Marc Marquez - © Motorsport Images

© Motorsport Images – Marc Marquez duelliert sich in Portimao unter anderem mit seinem Bruder Alex

(Motorsport-Total.com) – Für die Honda-Piloten verlief der Grand Prix von Portugal enttäuschend.

16 Sekunden hinter MotoGP-Rennsieger Fabio Quartararo (Yamaha) kamen Marc Marquez, Alex Marquez und Pol Espargaro auf den Plätzen sechs, sieben und neun ins Ziel. Im Kampf um die Podestplätze spielten sie zu keiner Zeit eine Rolle.

Marquez verlor gleich am Start Positionen und musste sich erst mühsam wieder vorwärts kämpfen. Dabei duellierte er sich vor allem mit seinen eigenen Markenkollegen. „Wir sind nicht bereit, um den Sieg zu kämpfen“, hält der Spanier fest.

Das sei ihm bereits im Warm-up klar gewesen: „Das Gefühl war nicht gut und so haben wir für das Rennen eine kleine Änderung am Motorrad vorgenommen, die mir geholfen hat.“

„Aber es war nicht genug. Von den ersten Runden an fühlte ich mich nicht wohl. Ich hatte keinen guten Start, keine gute erste Runde. Aber auch so war der Speed nicht da.“ Dennoch habe er sein Bestes gegeben und versucht, einen Rhythmus aufzubauen.

„Aber wir kamen mit 16 Sekunden Rückstand auf die Spitze ins Ziel. Ja, man kann drei, vier Sekunden aus den ersten Runden abziehen. Aber ich hatte nicht den Speed, um Positionen gutzumachen“, räumt Marquez unumwunden ein. „Es ist nicht die Position, die wir gerne erreichen würden, aber so war es.“

Auf die Frage, ob die Probleme eher auf das Motorrad oder auf ihn zurückzufahren waren, antwortet der Honda-Pilot: „Es liegt nicht nur an mir, nicht nur am Motorrad. Es ist eine Kombination. Wenn man in seinem besten Moment ist, dann funktioniert alles. Aber offensichtlich bin ich nicht in meinem besten Moment. Und ich brauche die Hilfe des Motorrads.“ Doch die fehlt im Moment.

Marquez sucht das alte Gefühl auf der neuen Honda
Denn noch sind Marquez und die Honda zu keiner Einheit geworden. Einen bestimmten Punkt, der ihm besonders zu schaffen macht, kann er nicht benennen. „Ich fühlte mich einfach nicht wohl, selbst am Samstag unter Mischbedingungen, bei denen ich normalerweise schnell bin, war das Gefühl nicht da“, erklärt er.

„Das ist schon seit der Vorsaison der Fall. Es stimmt, dass einige Honda-Fahrer sagten: Hey, was für ein fantastisches Motorrad. Ich war da eher vorsichtig, denn ich wusste, dass wir in den Rennen andere Gripverhältnisse haben werden als in den Tests.“

„Aber das Wochenende hier oder in Austin können wir nicht als Referenz nehmen. Wir müssen Jerez abwarten. Dort haben wir auch einen Test, bei dem wir einen weiteren Schritt machen müssen. Denn wollen wir um die Toppositionen kämpfen und nicht Vierter, Fünfter oder Siebter werden. So kämpft man nicht um die WM.“

Dort ist Marquez nach fünf Saisonrennen Elfter und hat 38 Punkte Rückstand auf WM-Leader Quartararo. Pol Espargaro liegt mit einem Zähler weniger direkt hinter Marquez. Er fand nach dem Wochenende in Portimao deutliche Worte und bezeichnete das Rennen als „hart, schwierig und wirklich schlecht“.

„Das Schlimme ist, dass sich kein anderer Honda-Fahrer besser fühlt als ich. Das ist ein Problem. Es ist nicht so, dass wir einfach einen schlechten Tag hatten. Das wünschte ich. Keine Honda konnte um den Sieg kämpfen“, gibt Espargaro zu bedenken.

„Alex und Marc haben mir zu Beginn des Rennens zwei Sekunden abgenommen, aber ich konnte wieder aufschließen. Sie waren am Anfang etwas schneller und ich war am Ende etwas schneller. Das Ergebnis ist trotzdem schlecht“, so der Spanier weiter.

