© Repsol - Casey Stoner feierte ausgelassen mit seinen australischen Fans

Casey Stoner hat sich zum zweiten Mal nach 2007 zum Weltmeister gekürt. Der Australier hat den ersten und letzten WM-Titel in der 800er-Ära gewonnen. Für Honda ist es der erste Titel seit 2006. Mit seinem neunten Saisonsieg hat der 26-Jährige an seinem Geburtstag auf Phillip Island alles klargestellt. Honda hat außerdem die Herstellerwertung für sich entschieden. Stoner hat der Saison seinen Stempel aufgedrückt. Er hat sich gegen seine Teamkollegen Dani Pedrosa und Andrea Dovizioso durchgesetzt und auch Jorge Lorenzo (Yamaha) kaum Möglichkeiten gelassen. Im Anschluss an den triumphalen Heimsieg sprach Stoner über seine Gedanken.

Frage: „Du hast 2007 gesagt, dass dein erster Titel ein Traum ist.“
Casey Stoner: „Der zweite ist Realität. Der erste WM-Titel war ein Traum, weil ich erst realisieren musste, was eigentlich passiert war. Diesmal wussten wir die ganze Saison über, dass wir eine Chance haben. Wir haben Punkte aufgeholt und uns einen Vorsprung erarbeitet. Das Team hat eine super Arbeit mit dem neuen Motorrad gemacht. Dieser WM-Titel bestätigt das, was ich das letzte Mal getan habe.“

Frage: „Auf Phillip Island passieren dir immer großartige Dinge, oder?“
Stonder: „Wir hatten an diesem Wochenende viel Glück mit dem Wetter. Es gab keinen Regen, aber es war etwas windig. Es war etwas kalt, aber sonst ziemlich fantastisch. Wir wussten also, dass irgendwas passieren würde. Phillip Island lässt dich ohne Regentraining nicht nach Hause. Das ist dann unglücklicherweise im Rennen passiert. Ich lag weit in Führung und wollte das natürlich nicht wegwerfen. Ich wollte auch nicht zu stark nachlassen, aber die Bedingungen waren sehr knifflig. Es trocknete ab und dann regnete es wieder. Das waren kritische Momente. Ich habe es geschafft vorne zu bleiben.“

Frage: „Es war ein unglaublicher Tag. Am Vormittag stürzte Lorenzo. Du hast den Vorteil genutzt, aber es war ein dramatischer Vormittag.“
Stoner: „Es war überhaupt nicht gut, was Jorge da passiert ist. Als ich die ganzen Leute im Kiesbett sah und hörte, dass sie nach seinem Finger suchen, fühlte ich mich schlecht. Es ist keine schöne Sache, wenn man so eine Verletzung hat. Wir arbeiten mit den Händen am Motorrad. Sie sind sehr wichtig. Ich bin zu Jorge gegangen um mit ihm zu reden. Er befand sich in einer guten Verfassung. Ich denke natürlich an ihn und hoffe, dass die Operation gut verläuft. Hoffentlich ist er in Malaysia wieder dabei.“

„Für uns war das jetzt auch nicht sehr glücklich. Ich dachte, dass es sehr schwierig werden würde, die WM schon zu gewinnen. Marco und Andrea waren aber sehr schnell und man weiß nie, was bei diesen Bedingungen passieren kann. Ich wollte da hinausgehen und gewinnen. Ich wusste, dass ein Platz in den Top 6 reichen würde, aber ich wollte unbedingt gewinnen. Den WM-Titel mit einem Sieg zu feiern, ist sehr, sehr schön.“

Frage: „Was hast du dir gedacht, als du Jorges Unfall im Fernsehen gesehen hast?“
Stoner: „Zuerst dachte ich, dass es nur ein harmloser Ausrutscher war. Dann hörte ich, dass irgendwas mit dem Finger sei, aber ich dachte an eine kleine Abschürfung. Anschließend sah ich die Wiederholung und all die Leute, die seinen Finger gesucht haben. Ich wusste nicht, wie schlimm es war. Ich bin ein Racer und weiß selbst, wie so etwas ist. Das wünscht man niemandem, vor allem nicht jemandem, der sich so anstrengt.“

