© Honda - Stefan Bradl

© Honda - Für Moto2-Champion Stefan Bradl hat das MotoGP-Abenteuer richtig begonnen

Die erste Hürde ist genommen: Stefan Bradl hat in der vergangenen Woche den ersten richtigen Test mit der neuen Honda RC213V absolviert.

Das heiße Sepang war auch gleich eine Probe für die Fitness, die der Moto2-Weltmeister etwas müde, aber gut überstanden hat. Abgesehen von einem kleinen Ausrutscher am zweiten Tag, bei dem der Zahlinger im zweiten Gang über das Vorderrad zu Boden gegangen war und die Verkleidung etwas zerkratzte, ist der Test gut über die Bühne gegangen. Das LCR-Honda-Team war rundum zufrieden mit ihrem neuen Piloten.

Bradl machte gute technische Aussagen und arbeitete mit den Ingenieuren gut zusammen. Er konzentrierte sich auf sich selbst und war immer alleine unterwegs, um in Ruhe Fortschritte zu machen. Kontinuierlich steigerte sich der 22-Jährige, feilte m Fahrstil und der Abstimmung und markierte eine persönliche Bestzeit von 2:01.894 Minuten. „Ich bin mit mir selber zufrieden. Klar ist es noch ausbaufähig und auch von der Zeit her kann man sich noch eine Stufe verbessern, aber im Großen und Ganzen kann ich für den ersten Test zufrieden sein.“

„Wir haben sehr viel gelernt, ich habe sehr viel gelernt“, zieht Bradl gegenüber ‚Sport1‘ Resümee. „Vom Fahrstil her gibt es noch einen Feinschliff zu machen und ich kann mich hier und dort noch verbessern. Auch beim Motorrad haben wir einiges durchprobiert. Man kann sagen, dass es darum gegangen ist, eine Grundbasis zu finden. Jetzt wissen wir in welche Richtung wir vom Motorrad und vom Setup her gehen. Das war der erste Anhaltspunkt. Wir können alle zufrieden sein .Ich bin froh, dass diese drei Tage so gut zu Ende gegangen sind.“

In der MotoGP hat eine neue Zeitrechnung begonnen. Die Prototypen verfügen über 1.000 Kubikzentimeter Hubraum und die spannende Frage ist, wie sich die höhere Leistung auf das Renngeschehen auswirken wird. Während Ex-Weltmeister Jorge Lorenzo (Yamaha) beispielsweise eine Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit wünscht, freuen sich andere Fahrer auf das Leistungsplus. Bradl kann den Vergleich zwischen der alten 800er und der neuen 1.000er nicht einschätzen.

„Es ist schwierig zu sagen, weil ich Anfang November zum letzten Mal die 800er gefahren bin“, blickt er auf seine ersten beiden Testtage im vergangenen November in Valencia zurück. „Es war eine lange Pause, weshalb ich es wenig beurteilen kann. Wir haben mehr Drehmoment, aber die Leistungsspitze ist ungefähr gleich. Das Motorrad ist handlich und der Motor gut zu fahren. Momentan habe ich schon noch mit der Leistung zu kämpfen. Vielleicht kann ich in den nächsten Wochen und Monaten sagen, dass wir mehr Power brauchen, aber soweit sind wir noch nicht.“

MotoGP körperlich anstrengend

Die starken Prototypen der MotoGP sind auch körperlich anstrengender zu fahren als ein Moto2-Motorrad. Das spürte auch Bradl. Dazu kam noch, dass Sepang generell eine Herausforderung für die Fitness ist. „Man ist schon geschlaucht“, gibt der Deutsche zu. „Ich habe es schon gemerkt, aber ich glaube, das ist normal. Den anderen Fahrern geht es genauso.“

„Sicher war es für mich ein Sprung ins kalte Wasser mit der 1.000er hier. Es war ein richtiger Test. Malaysia ist vom körperlichen her immer vom allerfeinsten. Da muss ich aber durch, wir müssen hier auch ein Rennen fahren. Es war zwar hart, aber für mich recht hilfreich. Wenn ich das jetzt so gut durchgestanden habe, dann kann es nicht schlimmer kommen.“

