Luca Marini - © Motorsport Images

© Motorsport Images – Luca Marini sucht weiter noch einer guten Basis mit der Honda RC213V

(Motorsport-Total.com) – Im Rahmen der MotoGP-Konzessionen für Honda absolvierte Luca Marini diese Woche einen privaten Test in Jerez und erzielte auf der RC213V laut eigener Aussage durchaus Fortschritte, wenngleich der MotoGP-Pilot auch schwer stürzte.

„Nach Katar haben wir einige Tests in Jerez gemacht und ich hatte einen schlimmen Sturz“, erzählt er am Donnerstag vor dem Grand Prix von Portimao. „Das Motorrad wurde ein wenig beschädigt, aber sie konnten es hierher bringen und es reparieren. Zum Glück habe ich mich nicht verletzt, aber der Sturz war heftig.“

„Es war ein identischer Sturz wie der von Marc Marquez, als er sich 2020 in Jerez verletzte, direkt in Kurve 3.“ Wir erinnern uns: Damals brach sich der Spanier den rechten Oberarm – der Beginn eines langen Leidensweges, an dessen Ende Marquez Honda schließlich verließ. Seit dieser Saison startet er für Gresini-Ducati.

Marini hingegen trennte sich von VR46-Ducati, um Marquez‘ Platz bei Honda einzunehmen, wohl wissend, dass er dort erst einmal viel Aufbauarbeit wird leisten müssen. Zum Teststurz in Jerez ergänzt er: „Zum Glück hat mich das Motorrad nicht getroffen, aber die Dynamik war identisch (wie bei Marquez; Anm. d. R.).“

Marini mit Honda „auf einem guten Weg“
Abgesehen davon zieht der Honda-Neuling aber ein positives Fazit: „Es war gut, einen Testtag zu haben und das Motorrad auf einer anderen Strecke zu fahren. Es war ein wirklich guter Test. Ich denke, dass wir eine Basis gefunden haben, die in Jerez wirklich gut funktioniert, und ich hoffe, dass sie auch hier funktioniert. Es wird interessant sein zu sehen, wie es sich auf einer anderen Strecke verhält.“

„Aber wir haben gute Änderungen am Motorrad vorgenommen, denn nach dem Katar-Grand-Prix haben wir alles analysiert. Wir haben verstanden, was schlecht gelaufen ist und wir versuchen, es zu beheben.“ Dabei befinde sich Honda „auf einem guten Weg“.

„Ich bin nur neugierig, wie sich das Motorrad hier verhält, denn in der Vergangenheit war es für Honda eine bessere Strecke als Katar“, sagt Marini weiter. Er ist daher zuversichtlich, diesmal „näher an den Topfahrern dran“ zu sein. In Katar hatte es vor zwei Wochen nur zum 20. und damit vorletzten Platz gereicht.

„Das Gefühl mit dem Motorrad war nicht so gut, vor allem in den Kurven hatte ich Probleme“, rekapituliert Marini seine Schwierigkeiten beim ersten Renneinsatz mit Honda.

„Wir haben die Front zu sehr belastet. Ich bin auch sehr groß und belaste die Reifen mit meinem Gewicht entsprechend. Wenn man da nicht die richtige Balance findet, führt das zu Problemen. Das war auch schon in der Vergangenheit so“, erklärt er.

„Weil ich einfach größer und schwerer bin als die anderen und beanspruche die Reifen deshalb mehr, was Temperatur und Abbau angeht. Wir müssen eine Basis finden. Und ich denke, Jerez hat mir dabei geholfen.“ Dabei habe er sich ganz auf die Arbeit mit seinem jetzigen Bike konzentriert und keine neuen Teile getestet.

Bradl testete in Jerez ein neues Chassis
Das überließ er Stefan Bradl, der in Jerez ebenfalls auf die Strecke ging. So verrät Marinis Honda-Teamkollege Joan Mir: „Stefan hat zwei Tage getestet und verschiedene Dinge ausprobiert. Es sieht so aus, als würden wir morgen ein paar Dinge davon testen, um zu sehen, ob wir uns damit weiter verbessern können.“

Bradl soll ein neues Chassis sowie Elektronik-Einstellungen getestet haben. „Es sind Details, die einen Unterschied machen können. Wir müssen die Konzessionen ausnutzen“, so Mir.