„Ich dachte mir im ersten Moment, dass ich ihn sehen muss. Das habe ich auch gemacht. Jorge und ich kommen gut miteinander aus, wenn man bedenkt, dass wir WM-Konkurrenten sind. In so einer Situation muss man die WM vergessen. Ich bin zu ihm gegangen und wollte wissen, was los war, weil ich hörte, dass er nicht fahren kann. So wollte ich die WM nicht gewinnen. Trotzdem hatte ich die bessere Chance auf den Titel. Ich bin mir sicher: wenn es hier nicht geklappt hätte, dann auf jeden Fall in Malaysia. Wir werden es nie wissen. Soweit ich weiß, wird sich Jorge gut erholen. Es sollte ihn auf dem Motorrad in Zukunft nicht behindern.“

Stoner meistert den Regen

Frage: „Das Rennen hat für dich gleich gut begonnen, denn du bist beim Start sofort in Führung gegangen.“
Stoner: „Ich fragte mich, wie lange wir in der Startaufstellung warten würden. Ich wollte auf dem Monitor beobachten, was mit Cal los ist, aber ich behielt auch den Mann mit der grünen Flagge im Auge. Dann ließ ich ihn für einen zu langen Moment aus den Augen und er war plötzlich weg. Dann schaute ich auf die Ampel, sie ging aus und ich fuhr los. Ich habe gerade noch den Start geschafft, aber dann hat alles gut funktioniert. Wir sind lange in der Startaufstellung gestanden. Die Reifen sind dabei ausgekühlt. Als dann alles auf Temperatur war, konnte ich pushen und die Führung vergrößern.“

Frage:
„Was waren deine Gedanken, als es zu regnen begann? Einige Fahrer sind deshalb gestürzt.“
Stoner: „Ich bin ebenfalls kurz neben der Strecke gewesen. Ich hatte Glück, denn ich war der erste Fahrer, der in den Regen gekommen ist. Die erste Regenwolke ist weiter gezogen und es tröpfelte nur hier und da leicht. Später hat die Sonne durch die Wolken geblinzelt und es war nicht so dunkel. Der Regen war aber stärker.“

„Als ich in der letzten Kurve Gas gab, begann das Hinterrad sofort zu rutschen. Mein Puls stieg gewaltig an und ich bin es dann etwas vorsichtiger angegangen. Ich wusste nicht, wie stark ich attackieren kann, weil keine anderen Fahrer um mich herum waren. Deshalb war es schwierig, die Situation zu beurteilen. Ich wollte sichergehen, dass ich Weltmeister werde, aber ich wollte nicht den Heimsieg verlieren. Ich wollte beides und habe es geschafft.“

Erfolgsserie kam überraschend

Frage: „Hast du in diesem Jahr mit so vielen Siegen gerechnet, oder war es eine Überraschung?“
Stoner: „Es war eine Überraschung. Es herrscht ein enger Konkurrenzkampf und man kann nie mit so vielen Siegen rechnen. Als ich 44 Punkte Vorsprung hatte, war ich sehr glücklich. Manchmal ist es auf und ab gegangen, bis ich zu diesem Punkt jetzt gekommen bin. Als ich für Honda unterschrieben habe, wusste ich, dass man um die WM kämpfen kann, solange das Motorrad konkurrenzfähig ist.“

„Zu Saisonbeginn war ich sowohl mit der Ducati als auch mit der Honda immer schnell. Bei Honda habe ich eine neue Heimat gefunden. Selbst wenn wir einmal Probleme haben, können wir zusammen immer noch etwas aus dem Motorrad herausholen und an der Spitze mitmischen, egal wie schlecht die Abstimmung ist. Ich bin sehr glücklich, wie wir an jede Strecke herangegangen sind. Ich hatte mit dem Motorrad keinerlei Erfahrungen. Das Ziel ist immer, vorne mitzukämpfen, oder ein Wort um den Sieg mitzusprechen.“

Frage: „Hast du in diesem Jahr die anderen Honda-Fahrer stärker erwartet?“
Stoner: „Sie waren stark in diesem Jahr. Sie waren manchmal stärker, dann wieder schwächer. Eigentlich war in jedem Rennen mindestens ein Honda-Fahrer ganz vorne und schwer zu schlagen. Ich habe sie in Australien stärker erwartet. Zuerst bin ich ruhig gefahren, aber als ich dann entschied anzugreifen, nahm ich ihnen rasch viel Zeit ab. Der Regen hat das Rennen kompliziert gemacht. Ich habe sie aber stärker erwartet.“

