Jonas Folger - © Motorsport Images

© Motorsport Images – Sieht man Jonas Folger ab 2021 wieder regelmäßig in einer Weltmeisterschaft?

(Motorsport-Total.com) – Im Gegensatz zur MotoGP sind in der Superbike-WM auch in diesem Jahr Wildcards erlaubt.

Somit kann Jonas Folger an seinem Plan festhalten, bei auserwählten Rennen als Gaststarter anzutreten. Bei einem Trackday in Oschersleben sprach Folger exklusiv mit ‚Motorsport-Total.com‘ über seine Vorstellungen für die Saison 2020 und die Ziele für die kommende Saison.

„Die WSBK-Wildcards stehen noch. Barcelona im September und Misano im Oktober haben wir auf dem Plan“, erklärt Folger, der erleichtert ist, dass es in der Superbike-WM kein grundsätzliches Wildcard-Verbot gibt: „Beim ersten WSBK-Lauf gibt es keine Wildcard-Starter. Es ist eine Art Testlauf für die Superbike-WM mit den ganzen Auflagen. Ab dem zweiten Renn-Wochenende sind Wildcards wieder gestattet.“

Bei den WSBK-Events wird Folger mit Werksmaterial von Yamaha antreten. „Wir bekommen die WM-Ersatzmaschine von Yamaha. Es ist komplett das gleiche Material. Das wurde uns versprochen. Wir werden vor Barcelona noch einen Tag testen, um uns auf das Motorrad einzustellen. Es ist auf jeden Fall ein anderes Motorrad als das in der IDM“, bemerkt der Deutsche.

Harmoniert Jonas Folger mit der WSBK-Version der Yamaha R1?
Im Vergleich zur IDM-Yamaha gibt es an der R1 aus der Superbike-WM einige Unterschiede. „Die Maschine hat mehr Leistung und mehr Elektronik. Es hat eine andere Elektronik. Die Schwinge ist anders, die Bremsen und das Fahrwerk ebenfalls. Es gibt einige Unterschiede“, so Folger.

„Ich bin noch nie ein WM-Superbike gefahren. Wenn das WSBK-Bike der MotoGP einen Schritt näher ist, dann sollte mir das aber entgegenkommen. Ich fahre sehr gern mit Traktionskontrolle und mit Wheelie-Kontrolle. Das sollte mir liegen“, bemerkt der ehemalige MotoGP-Pilot.

Keine Angst vor Anpassungsproblemen
In der Vergangenheit hatten einige Fahrer Probleme, sich an die WSBK-Version eines Superbikes zu gewöhnen. Markus Reiterberger ist ein gutes Beispiel, dass ein WM-Motorrad nicht immer schneller sein muss als eine Stock-Maschine.

„Es muss natürlich auch mit dem Team harmonieren. Ich weiß nicht, ob der Reiti die richtigen Leute im Werksteam gehabt hat oder nicht. Aber das WM-Bike muss unterm Strich schneller sein als das IDM-Bike. Wenn das nicht der Fall ist, liegt irgendwo ein Fehler vor. Das technische Niveau ist höher als in der IDM“, so Folger.

Bei den Gastauftritten erhält Folger Unterstützung von Yamaha. „Wir haben von Yamaha einen Experten in der Box, der unseren Leuten auf die Finger schaut. Wir bekommen Unterstützung. Zudem wird es einen Datenaustausch geben zwischen dem Werksteam, dem Kundenteam und uns. Es geht Hand in Hand“, schildert der langjährige Grand-Prix-Pilot.

In diesem Jahr steht Folger beim IDM-Team von Michael Galinski unter Vertrag. Zu Yamaha gibt es keine direkte Verbindung. „Yamaha Deutschland hat bei diesem Projekt auch seine Finger im Spiel und Druck gemacht, damit das alles funktioniert mit den Wildcards. Es ist im Sinne von Yamaha Deutschland, dass wir die Wildcards fahren. Mich freut das natürlich riesig. Wir erhalten von Yamaha Deutschland eine sehr gute Unterstützung“, kommentiert Folger.

