Jorge Lorenzo - © Yamaha

© Yamaha – Bis Ende 2016 fuhr Jorge Lorenzo
für das Yamaha-Werksteam

(Motorsport-Total.com) – Seit Jorge Lorenzo Yamaha verlassen hat, verlor das blaue Team zusehends den Anschluss an die Spitze – Wie der Spanier die Situation von Vinales und Rossi bewertet.

Neun Jahre fuhr Jorge Lorenzo für das Yamaha-Werksteam. In dieser Zeitspanne wurde der Spanier dreimal MotoGP-Weltmeister und feierte 44 Siege. Rückblickend war der Wechsel zu Ducati ab der Saison 2017 richtig, denn die Desmosedici kann derzeit praktisch auf jeder Strecke gewinnen. Yamaha wartet schon seit 24 Rennen auf einen Triumph. „Wir haben alle Probleme“, meint Lorenzo gegenüber ‚Motorsport-Total.com‘. „Wir wären gerne im Titelkampf näher an Marquez dran. Auch Suzuki hat Fehler gemacht und bei Yamaha ist es genauso.“

Lorenzo kennt das Yamaha-Team bestens und meint über deren Probleme: „Es hängt bei ihnen sehr stark von der Strecke ab. Meiner Meinung nach ist die M1 auf manchen Strecken nicht so schlecht wie man denkt oder die Fahrer sagen. Auf manchen Strecken haben sie Schwierigkeiten und es muss irgendwie am Motorrad liegen, denn Vinales und Rossi sind großartige Fahrer.“ Diese Leistungsschwankungen zeigten sich bei den vergangenen beiden Rennen. In Aragon war Yamaha im Nirgendwo, in Thailand waren beide vorne dabei.

Dass sein Ex-Team seit eineinhalb Jahren in Problemen steckt, ist Lorenzo aber ziemlich egal: „Ich habe kein Mitleid, denn wir sind hier, um zu gewinnen.“ 2015 holte er den bisher letzten WM-Titel für Yamaha in einer denkwürdigen Saison gegen seinen Teamkollegen Valentino Rossi. Nach Valencia 2015 war die Atmosphäre nicht mehr die gleiche. Lorenzo entschied sich im Frühling 2016 zum Wechsel zu Ducati. Als Nachfolger wurde Maverick Vinales engagiert.

Erfolgreicher Einstand von Vinales verdeckte vieles

„Als Maverick die ersten beiden Rennen gewonnen hat, hat ihm Yamaha Aufmerksamkeit geschenkt. Es war Rossi, der falsch lag“, sagt Lorenzo über den Saisonbeginn 2017. „Ich weiß nicht was innerhalb der Box vor sich geht, aber aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass Yamaha immer die Meinung der Fahrer beachtet hat.“ In den vergangenen Monaten kritisierte Vinales sein Team öffentlich. Rossi ging bedachter vor und übte Druck auf die Verantwortlichen in Japan aus.

„Jeder hat seine eigene Methode, um sein bestes Level zu erreichen“, meint Lorenzo. „Einige von uns, wie ich oder Stoner, müssen wütend werden, wenn die Dinge falsch laufen. Andere wie Dovizioso oder Rossi sind ruhiger.“ Sein persönliches Verhalten anhand der Ergebnisse zu ändern, hält Lorenzo nicht für richtig: „Man kann nicht Maverick kritisieren, oder sagen, dass er aus psychologischer Sicht schwach ist. Er hat im Vorjahr nach starken Wintertests die ersten beiden Rennen gewonnen.“ Damals war die Welt für Yamaha und Vinales noch in Ordnung.

Lorenzo: Bin auch mit Forcada aneinandergeraten
Vinales übernahm praktisch das Team von Lorenzo rund um Crew-Chief Ramon Forcada. Im nächsten Jahr gibt es personelle Veränderungen. Esteban Garcia wird Forcada ersetzen, der seinerseits im neuen SIC-Kundenteam platziert wird. „Jeder sprach in den höchsten Tönen von ihm“, sagt Lorenzo über Vinales, „und jeder hat ihn als Luxus betrachtet und dass es mit ihm einfacher zu arbeiten sei als mit mir. Aber das lag daran, weil er gewonnen hat. Wenn es nicht so gut läuft, dann gibt es überall Probleme.“

Der öffentlich ausgetragene Krach zwischen Vinales und Forcada im Sommer zeigte, wie die Stimmung hinter den Kulissen war beziehungsweise ist. Lorenzo kennt Forcada gut, denn gemeinsam waren sie jahrelang ein starkes Gespann. „Von außen kann ich dazu nichts sagen, weil ich nicht weiß, was in der Box passiert“, äußert sich Lorenzo zur aktuellen Situation in seiner ehemaligen Box diplomatisch. Es ist auch eine Frage, wie die jeweiligen Charaktere miteinander umgehen, wenn es Schwierigkeiten gibt.

„Ich kann dazu nur sagen, dass es nicht einfach ist, mit Ramon zu arbeiten, weil er ein starker Charakter ist“, sagt Lorenzo. „Ich habe auch einen starken Charakter und wir sind auch aneinandergeraten. Trotzdem haben wir es geschafft, drei Weltmeistertitel zu gewinnen. Und wenn er so gut war, dann kann er nicht so schlecht sein, wenn es nicht läuft. Aber ich wiederhole, Maverick wird seine Gründe gehabt haben. Jeder trifft seine eigenen Entscheidungen.“

Text von Gerald Dirnbeck & Oriol Puigdemont

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