Laguna Seca und Brünn die besten Rennen 2011

Frage: „Bist du in diesem Jahr deine besten Rennen deiner Karriere gefahren?“ Welches Rennen war in dieser Saison dein Bestes?“
Stoner: „Eines davon war sicher der Sieg in Australien. Es war schwierig, überhaupt sitzen zu bleiben. Ich musste zu Beginn nicht soviel pushen. Wenn Jorge dabei gewesen wäre, wäre es sicher anders gewesen. Als es dann regnete, wusste ich nicht, wie schnell ich fahren muss und was die anderen machen.“

„Einige Rennen zählen in diesem Jahr sicher nicht zu meinen besten. Mir sind Fehler unterlaufen, Abstimmungsfehler, die mir in der Vergangenheit nicht passiert sind. Die schlechtesten Tage endeten mit Platz drei. Wenn man von Rang drei enttäuscht ist, dann ist das eine spezielle Situation. Natürlich freuen wir uns darüber, aber wenn man das Potenzial erkennt, dann ist man manchmal etwas enttäuscht. Ich würde sagen, dass Laguna Seca und Brünn die zwei besten Rennen waren. In Laguna war die Abstimmung nicht perfekt. Für das Rennen änderten wir dann etwas und waren stärker als die Konkurrenz. Das war sehr gut für uns.“

Frage: „Du hast den ersten 800er-Titel und den letzten gewonnen. Kannst du diese beiden WM-Titel vergleichen?“
Stoner: „Die jetzige fühlt sich viel besser an. Im Jahr 2007 wurde ich für viele Dinge kritisiert. Dass ich das beste Motorrad, den besten Motor und die besten Reifen habe. Es gab viele Geschichten. Jetzt ist die Saison anders. Es fahren drei Leute auf identischen Motorrädern. Ich bin sehr glücklich über die Zusammenarbeit mit Honda. Es läuft sehr gut, aber es gab auch schwierige Zeiten. Dieser Titel fühlt sich viel besser an. Ich hatte im Gegensatz zu 2007 einen Ausfall und musste Punkte aufholen. Seit diesem Ausfall lief die Saison sehr beeindruckend. Ich muss mich bei allen Teammitgliedern bedanken.“

Frage: „Blicken wir zurück. Du hast dich nach einigen Jahren bei Ducati für einen Markenwechsel entschieden.“
Stoner: „Es war eine harte Zeit in den letzten Jahren. Es ist für mich im Vorjahr nicht so gut gelaufen, aber ich bin jetzt mit einem neuen Team zurückgekommen. Das Motorrad war sofort fantastisch zu fahren. Für Repsol-Honda wollte ich schon seit langer Zeit fahren. Die Möglichkeit hierher zu wechseln hatte die höchste Priorität. Ich habe die Möglichkeit bekommen und nie zurückgeblickt. Alles ist super gelaufen, von den Tests über die Rennen. Ich war in den Rennen, die ich beende habe, nie schlechter als Platz drei. Wir wollen so viele Rennen wie möglich gewinnen. Das hat uns den WM-Titel gebracht.“

Motivation nach wie vor hoch

Frage: „Honda hat seit dem letzten Titelgewinn im Jahr 2006 eine harte Zeit durchgemacht. Jetzt kommst du und gewinnst gleich…“
Stoner: „Ich denke, dass Dani die Möglichkeit auf starke Resultate hatte, aber er hatte auch Pech. So muss man die Dinge sehen. Wenn er nicht Pech gehabt hätte, würde es vielleicht anders aussehen. Es macht es aber schon sehr speziell, weil Honda in den letzten Jahren zu kämpfen hatte. Ich habe gleich im ersten Jahr den WM-Titel gewonnen, was schon etwas Besonderes ist. Das war aber auch bei Ducati im ersten Jahr so. Es war sehr schön, für Ducati den ersten MotoGP-Titel zu gewinnen. Genauso schön ist der letzte 800er-Titel für Honda. Es war eine tolle Saison. Ich blicke jetzt nicht zurück und denke viel darüber nach. Ich möchte das schöne Gefühl genießen.“

