Alex Rins - © Motorsport Images

© Motorsport Images – Suzuki wird mit Alex Rins und Joan Mir nur noch in dieser Saison antreten

(Motorsport-Total.com) – Die Nachricht, dass Suzuki die MotoGP am Ende der laufenden Saison verlassen will, war für das komplette Paddock ein Schock.

Nicht einmal mit der Dorna hatte es im Vorfeld Gespräche gegeben. „Wir waren überrascht von den Nachrichten, die wir in Jerez erhalten haben“, bestätigt Dorna-CEO Carmelo Ezpeleta.

Beim Test in Jerez hatte Suzuki das Team zusammengerufen und über die Ausstiegspläne informiert. Das drang natürlich schnell nach außen. Eine offizielle Bestätigung ließ jedoch bis zum Donnerstag vor dem Grand Prix von Frankreich auf sich warten.

„Wir sagten, dass wir das verstehen könnten, aber Gespräche führen müssen, um die Situation genau zu kennen, denn wir haben einen Vertrag mit Suzuki, der erst vergangenen Jahr unterzeichnet wurde, sagt Ezpeleta weiter. „Wir müssen genau verstehen, wo das Problem liegt. Diesbezüglich werden wir uns in der Woche nach Le Mans mit Vertretern von Suzuki und Mitgliedern des Verwaltungsrats treffen.“

Ezpeleta: Interesse da, aber noch keine Entscheidung
Man sei „natürlich nicht glücklich über den Weggang von Suzuki“, betont der Dorna-Geschäftsführer. „Aber das Wichtigste ist, dass die Meisterschaft in sehr guter Verfassung ist. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Situation haben wir viele Anfragen von Herstellern oder einzelnen Teams erhalten.“

Sie hätten ihr Interesse bekundet, die frei werdenden Startplätze von Suzuki zu übernehmen. Doch eine Entscheidung will Ezpeleta nicht überstürzen. „Für uns ist eine Meisterschaft mit fünf Herstellern und sechs Privatteams genau das, was wir vergangenes Jahr hatten, und das ist für uns in Ordnung“, sagt er.

Damals war Aprilia noch nicht als eigenständiges Werksteam unterwegs. „Je nachdem, wie die Vorschläge aussehen, werden wir entscheiden, ob wir Suzuki ersetzen wollen oder ob wir die Situation ohne Suzuki so weiterführen“, so der Dorna-CEO.

Eine Möglichkeit wäre, dass Aprilia die Chance nutzt und ein eigenes Satellitenteam lanciert. Darauf angesprochen betont Rennmannager Paolo Bonora: „Zuallererst ist es nie schön, von etwas zu hören. Suzuki ist ein großer Hersteller und es war gut, sie hier zu haben. An Aprilias Plänen ändert sich dadurch aber nichts.“

„Wir verlieren unsere Konzessionen und werden versuchen, das nächste Jahr bestmöglich zu bestreiten“, betont der Italiener, schließt ein Satellitenteam aber nicht aus. „Wir haben mit dem Motorrad einen guten Schritt gemacht. Und ja, wir führen Gespräche mit anderen Teams. Ein Satellitenteam zu haben, könnte das Motorrad noch stärker verbessern, denn man hat mehr Fahrer und mehr Informationen.“

„Und es könnte auch die aktuellen Fahrer weiter pushen, da es mehr Referenzen gibt“, ergänzt Bonora. Gleichzeitig betont er mit Blick auf die Silly Season: „Was die Fahrer angeht, sind wir sehr zufrieden mit den Ergebnissen – sowohl mit Aleix als auch Maverick. Im Moment gibt es keinen Grund, etwas zu ändern.“

Fahrermarkt: Macht sich Vinales jetzt etwa Sorgen?
Aber bisher haben weder Aleix Espargaro noch Maverick Vinales einen Vertrag für 2023. Und mit Joan Mir und Alex Rins sind durch den Suzuki-Ausstieg zwar starke Fahrer verfügbar. Vinales macht sich deshalb aber keine Sorgen über seine Zukunft.