Wechselt Jonas Folger als IDM-Meister in die WSBK?
Das Ziel für die Saison 2020 ist klar: Folger will IDM-Meister werden, bei den Wildcards glänzen und dann 2021 in der Superbike-WM fahren. Folger will Schritt für Schritt vorgehen: „Ich kann noch nicht bis 2021 vorausschauen. Wir müssen erst einmal ein paar Rennen hinter uns bringen. Das Ziel ist natürlich, die IDM zu gewinnen. Das ist die Priorität des Teams.“

„Wir wissen noch nicht einmal, ob wir alle vier IDM-Rennen fahren oder ob Rennen dazukommen. Das ist momentan wie überall ziemlich verrückt. Deshalb ist es schwierig, weit vorauszuplanen. Mein Ziel ist es natürlich, nächstes Jahr in der WM zu fahren. Ich hab zwei Mal die Chance, mich bei den Wildcards zu beweisen und zu präsentieren, um eine Chance zu bekommen“, bemerkt Folger.

Bei Yamaha gibt es für die WSBK-Saison 2021 noch einen freien Platz im Werksteam, da Michael van der Mark zu BMW wechselt. Folger kann sich auf Grund seiner MotoGP-Vergangenheit und der Erfahrung mit der Yamaha R1 durchaus Chancen auf den Platz ausrechnen.

Michael van der Marks Platz ist heiß begehrt
„Ich war überrascht, als ich die Nachricht erfuhr“, kommentiert er den Wechsel von Michael van der Mark. „Er war ein integrierter Yamaha-Fahrer. Van der Mark hat man immer gleich mit Yamaha in Verbindung gebracht. Von dem her war es auch für mich überraschend. Wahrscheinlich ging es wie so oft ums Geld. Jetzt ist ein Platz frei.“

„Es gibt so viele Kandidaten und andere Fahrer, die scharf auf den Platz sind. Sicher wird auch mein Name fallen. Ich muss jetzt versuchen, Resultate zu bringen, die Wildcards auszunutzen und Ausrufezeichen zu setzen. Dann werden auch die anderen Teams hellhörig. Vielleicht ergibt sich dann die Chance“, grübelt der Deutsche.

Die Verhandlungen führt Folger mittlerweile selbst. Einen Manager hat der mehrfache Grand-Prix-Sieger nicht mehr. „Ich kümmere mich selbst um das Management. In Spanien habe ich noch jemanden, der mich unterstützt und die Fühler ausstreckt. Ansonsten mache ich alles selbst“, so Folger.

Scott Redding ist laut Jonas Folger der große Favorit
Und welche Erwartungen hat Folger für die WSBK-Saison 2020? Auf welchen Fahrer würde er sein Geld setzen? „Mein klarer Favorit ist der Scott (Redding)“, so Folger. „Ich kenne Scott und weiß, was er fahrerisch kann. Er befindet sich nach einer schwierigen Zeit wieder auf einer Welle, fährt für ein Werksteam und war noch nie so motiviert.“

„Von dem her denke ich, dass Scott die besten Chancen hat, den anderen Fahrern um die Ohren zu fahren“, bemerkt Folger. „Scott war mehrere Jahre in der MotoGP. Die Erfahrung kann ihm keiner nehmen. Das setzt er jetzt in der Superbike-WM um.“

Ende Juli wird die Superbike-WM-Saison 2020 in Jerez fortgesetzt. Am 30. Juli stoßen Jonathan Rea, Scott Redding und Co. in den Freien Trainings wieder aufeinander. Am 31. Juli wird das erste Rennen nach der Coronavirus-Zwangspause gestartet. Am Tag darauf stehen das Superpole-Rennen und Lauf zwei auf dem Plan. Bereits eine Woche später geht die WSBK-Saison im portugiesischen Portimao weiter.

Text von Sebastian Fränzschky

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