Aleix Espargaro - © Motorsport Images

© Motorsport Images – Aleix Espargaro konnte in Assen 13 Punkte auf Fabio Quartararo gutmachen

(Motorsport-Total.com) – Als Ducati-Pilot Francesco Bagnaia beim MotoGP-Rennen in Assen über den Zielstrich fuhr und seinen dritten Sieg in diesem Jahr feierte (zum Rennbericht), ereignete sich in der Schikane das wohl beeindruckendste Überholmanöver der Saison.

Aleix Espargaro setzte mit seiner Aprilia zu einem riskanten Manöver an und zog gleichzeitig an KTM-Pilot Brad Binder und Ducati-Pilot Jack Miller vorbei. Der Lohn für das Risiko: Platz vier nach einer beeindruckenden Aufholjagd von Platz 15.

Der große Verlierer dieser Aktion war Jack Miller, der kurz zuvor noch mit Maverick Vinales (Aprilia) um den finalen Platz auf dem Podium kämpfte. Miller steuerte die finale Schikane auf Platz vier liegend an und wurde bis auf die sechste Position durchgereicht. „Ich rechnete nicht mit dem Manöver in der letzten Kurve“, gesteht der Australier.

Miller hatte keine Chance und musste über den asphaltierten Bereich fahren. „Ich spürte am Ellbogen einen Lenkerstummel und hatte keinen Platz mehr. Ich rechnete wirklich nicht damit“, berichtet der Ducati-Pilot und ärgert sich, dass er die Tür so weit offen ließ.

„Es war mein Fehler und ich übernehme die volle Verantwortung dafür. Ich versuchte mein Bestes im Rennen und hatte das Gefühl, die Reifen gut zu managen. Ich war am Ende des Rennens stärker als die Fahrer um mich herum“, so Miller.

„Ich konnte den weichen Hinterreifen bis zum Rennende hin sehr gut kontrollieren. Das schenkt mir Zuversicht, denn bei den zurückliegenden Rennen waren wir gegen Rennende sehr stark“, versucht Miller das Positive zu sehen.

Brad Binder muss sein Motorrad aufrichten und berührt Jack Miller
Brad Binder nahm die Situation mit Jack Millers Reifen anders wahr: „Ich wollte Jack überholen, weil es so aussah, als ob er Probleme mit den Reifen bekommt. In der letzten Runde hatte er Probleme beim Beschleunigen. Ich kam heran und setzte zu einem Manöver an.“

„Als ich nach innen zog, sah ich dieses Motorrad (lacht; Anm. d. Red.). Ich zog mein Bein ein und versuchte, möglichst nah an ihm zu sein. Doch als ich das Motorrad aufrichtete, berührte ich Jack. Ich war in der Mitte eines Sandwiches. Das war nicht die Position, in der ich mich befinden wollte“, kommentiert Binder, der das Rennen auf Position fünf beendete.

Was sagt Binder zum Manöver von Espargaro? War es genial oder eher eine Verzweiflungstat? „Irgendwie beides“, stellt Binder fest. „Ich ziehe meinen Hut vor ihm. Ich war schon spät dran, weil ich an Jack vorbei wollte. Irgendwie schaffte er es, uns beide zu überholen. Irre! Ich kann mir vorstellen, dass Jack nicht so happy war“, scherzt er.

Aleix Espargaro holt Schwung und zieht das Manöver entschlossen durch
Mit seiner beeindruckenden Aufholjagd nach dem durch Fabio Quartararo verursachten Ausritt ins Kiesbett war Aleix Espargaro neben Sieger Francesco Bagnaia der Mann des Rennens. Der Aprilia-Pilot kämpfte sich von der 15. Position bis an die Spitzengruppe heran und machte als Vierter wichtige Punkte auf Quartararo gut.

In der Schikane musste Espargaro viel riskieren. „In der vorletzten Runde habe ich auf Mapping 3 gewechselt, was nicht einfach war. Ich habe mir gesagt, dass ich in der schnellen Kurve mehr Speed als sie mitnehmen muss. Das Überholmanöver habe ich auf der Bremse gemacht, aber eigentlich schon in der Linkskurve zuvor“, schildert der Spanier.

„Dort bin ich 20 km/h schneller gefahren als sie. Der Speed war unglaublich“, staunt Espargaro über seine Performance. „Ich habe gesehen, dass Brad auf der Bremse nicht so stark war. Deshalb habe ich es probiert. Ich bin sehr glücklich, denn diese WM-Punkte sind sehr wichtig.“

In der Meisterschaft kam Espargaro dank der 13 Punkte für Platz vier bis auf 21 Punkte an WM-Leader Quartararo heran.

Text von Sebastian Fränzschky

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