Frage: „Du hast gleich im ersten Jahr gewonnen. Brauchst du jetzt eine neue Motivation?“
Stoner: „Ich brauche keine Motivation, um erneut siegen zu können. Nach dem ersten Titelgewinn mit Ducati hatten wir in der darauf folgenden Saison etwas zu kämpfen. Es lief damals nicht perfekt. Wir hatten es versucht und nicht geschafft. Ich brauch keine Motivation. Es wird im nächsten Jahr schön sein, die Honda besser zu verstehen. Auch meine Mechaniker haben dann mehr Verständnis. Es sollte einfacher werden, die richtige Richtung bei der Abstimmung zu finden. Ich brauche kein neues Motorrad, um frische Motivation zu finden. Mit der Ducati hatte ich in den letzten Jahren zu kämpfen. Ich bin glücklich, dass ich bei Honda ein gutes Paket gefunden habe, mit dem ich meine zweite Weltmeisterschaft gewinnen konnte.“

Frage: „Du hast die meisten Siege in der 800er Ära gefeiert. Ärgert dich, dass diese Zeit nun zu Ende geht?“
Stoner: „Nein, ganz sicher nicht. Ich habe mich damals gefragt, warum man überhaupt von den 1.000ern auf die 800er wechselte. Man sagte, es sei aus Sicherheitsgründen. Jeder kennt die Statistiken. Die 800er sorgten für mehr Unfälle. Ich habe die 1.000er immer bevorzugt und habe mich auf ihnen immer wohl gefühlt. Mit mehr Power fühle ich mich immer wohler. Ich freu mich auf die 1.000er. Auf Phillip Island wird man damit leichter durch Kurve drei rutschen können. Es wird sicher auf vielen Strecken mehr Spaß machen.“

Frage: „Du hast am Sonntag auch deinen Geburtstag gefeiert. Mit dem Sieg und dem WM-Titel ist alles zusammengekommen.“
Stoner: „Alles was passieren konnte, ist passiert. Die Krönung wäre noch die Geburt meines ersten Sohnes gewesen. Darauf muss ich noch ein wenig warten. Ich freue mich schon. Nicht viele Menschen haben die Möglichkeit, dass alle diese Dinge auf einen Tag fallen. Mein Geburtstag, die Siegesserie beim Heimrennen und der WM-Titel. So viele Dinge an einem Tag, das ist kaum zu glauben.“

Frage: „Es waren unglaubliche Momente, nachdem du die Ziellinie überquert und auf dem Podium gefeiert hast. Du hast gestrahlt. Normalerweise zeigst du deine Emotionen eher weniger.“
Stoner: „Ich veranstalte nicht so eine Show wie manch andere Fahrer. Ich kenne aber die Gefühle, die man hat. Das ist das Einzige das zählt. Ich bin glücklich und all die Leute um mich herum auch. Das ist das Wichtigste. Fünf Heimsiege in Folge, der WM-Titel mein Geburtstag – das ist einfach unglaublich. Ich bin sehr dankbar dafür.“

Frage: „Deine Eltern waren da und natürlich auch deine Adriana. Die Freude war riesengroß.“
Stoner: „Genau. Es ist immer schön, wenn es einem daheim gelingt und niemand weit reisen muss. Es sind mehr Familienmitglieder als in der Vergangenheit hier. Vielleicht ist deshalb heute alles passiert. Ich habe für alle gewonnen. Danke, dass ihr alle gekommen seid.“

Frage: „Hast du eine große Party geplant?“
Stoner: „Eigentlich mag ich es gar nicht, dass ich an diesem Wochenende Geburtstag habe. Seit 2001 war mein Geburtstag immer an diesem Rennwochenende. An einem der Tage zwischen Donnerstag und Sonntag. Es wäre schon, einmal den Geburtstag daheim zu feiern. Das kann im nächsten Jahr der Fall sein, wenn ich mir den Kalender ansehe. Ich werde dann in der Box mit meinen Mechanikern feiern. Für später wird sicher etwas organisiert sein.“

Frage: „Hast du schon mit Mick Doohan gesprochen?“
Stoner: „Nein noch nicht. Wir haben uns am Donnerstag unterhalten. Am Sonntag sah ich ihn nur für fünf Sekunden, als ich auf dem Weg zu Jorge war, um in Erfahrung zu bringen, wie es ihm geht. Ich werde mit Mick schon noch sprechen. Es ist immer gut, mit ihm zu reden. Er redet kaum Unsinn. Das respektiere ich sehr.“

Text von Maximilian Kroiss

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