Motorrad richtig überwintern

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Die meisten Motorradfahrer würden vermutlich am liebsten das gesamte Jahr über auf ihrer Maschine fahren – und manche besonders unerschrockene Fahrer wagen sich auch bei klirrender Kälte auf ihr Bike. Doch spätestens mit Beginn der kalten Jahreszeit werden sich die meisten Besitzer nach einem geeigneten Lagerplatz umschauen, um ihr Motorrad in die Winterruhe zu schicken. Hier kann sich die Maschine von den zahlreichen zurückgelegten Kilometern erholen und kommt schadensfrei durch die frostigen Monate.

Drei Kriterien für einen guten Stellplatz

Die Einlagerung von Motorrädern gelingt nicht an jedem Ort zufriedenstellend. Grundsätzlich lassen sich drei Kriterien definieren, die ein geeigneter Stellplatz auf jeden Fall erfüllen sollte.

Trockenheit
Es gibt kaum etwas Schädlicheres für eine Maschine, als Feuchtigkeit. Während der Ruhephase kann sich der Rost durch die empfindlichen und teuren Bauteile hindurchfressen und kostspielige oder sogar irreparable Beschädigungen anrichten. Um die Korrosionsgefahr so niedrig wie möglich zu halten, sollte die Luftfeuchtigkeit permanent unter 50% liegen. Dieser Wert lässt sich zuverlässig mit einem Hygrometer bestimmen. Es bietet sich an, regelmäßig die Luftfeuchtigkeit zu überprüfen, um im Ernstfall Gegenmaßnahmen einleiten zu können.

Belüftung
Neben Rost ist auch Schimmel ein nicht zu unterschätzendes Problem, das bei der Wintereinlagerung von Motorrädern auftreten kann. Abgesehen von der Feuchtigkeit begünstigt auch eine mangelnde Belüftung die Bildung von derartigen Schäden. Ein konstanter Luftzug durch gegenüberliegende Fenster sorgt für eine ausreichende Zirkulation, sodass der Verwitterungsprozess der Maschine eingedämmt bzw. gänzlich unterbunden wird.

Konstante Temperatur
Kälte ist besser als Hitze – so könnte die Faustregel lauten. Der Grund hierfür ist, dass Wärme den Verwitterungsprozess schneller in Gang setzt und nach der Wintersaison für böse Überraschungen sorgen könnte. Temperaturen im niedrigen einstelligen Bereich sind jedoch auch nicht optimal. Noch wichtiger ist jedoch, dass die Temperatur im Winterlager so konstant wie möglich ist – unabhängig davon, ob es draußen regnet, schneit oder die Sonne scheint. Ein Stellplatz muss über eine gute Wärmeisolierung verfügen, sodass Temperaturschwankungen nahezu komplett ausgeschlossen werden können. Wird diese Bedingung nicht erfüllt, könnten sich einzelne Bauteile verziehen.

Ist eine Überwinterung im Freien denkbar?
An der frischen Luft ist die Überwinterung des Motorrades erheblich zeitintensiver. Die Besitzer werden deutlich öfter nach ihrer Maschine sehen müssen, da die optimalen Bedingungen nicht so konstant eingehalten werden können, wie in einem geschlossenen Raum. Sind beispielsweise stärkere Regenfälle oder ein Temperaturumschwung angekündigt, muss das Motorrad gegebenenfalls bewegt und an einem geeigneteren Ort platziert werden.

Eines sollte immer bedacht werden: Selbst ein „perfekter“ Winterstellplatz kann nicht zu 100% garantieren, dass ein Motorrad die Ruhezeit schadlos übersteht.

Die Checkliste – Schritt für Schritt zur Winterruhe

Bevor das Motorrad den wohlverdienten Winterschlaf antreten kann, sollten zuvor einige Maßnahmen ausgeführt werden. Diese sind im Folgenden in einer kompakten Checkliste zusammengefasst.