„Das ändert nichts“, sagt der Spanier. „Wir haben einen Plan und kennen unser Potenzial. Ich fühle mich sehr stark im Team, als ob ich die richtige Atmosphäre gefunden habe, um als Fahrer und Mensch zu wachsen. Für mich ist es jetzt an der Zeit, mich weiter zu verbessern. Wir sind sehr nach dran – es fehlt ein Klick.“

Um die Marke Suzuki, bei der seine MotoGP-Karriere 2015 begann, tut es Vinales leid. „Es ist eine traurige Nachricht, denn ich kenne die meisten der Leute, die dort arbeiten. Sie sind fantastisch und wie eine Familie. Sie haben bewiesen, dass sie ein tolles Team sind. Deshalb ist es für mich traurig, sie gehen zu sehen.“

„Ich kenne den Grund nicht. Ich glaube auch nicht, dass wir den wirklichen Grund erfahren werden. Aber ich bin traurig für die Leute, die dort arbeiten, denn es sind Leute, die seit vielen, vielen Jahren in dieser Welt gearbeitet haben. Ich wünsche ihnen wirklich, dass sie neue Struktur finden, denn es sind gute Leute.“

Franco Morbidelli von Yamaha betont: „Ich persönlich denke, dass diese Nachricht nicht gut für den Sport ist. Vor allem ist es sehr unschön zu sehen, dass so viele Profis von einem Tag auf den anderen ihren Job verlieren werden. Suzuki ist ein sehr gutes Team. Und dass es nicht weitermachen wird, obwohl es einen Vertrag hat, ist unverständlich. Eine sehr schlechte Situation, eine hässliche Episode.“

Fahrer: Suzuki-Ausstieg für die MotoGP ein Verlust
Morbidellis Markenkollege Andrea Dovizioso äußert sich ähnlich. „Es ist eine wirklich schlechte Nachricht“, sagt der Italiener. „Einen Hersteller weniger zu haben, ist nie gut. Und wir sprechen hier über den Weltmeister von 2020 (mit Joan Mir; Anm. d. R.).“

„Sie haben besondere Fahrer und können immer noch um die Meisterschaft kämpfen. Es ist also sehr seltsam. Aber ich kenne die Details nicht. Sie werden ihre Gründe haben, eine solche Entscheidung zu treffen. Aber glücklich bin ich darüber nicht.“

Auch Ducati-Pilot Jack Miller wundert sich über Suzukis Rückzugspläne. „Es war ein Schock“, gesteht der Australier. „Es ist schade und auch seltsam, dass ein Hersteller wie dieser jetzt geht. Sie sind vor zwei Jahren Weltmeister geworden und haben, so wie es aussieht, ihr bisher bestes Motorrad an den Start gebracht.“

„Für die Fahrer ist es natürlich beschissen. Aber sie sind wirklich gute Fahrer, sie werden einen Job finden. Doch es gibt 45, 50 Angestellte, die sich jetzt einen Job suchen müssen, um ihre Familien zu ernähren. Das ist also eine beschissene Sache. Und auch die Meisterschaft leidet. Die großen drei Hersteller – Honda, Yamaha, Suzuki – dabei zu haben, war unglaublich. Es ist traurig, dass das vorbei ist.“

Jorge Martin schließt sich an. „Es ist schade. Ich hoffe, dass die Fahrer und das Team für die Zukunft Arbeit finden, denn es betrifft ja viele Leute und Familien. Auch für die MotoGP als Marke ist das nicht gut, ebenso wie für den Fahrermarkt“, sagt er.

Zwar glaubt der Pramac-Pilot, dass sowohl Mir als auch Rins in einem anderen Team Platz finden werden.“Beide werden ein Motorrad finden. Sie sind sehr stark. Es wird kein Problem für sie sein, ein Motorrad zu finden. Aber ein Problem wird es für die, die ihren Platz dadurch verlieren“, gibt Martin zu bedenken.

Text von Juliane Ziegengeist

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