Maverick Vinales - © Motorsport Images

© Motorsport Images – Maverick Vinales sieht seine mentale Gesundheit nicht als Problem an

(Motorsport-Total.com) – Mit der Trennung von Yamaha mitten in der MotoGP-Saison 2021 und dem Wechsel zu Aprilia sorgte Maverick Vinales im vergangenen Jahr für Schlagzeilen.

Dabei kam der Spanier zuweilen nicht allzu gut weg. Nicht wenige sahen in seiner mentalen Gesundheit einen Grund für seine unbeständige Karriere.

In der noch jungen Saison 2022 darauf angesprochen, betont Vinales: „Nun, das ist ein Thema, das immer wieder auftaucht. Aber ich muss sagen, dass meine geistige Gesundheit fantastisch ist. Ich könnte mir kein besseres Leben vorstellen als das, das ich habe.“

„Ich bin konzentriert. Aber manchmal erwarte ich, in einer Position zu sein, in der ich in den vergangenen Jahren aus vielen Gründen nicht in der Lage war zu sein“, sagt der Spanier mit Blick auf seine Vergangenheit bei Yamaha, wo er in viereinhalb Jahren nie in die Nähe einer ernsthaften Titelchance kam.

Vinales: Muss die Gefühle auch mal rauslassen
„Es ist also normal, dass ein Sportler wütend wird, wenn er sein Bestes gibt, aber das Ergebnis nicht eintritt. Man kann nicht so tun, als sei ein Fahrer ein Roboter, denn er hat Gefühle“, erklärt er seine zeitweilige Frustration. „Wir alle haben unsere Probleme.“

„Aber deswegen muss man nicht darauf drängen und sagen, dass man psychische Probleme hat. Das ist nicht wahr, meine mentale Gesundheit ist fantastisch.“

Dass die Medien die Probleme bei Yamaha auf seine Psyche zurückführen, verurteilt der 27-Jährige scharf: „Es geht zu weit, viel zu weit, weil sie immer sagen, mein Problem sei die mentale Seite. Das glaube ich nicht. Ich weiß, wo das Problem lag.“

„Der Druck von außen ist schwer zu handhaben“
Gleichzeitig sagt Vinales aber auch: „Ich muss mich verbessern, ich muss jeden Tag besser werden. Also arbeite ich mit einem Psychologen, mit einem Physiotherapeuten, mit einem Trainer, mit meinen Ingenieuren, mit meinen Mechanikern. Man muss jeden Tag arbeiten. Das ist das immer gleiche Spiel, Tag für Tag.“

Dabei spürt er freilich auch bei Aprilia den Erwartungsdruck von außen. „Dein Wert ist immer das letzte Rennen, also musst du weiter hart arbeiten“, sagt Vinales, der noch nicht seine Form gefunden hat. „Der Druck ist sehr schwer zu handhaben, ehrlich gesagt, und ich sehe, dass alle Leute von mir erwarten, dass ich gewinne.“

„Auf der einen Seite ist es sehr gut, weil ich weiß, dass die Leute mir vertrauen und erwarten, dass ich gewinne. Auf der anderen Seite ist es schwierig, damit umzugehen, wenn man es nicht schafft. Aber es ist ein Druck, der mich immer etwas mehr pushen lässt.“

Espargaro bricht Lanze für Sportpyschologie
Er sei auf dem Weg, Schritt für Schritt „der beste Maverick“ zu werden. „Und ich habe es nicht eilig. Manchmal ist es kompliziert, weil es einen an die Grenze bringt, aber es ist schön, wenn die Leute erwarten, dass man gewinnt.“ Um dahin zu kommen, hat Aprilia in diesem Jahr eine Arbeitsgruppe um ihn herum gebildet.

Zu ihr gehört auch ein Sportpsychologe. Das ist in der MotoGP nichts Revolutionäres mehr. So arbeitet Aprilia-Teamkollege Aleix Espargaro mit einem Sportpsychologen, seit er 15 Jahre alt ist. „Seit meinem ersten Jahr in der Meisterschaft“, sagt er.

„Vor allem 2018 und 2019 habe ich viele Treffen mit ihm via Zoom gemacht, und ich bin auch mit ihm nach Barcelona gefahren, um in einer Sportuniversität zu arbeiten. Es hat mir sehr geholfen. Jetzt nehme ich ihn nicht mehr regelmäßig in Anspruch, aber jedes Mal, wenn ich Zweifel habe“, verrät der Aprilia-Pilot.

„Der Kopf ist der wichtigste Teil unseres Körpers“
Das bedeute aber nicht automatisch, dass man nicht leistungsfähig ist, betont er. „Man muss nicht schlecht sein. Manchmal muss man einfach verstehen, wie man etwas ändern kann oder sein Leben anders strukturieren kann. Ich empfinde das als wirklich hilfreich, weil es dir die Sichtweise von der anderen Seite zeigt.“

Deshalb ist Espargaro auch der Meinung, dass die Fahrer die Sportpsychologie genauso wichtig nehmen sollten wie ihre Ernährung und ihre körperliche Verfassung.

„Tatsächlich achten wir immer mehr auf unsere Ernährung und unsere Fitness. Aber der Kopf ist der wichtigste Teil unseres Körpers und unser stärkster“, hebt der Spanier die Bedeutung von mentaler Gesundheit hervor. „Genau deshalb kümmere mich gut darum.“

Text von Juliane Ziegengeist, Co-Autor: Lewis Duncan

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