.

Galinski weiß als ehemaliger Rennfahrer sehr gut, wie er mit seinen Fahrern umgehen muss. Er zeigt in den heiklen Situationen Verständnis, was den Fahrern ein gutes Gefühl vermittelt. Das könnte im Fall von Redding der Schlüssel zum Erfolg sein, um das vorhandene Potenzial freizuschalten. Redding genießt den Umstand, dass ein ehemaliger Fahrer an der Spitze des Teams steht.

„Ja, das ist eine gute Sache“, bestätigt Redding. „Mit Galinski ist es entspannter und macht mehr Spaß. Das wirkt sich auf das gesamte Team aus. Bei Bonovo arbeiten beide Crews intensiv zusammen. Es ist ein großes Team“, lobt Redding die Atmosphäre im BMW-Satelliten-Team.

Schaut BMW zu stark auf die Daten und vernachlässigt die Fahrer-Feedbacks?
Kritiker behaupten, dass sich die BMW-Ingenieure in der Vergangenheit zu stark auf die Datenanalyse konzentriert haben und den Aussagen der Fahrer nicht die nötige Beachtung schenkten.

Laut Redding hilft Galinski diesbezüglich und fungiert wie eine Art Vermittler zwischen Fahrer und Ingenieur, wenn sich die Daten nicht mit den Aussagen der Piloten decken.

„Der Computer sitzt nicht auf dem Motorrad. Der Computer befindet sich im Motorrad. Wir sollen das Motorrad kontrollieren und werden dabei vom Computer unterstützt. Es sollte nicht so sein, dass wir die Elektronik unterstützen. Mein Gefühl ist, dass es bei BMW aber oft so ist, weil sie es von den Autos so kennen“, kommentiert Redding.

Fahrdynamisch unterscheiden sich Autos und Motorräder deutlich, weil der Fahrer auf dem Motorrad einen viel größeren Einfluss hat. „Wir Motorradfahrer können sliden, fahren auf dem Vorderrad in die Kurven und können den Fahrzustand stark beeinflussen“, verdeutlicht Redding und fügt hinzu: „Wenn der Fahrer nicht happy ist, dann wird er nicht schnell sein.“

Beim WSBK-Vorsaisontest in Jerez hat Redding zum zweiten Mal die Chance, mit seinem neuen Team zu testen. Neben dem Bonovo-Duo, zu dem neben Redding auch Garrett Gerloff gehört, testet BMW mit den Werkspiloten Toprak Razgatlioglu und Michael van der Mark sowie mit dem neuen Testteam, bestehend aus Ex-Champion Sylvain Guintoli und Ex-MotoGP-Pilot Bradley Smith.

Text von Sebastian Fränzschky

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