Espargaro: Gripprobleme am Hinterrad sind zurück
Er macht fehlenden Grip am Heck für die enttäuschende Performance verantwortlich: „Uns fehlt das, was wir in der Vorsaison hatten. Wir können das Motorrad mit der Hinterradbremse nicht an der richtigen Stelle stoppen. Dann haben wir zu viel Schräglage und leiden unter Spinning, wenn wir das Gas öffnen.“

„Da macht es auch keinen Unterschied, dass wir den harten Hinterreifen gewählt haben und die anderen Fahrer in der Startaufstellung den Medium-Reifen. Wir wählten den harten Reifen, weil er sich für uns beim Beschleunigen besser anfühlte, aber wir haben gesehen, dass Marc mit dem Medium auch Probleme hatte.“

Espargaro grübelt: „Es scheint, als gäbe es für uns nur Grip in Schräglage oder Grip in der Beschleunigung. Unsere Gegner haben beides. Warum müssen wir uns also entscheiden? Das ist schwer zu verstehen, denn das Motorrad, das wir jetzt benutzen, hat in Katar und in der Vorsaison perfekt funktioniert. Und jetzt haben wir ernsthafte Probleme und wissen nicht, wie wir sie lösen können.“

Die Situation sei vor allem deshalb so verwirrend, weil Honda am Motorrad selbst seit den Vorsaisontests nicht viel verändert habe. „Wir haben keine großen Änderungen an der Maschine vorgenommen, nur kleine Einstellungen, die das Problem am Heck nicht hervorrufen werden“, analysiert Espargaro.

„Und warum sollten wir das Motorrad auch ändern, wenn wir in der Vorsaison die Schnellsten waren? Es hat keinen Sinn. In der Vorsaison waren wir auf einer Runde die Schnellsten, aber auch im Rhythmus waren wir mit Abstand die Schnellsten.“

Hat Marquez also recht, wenn er sagt, dass Honda in den Tests von besseren Griplevel profitierte? „Das kann sein. Hier fehlte uns jedenfalls Grip“, weiß Espargaro.

„Aber in der Vorsaison waren wir an Orten, wo wir normalerweise mit dem Grip zu kämpfen haben, bei heißen Bedingungen und 50 Grad Asphalttemperatur. Trotzdem waren wir in der Lage, guten Grip zu generieren. Das sind wir jetzt nicht mehr.“

„Ich meine, Marc hat die Vorsaison in Malaysia mit dem alten Bike begonnen und ist dann zum neuen übergangen. Und auch er befand es als besser und schneller. Bis auf kleinere Probleme mit der Front hat alles gut funktioniert. Deshalb sollten wir jetzt eigentlich besser sein, auch wenn das Griplevel niedrig ist.“

Alex Marquez: Honda sucht nach der richtigen Basis
Unter den besagten Problemen mit der Frontpartie litt in Portimao laut eigener Aussage vor allem Alex Marquez. „Ich hatte etwas mehr erwartet, Platz sieben, aber 16 Sekunden weit weg vom Sieger. Das ist viel auf dieser Strecke“, resümiert er.

„Wir haben immer noch viele Probleme mit der Front und sind in den Kurven zu langsam. Wir brauchen zu viele Meter und können das Motorrad erst spät aufrichten. Dort verlieren wir die meiste Zeit. In diesem Bereich müssen wir uns verbessern, denn sonst ist es schwierig, mit diesem Motorrad schnell zu sein.“

Alle Hoffnung ruht nun auf dem Montagstest in Jerez nach dem kommenden Grand Prix. „Wir müssen verstehen, ob es am Chassis liegt oder an der allgemeinen Gewichtsverteilung. Das werden wir in Jerez ausprobieren“, blickt Marquez voraus. „Schon hier hatten wir den Plan, an der Geometrie zu arbeiten, um eine Richtung zu finden. Aber das Wetter hat das leider nicht zugelassen.“

Honda-Teammanager Alberto Puig hofft, dass bereits im Verlauf des Rennwochenendes in Jerez Fortschritte gelingen. „Es ist eine Strecke, auf der unsere Fahrer traditionell schnell sind. Wir müssen abwarten und sehen, wie die Situation ist.“

„Portimao hat gezeigt, dass wir unser Motorrad weiter verbessern müssen“, betont der Spanier und verweist auf die geringe Trainingszeit im Trockenen: „Wir waren nicht in der Lage, die perfekte Einstellung zu finden und wahrscheinlich brauchten wir mehr Zeit, um unser Motorrad auf dieser Strecke zu verstehen.“

„Sicherlich hatten wir nicht genug Zeit bei konstanten Bedingungen, aber das ist keine Entschuldigung, denn die anderen Fahrer und Teams waren mit der gleichen Zeit bei den gleichen Bedingungen schnell. Wir müssen weiter arbeiten und bereiten uns jetzt mit einer aufgeschlossenen Mentalität auf Jerez vor.“

Text von Juliane Ziegengeist, Co-Autor: Lewis Duncan

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