„Muskulös bin ich verspannt. Ich war jeden Tag bei der Massage. Ohne geht es überhaupt nicht. Man muss schon Hilfsmittel hinzuziehen, weil sonst macht man sich kaputt. Im Großen und Ganzen war es am Mittwoch am schlimmsten. Der Dienstag war okay, aber Donnerstagfrüh habe ich bei den ersten beiden Versuchen gemerkt, dass meine Muskeln steif sind und nicht gut arbeiten. Es ist dann besser geworden. Der erste Tag war auch ziemlich stark.“

Steigerung ist möglich

Von Teamchef Lucio Cecchinello über seinen Renningenieur Christophe Bourguignone gab es im Anschluss an die drei Tage Lob. Wie schätzt Bradl selbst seine Leistung ein? „Ich wusste keine Anhaltspunkte, aber es passt schon. Der Rückstand auf Casey ist zwar etwas groß, aber er ist momentan wieder in einer eigenen Liga für sich. Von daher ist der Rückstand von 1,5 Sekunden auf die Top 3 in Ordnung, aber natürlich kann ich nicht zufrieden sein.“

Bei der Rundenzeit ist noch Steigerungspotenzial vorhanden. An den drei Tagen war er konstant schneller als Karel Abraham (Cardion-Ducati), aber auf Alvaro Bautista, der ebenfalls zum ersten Mal mit der neuen Honda im Gresini-Team unterwegs war, fehlte eine halbe Sekunde. Die Zeiten standen aber ohnehin nicht im Fokus, sondern die konzentrierte Arbeit.

„Wir haben die Basis mehr oder weniger gefunden, aber es gibt noch einige Schritte auszuprobieren, auch von der Elektronik her“, schildert der Moto2-Champion. „Die Basis haben wir halbwegs gefunden, aber es fehlt noch überall der Feinschliff. Es ist wichtig, dass wir die Abstimmung finden, auch wenn über eine Renndistanz die Reifen nachlassen.“

Grip der Reifen überraschend hoch

Apropos Reifen. Bridgestone stellte in Malaysia die neue Reifengeneration zur Verfügung. Auch das schwarze Gold war für Bradl Neuland, denn in der Moto2 ist Dunlop der Einheitsausrüster. Dementsprechend hat der 22-Jährige auch viel über die Pneus gelernt. „Wir haben verschiedene Vorder- und Hinterreifen ausprobiert. Ich habe auch gute Erfahrungen damit gemacht. Ich habe auch gute Aussagen machen können. Der Vorderreifen hat unglaublich viel Grip. Das hätte ich mir nicht gedacht. Ich muss noch das Gefühl für das Limit erreichen und ab wann der Reifen beginnt wegzurutschen.“

In Malaysia war auch Vater Helmut dabei. Der ehemalige Motorradrennfahrer ist auch in der Königsklasse ein treuer Begleiter. „Er ist nicht nur Vater, sondern auch Freund und Berater und sorgt auf vielfältige Weise dafür, dass ich mich wohlfühle“, schildert Sohn Stefan dem ‚Express‘. „Unter den Kollegen gibt es niemanden, der allein durch die Welt reist. Es ist schön, wenn man unterwegs in der eigenen Sprache reden und sich abends auch mal über etwas anderes unterhalten und abschalten kann.“

Nun hat Bradl etwas Zeit, um sich auszuruhen und die Eindrücke zu verarbeiten. Ende Februar (28.2.-1-3.) steht der nächste MotoGP-Test an, der ebenfalls im fernen Sepang stattfindet. Bis dahin wird der Zahlinger „trainieren, damit ich beim nächsten Test fitter bin. Wir wollen dann auch einen Longrun fahren, was wir jetzt nicht gemacht haben. Wir wollten es ursprünglich tun, aber die Hitze war dann doch extrem, weshalb wir es verschoben haben. Von der Arbeit sind wir sehr gut vorangekommen, sodass wir beim nächsten Test Zeit dafür haben.“

Text von Maximilian Kroiss & Gerald Dirnbeck

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