Dabei sei der Grip am Hinterrad eine von Hondas Prioritäten. „Alles, was wir tun, zielt darauf ab, ihn zu verbessern. Aber es kann natürlich sein, dass sich etwas anderes verbessert, nicht der Grip. Und es sieht so aus, als ob das, was wir in der Pipeline haben, nicht speziell den Grip verbessert, aber dafür andere Bereiche.“

Auch Takaaki Nakagami von LCR-Honda macht die fehlende Traktion am Kurvenausgang als „die größte Schwäche“ der RC213V aus. „Wir treffen dort auf ein Limit, weil wir unter Spinning leiden und uns Grip fehlt. Es ist immer noch unser Schwachpunkt – in Katar, auch in Sepang (beim Test). Deshalb liegt der Fokus auf diesem Bereich.“ Über ihn hatte sich auch sein Teamkollege Johann beklagt.

Für Marini liegt die aktuell größte Schwäche jedoch woanders. „Ich denke, Johann ist vielleicht der beste Fahrer, um die Beschleunigungsphase eines Motorrad bestmöglich zu nutzen“, sagt er über seinen Markenkollegen, der auch erst zu Honda gewechselt ist.

„Schon bei Ducati war er in der Lage, am Kurvenausgang viel Zeit gutzumachen. Das ist kurios, denn normalerweise holt man auf der Bremse und am Kurveneingang Zeit heraus. Er macht jetzt auch bei Honda mit diesem Fahrstil einen guten Job. Er ist also mit Sicherheit sensibler als andere, wenn es um diesen Bereich geht.“

Marini verliert mit Honda in der Kurvenmitte
„Was mich betrifft, denke ich nicht, dass der Kurvenausgang der Punkt ist, wo wir am meisten verlieren. Für mich ist es – im Vergleich zu Ducati – mehr die Kurvenmitte.“

„Im ersten Teil der Beschleunigung sind Aprilia und KTM die stärksten, weil sie mehr Grip haben als alle anderen“, analysiert Marini. „Aber wir können uns verteidigen. Im zweiten Teil der Beschleunigung ist Ducati am stärksten. Aber wir sind auch nicht so schlecht, vielleicht besser als Aprilia und Yamaha.“

Wo Honda aus seiner Sicht im Moment am langsamsten ist und folglich am meisten verliert, ist in der Mitte der Kurve. „Aber vielleicht liegt es an mir und die anderen Jungs, Joan und Johann, können mehr Kurvenspeed fahren als ich“, grübelt Marini.

Auf die Frage, ob es an der Aerodynamik oder zu wenig mechanischem Grip liegt, bleibt er vage. „Ich habe eine Idee und wir sind im Austausch mit den Ingenieuren. Es ist nicht möglich zu sagen: Das ist das Problem. Wir müssen es weiter analysieren und verstehen. Es war ja auch erst ein Rennen“, so der Italiener.

Deshalb bleibt er zuversichtlich, mit jedem weiteren Rennwochenende und Test Fortschritte zu machen. Dabei setzt Honda mehr denn je auf eine teamübergreifende Zusammenarbeit mit LCR, um voranzukommen und einen Weg aus der Formkrise zu finden.

„Sie teilen die Informationen mit uns und wir bekommen auch die neuen Teile, sobald sie zur Verfügung stehen“, betont Zarco. „Das stand seit Beginn des Jahres außer Frage. Und das ist das Positive hier bei Honda. Es gibt nicht mehr nur einen starken Leader, wie Marc einer war. Sie haben die Herangehensweise verändert und versuchen, die Entwicklung so anzugehen wie die europäischen Hersteller.“

Text von J.Ziegengeist, Co-Autoren: O.Puigdemont, G. Garcia Casanova

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