Miguel Oliveira - © Motorsport Images

© Motorsport Images – Miguel Oliveira war beim Test als 16. bester KTM-Pilot

(Motorsport-Total.com) – Kein KTM-Pilot in den Top 15 der kombinierten Liste aller Testtage und über 1,3 Sekunden Rückstand auf die Bestzeit: Der finale Vorsaison-Test in Katar verlief für die Mannschaft aus Mattighofen durchwachsen, was die Rundenzeiten angeht.

Miguel Oliveira war als 16. bester KTM-Pilot. Teamkollege Brad Binder folgte auf der 17. Position. Neuzugang Danilo Petrucci fand sich nur auf der 24. Position wieder, direkt hinter Tech-3-Teamkollege Iker Lecuona.

Das schwache Abschneiden beim Katar-Test dämpft die Erwartungen für die neue MotoGP-Saison, in der KTM ein Kandidat für den Titel sein möchte. Wir haben uns exklusiv mit Technikdirektor Sebastian Risse unterhalten und hinterfragt, warum sich KTM beim Katar-Test so schwer tat. Diese und weitere Fragen beantwortet Risse im Video-Interview, das am Samstag um 17:00 Uhr auf dem YouTube-Kanal von Motorsport-Total.com veröffentlich wird.

Spezielle Strecke und besondere Bedingungen auf Grund der Corona-Situation
„Katar ist grundsätzlich speziell, in diesem Jahr besonders“, bemerkt KTM-Technikdirektor Sebastian Risse und begrünet: „Wir hatten nicht die normalen Wintertests im November und Dezember. Wir konnten also sehr viel entwickeln, aber nur sehr wenig testen.“

„Die Teile, die wir testen konnten, mussten wir schon soweit vorbereiten, damit sie eine Woche später für die Fahrer auch bereitstehen. Es war anders als sonst. Wir mussten in erster Linie durch dieses Programm kommen und durften nicht ausschließlich die Rundenzeit für sich sehen“, erklärt er die enttäuschenden Rundenzeiten.

„Wir mussten das Testprogramm so managen, um die verschiedenen Bedingungen für sich zu nutzen und nicht gegen sich hat. Ein Beispiel ist, dass ich bei Wind nicht die Aerodynamik testen kann. Bei diesen Bedingungen kann ich aber die Windanfälligkeit testen. Wenn der Grip schlecht ist, dann muss man das im Kopf behalten und Dinge erneut testen, wenn der Grip besser ist. Das hat uns sehr beschäftigt“, gesteht Risse.

Warum sich KTM von den Ergebnissen nicht entmutigen lässt
„Die Ergebnisse in den Zeitenlisten sind sicher nicht das, was wir uns gewünscht haben“, so der KTM-Technikdirektor „Wir lassen uns aber deshalb nicht entmutigen. Wir wissen, dass Katar speziell ist. Egal, ob wir eine gute oder schlechte Saison hatten – die Ergebnisse in Katar waren immer ähnlich.“

„Wir können die Stärken von unserem Motorrad hier nicht richtig umsetzen“, schildert Risse. „Im Turning haben wir weiterhin eine gewisse Schwäche, die sich stärker bemerkbar macht als auf anderen Rennstrecken. Das ist uns bewusst. Das gibt uns die Gelegenheit, daran zu arbeiten und Dinge zu probieren. Doch wir müssen dann am Renn-Wochenende sehen, wo wir genau stehen.“

Reisen die Fahrer mit angeschlagenem Selbstvertrauen nach Doha?
Die Ingenieure können sich den Rückstand auf die Konkurrenz somit erklären. Doch bei den Fahrern kratzen Misserfolge schnell am Selbstvertrauen. „Natürlich ist es für den Fahrer sehr schwierig“, ist sich Risse bewusst. „Als Sportler muss er erst einmal wieder reinfinden. Er braucht Zeit, um sich auf dem Motorrad wohl zu fühlen.“

„Der Fahrer hätte gern Zeit, das Motorrad abzustimmen. Die Ingenieure hätten gern Zeit, um das Motorrad weiterzuentwickeln. All das muss unter einen Hut gebracht werden. Jeder Fahrer nimmt das unterschiedlich auf und geht unterschiedlich damit um auf seine Art“, berichtet der KTM-Technikdirektor.

Für den Saisonauftakt in Katar macht sich der KTM-Verantwortliche dennoch keine Sorgen: „Ich muss sagen, dass wir unsere Fahrer für das Renn-Wochenende in einer sehr positiven Spur haben. Sie wissen, was sie können. Sie wissen, was sie schon zeigen konnten und was noch nicht. Sie haben sehr großes Verständnis, dass wir dieses Programm so durchziehen mussten.“

Wie schnell ist KTM, wenn die Abstimmung passt?
„Natürlich schmeckt das keinem, auch nicht uns als Ingenieuren. Bei einem Entwicklungs-Team kommt die klassische Rennteam-Arbeit zu kurz, bei der man sich die Zeit nimmt, das Motorrad für die Bedingungen abzustimmen und dadurch dem Fahrer die Chance bietet, das Letzte herauszuholen. Das ist allen Fahrern bewusst“, so Risse.

„Wir haben das als Team in Kauf genommen. Die Stimmung ist deshalb nicht schlecht. Wir haben uns durch diesen Test nicht zerstören lassen“, stellt KTM-Technikdirektor klar und fügt hinzu: „Wir konzentrieren uns jetzt auf das Renn-Wochenende.“

Text von Sebastian Fränzschky

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