Marc Marquez - © Repsol

© Repsol – Marc Marquez hat in den vergangenen Monaten seinen Fahrstil adaptiert

„Ich denke, Marc hat seinen Fahrstil stärker geändert als die meisten Leute glauben“, findet LCR-Fahrer Cal Crutchlow. „Er hat daran gearbeitet und fährt besser als die übrigen Honda-Fahrer.“

Marc Marquez pflegt einen spektakulären Fahrstil, aber bei genauerer Betrachtung slided er am Kurveneingang nicht mehr so stark wie noch im Vorjahr. „Man sieht nicht mehr so oft, dass er das Motorrad mit dem Ellbogen rettet“, ist Crutchlow aufgefallen. Die Linien von Marquez sehen in der Regel sauberer aus. Das ist auch bei Onboard-Aufnahmen zu erkennen.

In der zweiten Saisonhälfte stellten sich wieder Topergebnisse ein. Seit Marquez in Assen das Honda-Chassis aus dem Vorjahr verwendet, war er in fast jedem Rennen ein Sieganwärter. Auf dem Sachsenring, in Indianapolis und Misano konnte er gewinnen. Dazu kamen zweite Plätze in Assen und Brünn. In Silverstone stürzte Marquez im Regen, weil das Hinterrad blockierte. Zuletzt in Aragon schied er wegen eines „dummen Fehlers“ aus.

„Zu Saisonbeginn hat er viel mehr Fehler gemacht als jetzt. Es liegt nicht nur am Chassis, er hat sicher auch seinen Stil verändert“, ist Crutchlow überzeugt. Die übrigen Honda-Fahrer verwenden das aktuelle Chassis, nur Marquez ist mit einer älteren Version unterwegs. Zusammen mit seinem Crew-Chief Santi Hernandez wird am Kurveneingang gefeilt. Noch 2014 war die Bremsphase und der Kurveneingang der wesentliche Vorteil, der ausschlaggebend für 13 Siege war.

„Wir arbeiten vor allem an der Motorbremse und am Kurveneingang. Auch ich will diesbezüglich meinen Fahrstil etwas anpassen“, sagt Marquez. „Ich kann sagen, dass ich meinen Fahrstil auf dieses Bike mit seinem Charakter adaptiert habe. Wenn ich so slide wie im Vorjahr, dann kann ich das Motorrad nicht mehr verzögern. Ich kann nicht so spät bremsen wie im Vorjahr. Ich muss etwas früher bremsen und einen höheren Kurvenspeed fahren.“

Die Umstellung des Fahrstils ist ein Balanceakt, der auch zu Fehlern führte. „Wenn ich das Limit suche, wird es ein Kompromiss. Für eine schnelle Runde ist es kein Problem, aber im Rennen muss ich hochkonzentriert sein, um konstant zu bleiben“, sagt Marquez und geht ins Detail: „Im Vorjahr konnte ich später bremsen und das Motorrad mit einem rutschenden Hinterrad oder Vorderrad verzögern. In diesem Jahr kann ich das Motorrad nur mit dem Vorderrad verzögern. Das belastet den Vorderreifen viel stärker. Deshalb muss ich früher bremsen, weil man im Rennen das Vorderrad nicht ständig pushen kann.“

Die Honda-Ingenieure arbeiteten im Frühling auch an der Elektronik und dem Auspuff, um den aggressiven Charakter des Motors etwas zu entschärfen. „Die Motorbremse funktioniert, aber nicht korrekt. Als Fahrer ist es schwierig zu verstehen, was das Bike macht“, spricht Marquez die Problematik an. „Das war vor allem in der ersten Saisonhälfte der Fall. Wir haben daran gearbeitet und jetzt ist es schon besser. Jetzt haben wir ein konkurrenzfähiges Motorrad. Wenn alles perfekt ist, können wir gewinnen.“

Abseits der Rennwochenenden ist Marquez viel mit dem Motocross unterwegs. Das hilft ihm, seinen Fahrstil auf unterschiedliche Gegebenheiten anzupassen. Das wird auch im kommenden Jahr gefragt sein: „Im nächsten Jahr werden wir den Fahrstil mehr an die Michelin-Reifen anpassen als an den Motor“, ist der zweifache MotoGP-Weltmeister überzeugt. Am Montag nach dem Rennen in Aragon fand der bislang letzte Reifentest mit Michelin statt. Honda probierte außerdem den Prototyp für 2016.

Video Marc Marquez

Text von Gerald Dirnbeck & David Emmett

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