Valentino Rossi - © Yamaha

© Yamaha – Nach viel Kritik brachte Michelin einen neuen Vorderreifen mit nach Sepang

Eigentlich verlief der erste Test der MotoGP-Saison 2016 in Sepang für den neuen Reifenhersteller Michelin positiv. Der neue Vorderreifen, den die Franzosen erstmals anboten, kam bei den meisten Piloten gut an.

Überschattet wurde die Performance allerdings vom heftigen Crash von Avintia-Pilot Loris Baz am Dienstag. An der Ducati des Franzosen war bei fast 300 km/h der Hinterreifen geplatzt. Vor allem Suzuki-Pilot Aleix Espargaro kritisierte Michelin anschließend heftig.

„Wir verwenden diesen Reifen schon sehr lange und dann hatte Loris diesen Unfall“, erklärt Michelin-Rennsportchef Nicolas Goubert und versichert: „Wir untersuchen noch die genauen Umstände. War der Reifendruck zu niedrig, oder gab es einen Defekt beim Reifen? Wir haben die Antwort noch nicht. Sicherheit kommt für uns an erster Stelle. Deswegen mussten dann alle mit dem harten Hinterreifen fahren.“

Bemerkenswert ist dabei die Tatsache, dass der Hinterreifen bisher eigentlich nie Probleme bereitete. Bei den Testfahrten in der vergangenen Saison beschwerten sich die Piloten in der Regel über den Vorderreifen, der 2015 noch für viele Stürze verantwortlich war. Michelin reagierte auf die Kritik und überarbeitete den Pneu für die erste Testfahrt des neuen Jahres.

Neuer Vorderreifen kommt gut an
„Man findet nie den perfekten Vorderreifen, aber wir sind mit den Ergebnissen sehr zufrieden“, freut sich Goubert und erklärt: „Beim ersten Test in Valencia gab es einige Kritik. Die Testfahrer haben dann im Dezember und Januar viel gearbeitet. Der Vorderreifen ist jetzt viel besser. Wir hatten in Sepang auch einen neuen Vorderreifen mit einer neuen Konstruktion. Die meisten Fahrer haben ihn ausprobiert. Jorge Lorenzo testete ihn in der letzten halben Stunde.“

Der Weltmeister selbst berichtet: „Es ist nicht so einfach. Bradley und Pol haben ein ähnliches Motorrad, aber sie konnten das Potenzial nicht nutzen. Ich weiß nicht, welche Probleme sie hatten. Vielleicht konnten sie nicht den neuen Vorderreifen ausprobieren, der dir vier bis fünf Zehntel ermöglicht.“ Am Mittwoch setzte Lorenzo in 1:59.580 Minuten deutlich die Bestzeit und war fast eine Sekunde schneller als der Rest des Feldes.

„Bisher hatten wir mit diesem Reifen sehr gutes Feedback. Leider werden für Phillip Island nicht genug dieser Reifen zur Verfügung stehen, weil der Zeitplan sehr eng ist. Für den Katar-Test wird dann alles bereit sein“, verspricht Goubert und erklärt im Hinblick auf den Phillip-Island-Test: „Der Hinterreifen wird dort sehr stark belastet, obwohl der Asphalt nun schon zwei Jahre alt ist. Aber natürlich wird es eine Herausforderung für uns.“

Noch immer ein „großes Fragezeichen“
Fakt ist, dass die meisten Piloten noch immer mit dem Umstieg von Bridgestone auf Michelin zu kämpfen haben. Valentino Rossi ist der erfahrenste Pilot im MotoGP-Feld. Auf die Frage, ob er seinen Fahrstil in diesem Jahr umstellen muss, antwortet er: „Wenn man mich das im Vorjahr gefragt hätte, dann ja, weil der Unterschied sehr groß war. Mit diesem neuen Vorderreifen sind wir näher dran.“

„Es ist trotzdem aus vielen Gesichtspunkten anders, aber auch wieder ähnlicher wie im Vorjahr“, erklärt Rossi und ergänzt: „Einfach gesagt ist der Hinterreifen im Vergleich zu Bridgestone etwas besser und der Vorderreifen etwas schlechter. Es geht um die Gewichtsverteilung des Motorrades und wie man die Reifen zum Arbeiten bringt. Das muss man verstehen.“

Ducati-Pilot Andrea Dovizioso erklärt: „Die Reifen sind für alle noch immer ein großes Fragezeichen. Mit den Bridgestones sind wir sehr lange gefahren, weshalb wir genau wussten, wann wir welchen Reifen aufziehen müssen, und welche Lebensdauer er hat. Momentan versuchen alle noch immer, das Potenzial der Reifen und ihre Haltbarkeit zu verstehen.“

Stoner zieht positives Fazit
„Es sieht so aus, dass der Hinterreifen ziemlich stark abbaut“, berichtet Dovizioso und ergänzt: „Aber das wird sich erst im Rennen zeigen, denn wenn man zusammen viele Runden fährt, ist es noch einmal anders.“ Ex-Weltmeister Casey Stoner war beim Sepang-Test ebenfalls mit von der Partie. Der Australier testete für Ducati auf der alten Desmosedici GP15 und verschaffte sich ebenfalls einen Eindruck von den Michelins.

„Bislang hatte ich nicht zu viele Probleme. Am ersten Tag war ich vielleicht etwas zu sensibel, denn es gab viele Stürze und ich wusste nicht, was ich erwarten konnte“, berichtet Stoner und ergänzt: „Bei einer Schräglage von mehr als 45 Grad scheint der Vorderreifen nicht ganz zum Hinterreifen zu passen. Deswegen sind viele noch etwas nervös und deshalb sind viele in Kurve 5 ausgerutscht.“

„Am Kurveneingang wird der Vorderreifen etwas unruhig. Das scheint der Punkt zu sein, wo der Reifen nachgibt. Deshalb haben wir einige Stürze gesehen. Ich war an diesen Tagen etwas vorsichtig. Die Bremsstabilität ist vielleicht nicht so gut wie bei Bridgestone, dafür kann man etwas später einbiegen und der Reifen will etwas mehr umlenken. Dazu gibt es den fantastischen Grip am Hinterreifen. Generell war mein Gefühl recht gut“, so der Australier.

Text von Ruben Zimmermann & David Emmett

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