Lucy Glöckner - © Lucy Glöckner

© Lucy Glöckner – Lucy Glöckner bleibt der Szene als Instruktorin erhalten

(Motorsport-Total.com) – Lucy Glöckner hat ihren Rücktritt bekanntgegeben.

Die 31-jährige Zschopauerin verkündete das Ende ihrer Karriere in einer emotionalen Botschaft, die sie auf ihren Social-Media-Profilen teilte. Glöckner wird in Zukunft keine professionellen Rennen mehr bestreiten. Der Szene bleibt sie als Instruktorin erhalten.

In der Saison 2007 traf Glöckner im Red-Bull-Rookies-Cup auf Fahrer wie Johann Zarco, Luis Salom, Cameron Beaubier und Markus Reiterberger. Als 14. der Meisterschaft ließ Glöckner als einziges Mädchen im Feld eine Reihe männlicher Kollegen hinter sich.

Die Motorrad-EM, die IDM Superbike und die Langstrecken-WM waren weitere Stationen. Besonders in der Langstrecken-WM konnte Glöckner Erfolge feiern. Zudem machte sie mit ihren Teilnahmen beim Bergrennen am berüchtigten Pikes Peak auf sich aufmerksam.

Diese Botschaft teilte Glöckner mit ihren Fans:

Liebe Sponsoren, Fans und Rennsportfreunde!
Es ist still um mich geworden! Viele von euch haben sich sicherlich gewundert, dass man so rein gar nichts mehr von mir gehört hat.
Ich möchte euch heute mitteilen, dass ich meine aktive Rennsportkarriere offiziell beenden werde.

Ich habe mit sieben Jahren, auf einer von meinem Vati selbstgebauten Kinderrennmaschine begonnen, den Rennsport zu lieben. Für mich gab es keine andere Option mehr, Lucy + Motorrad = Leben; Benzin war für mich mein Lebenselixier. Es gab für mich keine Schule mehr, Prüfungen waren egal, ein Wochenende ohne Motorrad gab es nie.

20 Jahre voller Höhen und Tiefen, unzählige Schutzengel, Freude, Leid, Schmerzen, Emotionen (die ich nur durch den Rennsport kennenlernen konnte), historische Siege, Niederlagen und Verluste haben mich geprägt und zu einer stärkeren Person gemacht!

Leider hat sich mein größter Traum, ein Einsatz in der Superbike-Weltmeisterschaft nicht erfüllen können, wir waren nah dran, doch wahrscheinlich sollte es einfach so kommen. Ich denke trotzdem, dass ich Großes in meiner Karriere erreicht habe und mit voller Stolz und Zufriedenheit behaupten kann, dass ich eine der schnellsten Frauen auf der Welt im Rennsport gewesen bin.

Mir wurden Einsätze ermöglicht, von welchen viele nur träumen konnten. Zum Beispiel der Einsatz in der Langstreckenweltmeisterschaft unter dem Team von Gert56, wir haben Großes, fast unaussprechliches erreicht! Ihr seid für mich wie eine Familie geworden, bei euch ging es mir gut und ich konnte einfach nur ich sein!

Oder der Einsatz in den USA, dem legendären Pikes-Peak-Rennen in den Rocky Mountains. Auch diese Erlebnisse werde ich niemals vergessen können. Allerdings musste ich auch viele schreckliche Erlebnisse miterleben, die Schattenseiten des Motorradsports! Der Zusammenhalt ist einfach unglaublich und diesen gibt es nirgendwo anders! Ich habe Tausende von Menschen aus aller Welt kennenlernen dürfen. Ihr habt mich teilweise gefeiert wie einen Superstar!

Mir ist es sehr schwer gefallen und ich habe wirklich sehr lange über meinen Rückzug nachgedacht. Nach den vielen Jahren bin ich müde geworden! Über Jahre hinweg unter Leistungsdruck zu stehen, hinterlässt seine Spuren und mit meinem 30. Geburtstag im Jahr 2020 konnte ich mich ja nun auch nicht mehr als jugendlich und spritzig bezeichnen!

Wer mich kennt, weiß, dass ich extrem ehrgeizig war und bestmögliche Resultate für das Team und für mich erzielen wollte! Für mich gab es nur: Sieg oder Hospital! Und wie sagt man so schön? Wenn es am schönsten ist, sollte man aufhören! Mit dem letzten Titel zur Langstreckenweltmeisterschaft in Le Mans hatte ich die Spitze des Eisberges erreicht! Und dies war der krönende Abschluss meiner erfolgreichen Vita als Motorradrennfahrerin!

Ich möchte mich bei euch allen bedanken, die mich in meiner Rennsportkarriere, egal auf welche Art und Weise, unterstützt haben. Ihr alle seid für mich zu einer riesigen Familie geworden und ich bin unendlich dankbar darüber, jeden einzelnen von euch kennengelernt zu haben. Ihr seid das Sinnbild für Zusammenhalt!

Ich möchte mich auch bei meinen Eltern bedanken, die 30 Jahre lang alles für mich geopfert haben. Es gab für uns nur ganz wenige Urlaube außerhalb von Rennstrecken. Ihr habt euren letzten Cent in meine Karriere investiert und immer zu mir gehalten! Meine ganze Familie musste viele beängstigende Stunden ausstehen und trotzdem gab es nie Kritik und Einwände an der Ausübung meines Sports! Tausend Dank dafür!

Ganz ohne Rennstrecke und Motorrad geht es natürlich nicht! Sonst wäre ich nicht mehr die Lucy, die ihr kennt! Als Instruktor bin ich weiterhin bei Hafeneger Renntrainings unterwegs und dort wird’s auch weiterhin den ein oder anderen Wheely geben!

Macht’s gut, bleibt gesund und denkt daran: rechts ist das Gas!
Wir sehen uns, eure Lucy
forever #69

Text von Sebastian Fränzschky

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