MotoGP - © Motorsport Images

© Motorsport Images – In der MotoGP wird mit Benzinmotoren und einem Hubraum von 1.000 ccm gefahren

(Motorsport-Total.com) – Die Antriebskonzepte in der Fahrzeugindustrie befinden sich im Umbruch. Diese Entwicklung macht auch vor dem Motorsport keinen Halt.

Seit 2014 fährt die Formel 1 mit Hybridmotoren und seit 2014/15 gibt es die Elektrorennserie Formel E. Auch die Rallye-WM wird ab 2022 auf Hybridmotoren setzen. Wie sieht die Zukunft der Motorrad-WM aus?

„Es ist natürlich für die Zukunft eine interessante Frage für eine Marke wie Yamaha“, meint Yamaha-Teamchef Lin Jarvis im Rahmen des BlackBook Businessforums und zieht einen Vergleich: „Meiner Meinung nach hinkt die Motorradindustrie der Automobilindustrie hinterher.“

„In der MotoGP arbeiten wir mit starken, hocheffizienten Verbrennungsmotoren. Wir müssen aus begrenztem Kraftstoff so viel Leistung wie möglich herausholen. Das bietet auch Vorteile für Straßenmotoren, denn wir verwenden die effizientesten Motoren.“

Das Tankvolumen ist auf 22 Liter Kraftstoff begrenzt. Über Leistungsdaten hüllen sich die Hersteller in Schweigen. Die Power soll sich im Bereich von rund 300 PS bewegen. Für MotoGP-Prototypen gibt es auch eine Begrenzung der Lautstärke, die auf 130 Dezibel festgelegt ist.

Zukünftige Antriebstechnik noch offen
Auf der anderen Seite gibt es seit der Saison 2019 den MotoE-Weltcup. Diese Elektromotorräder sind im Vergleich zum MotoGP-Bike schwerer, haben weniger Leistung, sind langsamer und sie haben eine deutlich geringere Reichweite. Und es gibt keinen Motorsound.

„Die Frage ist, in welche Richtung sich in Zukunft der Sport entwickelt. Es wird passieren, dass man sich von Verbrennungsmotoren verabschiedet“, ist Jarvis überzeugt. „Wohin werden sich Moto3, Moto2 und MotoGP in Zukunft hin entwickeln? Worin werden die Hersteller investieren?“

„Werden es weiterhin Verbrennungsmotoren sein, Hybridmotoren oder eine komplett andere Technologie? Die Dorna promotet die MotoE. Wir sehen uns das mit Interesse an. Es gibt Vor- und Nachteile, wenn man mit Elektromotoren fährt.“

Die Etablierung der MotoE im Rahmen der Grands Prix war von MotoGP-Promoter Dorna ein erster Schritt in diese Richtung. Mit dieser Plattform will man erste Erfahrungen in diesem Bereich sammeln. Bisher wurde immer betont, dass die MotoE die MotoGP in Zukunft nicht ersetzen wird.

„Ich bin ein Petrolhead, weil ich alt bin“, lacht Jarvis und betont: „Emotionen sind für unseren Sport sehr wichtig – der Sound und der Speed. Dieses Phänomen, das ein Verbrennungsmotor erzeugt, ist schwierig nachzustellen.“

Trotzdem ist der Brite überzeugt, dass sich auch die Motorrad-WM mittel- bis langfristig im Bereich des Antriebs verändern wird: „Der Trend kommt trotzdem. Ich würde schätzen, dass wir in fünf Jahren die Entwicklung von neuen Antriebstechniken sehen werden.“

Promoter Dorna setzt auf Dialog mit der Industrie
Auch bei Serienmotorrädern halten Elektromotoren langsam Einzug, auch wenn das in den Produktpaletten noch eher „Exoten“ sind. Klassische Verbrennungsmotoren sind weiterhin am weitesten verbreitet.

Erst wenn es bei Serienmodellen nachhaltige Veränderungen geben wird, wird auch der Motorsport nachziehen. „Motorsport ist nicht das Problem, sondern Teil der Lösung“, hält Pau Serracanta, der Managing Director der MotoGP, fest. Man setzt auf einen Dialog mit den Herstellern.

„Die Wahrheit ist, dass wir über Elektromotoren und unterschiedliche Kraftstoffe mit der Industrie sprechen werden. Das entscheidet nicht die Dorna. Die Industrie leitet uns in die richtige Richtung. Wir versuchen so viel Erfahrung wie möglich zu sammeln.“

„Die MotoE ist eine fantastische Erfahrung. Ich war auch immer ein Petrolhead, aber die MotoE-Rennen sind fantastisch“, spricht Serracanta die hart umkämpften, kurzen Sprintrennen an. „Natürlich gibt es keinen Motorsound.“

„Aber wenn man die Rennen im Fernsehen verfolgt und einem Kommentator zuhört, dann ist das eigentlich kein Problem. Wir werden sehen, wie wir alle gemeinsam mit der Motorradindustrie die Zukunft gestalten können.“

Derzeit gibt es keine Bestrebungen, das Technische Reglement bezüglich der Motoren in näherer Zukunft zu ändern.

Text von Gerald Dirnbeck, Co-Autor: Guillaume Navarro

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