Schritt 1: Pflege vor der Einlagerung
Vor der Einlagerung sollte die Maschine nochmals gründlich gereinigt werden. Dreck und Schmutz ziehen Feuchtigkeit und Bakterien an. Daher können sie während einer langen Standzeit zu einem echten Problem für den Lack und technische Bauteile werden.

Glatte Teile und Lackierungen
Derartige Teile sollten idealerweise mit einem Hartwachskonservierungsmittel bearbeitet werden. Dies stellt sich, dass diese Teile der Maschine widerstandsfähiger werden und auch im neuen Jahr im alten Glanz erstrahlen.
Achtung: Hartwachskonservierungsmittel darf nicht für Bauteile verwendet werden, die sich stark erhitzen können – selbst wenn diese lackiert sind! Unschöne Verfärbungen könnten auftreten, die sich nicht wieder entfernen lassen.

Motor, Auspuff und Fahrwerk
Für Motor, Auspuff und Fahrwerk bietet sich eine Behandlung mit speziellem Korrosionsschutzspray an. Gerade die etwas entlegeneren Stellen, die bei der regelmäßigen Pflege etwas vernachlässigt werden, sollten unbedingt mit berücksichtigt werden.

Lenker und Hebel
Auch bewegliche Elemente wie z.B. der Lenker oder Hebel sollten vor der Einlagerung eine Extrabehandlung erfahren. Ordentliches Einfetten schützt vor mechanischen Problemen, die durch die Lange „Starre“ auftreten könnten.

Experten-Tipp: Die Zündkerzen können jeweils mit einem Löffel Motoröl konserviert werden. Der Auspuff kann mit einem Lappen verstopft werden, der in Motoröl getaucht wurde. So wird dieses leicht vergessene Bauteil optimal geschützt.

Schritt 2: Noch einmal zur Tankstelle
Ein Besuch an der Tankstelle ist vor der Wintereinlagerung sehr empfehlenswert. Hier gibt es gleich mehrere sinnvolle Dinge zu erledigen.

Reifendruck erhöhen
Während der Einlagerung verlieren die Motorradreifen permanent an Druck. Fällt dieser zu stark ab, könnte der Reifenschlauch oder gar das gesamte Rad einen schweren Schaden nehmen. Daher sollte der Reifendruck vorsorglich um etwa 0,5 bar erhöht werden.

Tipp: Neue Reifen werden idealerweise erst im Frühjahr gekauft. Der Reifenwechsel ist spätestens dann erforderlich, wenn sich deutliche Verschleißerscheinungen bemerkbar machen (z.B. Risse). Der Kauf eines Motorrad-Reifens ist eine Wissenschaft für sich. Es gibt neben der Breite und des Durchmessers noch viele weitere Unterscheidungskriterien – z.B. das gewünschte Profil. Im Internet können die zahlreichen verschiedenen Angebote nach Merkmalen selektiert und miteinander verglichen werden, um das passende Modell zu entdecken.

Tank auffüllen
Es ist ratsam, dass der Tank des Motorrads vor der Ruhezeit noch einmal komplett gefüllt wird. Da die meisten Tankbehälter anfällig für Rost sind, könnte Feuchtigkeit im Inneren zu einem echten Problem werden. Wird der Tank jedoch mit Treibstoff aufgefüllt, kann sich kein Kondenswasser am Boden absetzen.

Achtung: Besteht der Tank aus Kunststoffmaterial kann genau das Gegenteil gelten. Dann sollte unter Umständen der gesamte Treibstoff vor der Einlagerung entnommen werden. Hier gibt der Hersteller mit Sicherheit eine entsprechende Information.

Schritt 3: Letzte Vorkehrungen treffen
Das Motorrad muss nun natürlich noch zum Stellplatz gebracht werden. Anschließend müssen noch einige letzte Vorkehrungen getroffen werden, bevor die Maschine endlich bereit für die Winterruhe ist. Folgendes ist noch zu erledigen:

  • Batterie ausbauen und extern lagern
  • Schwimmerkammern der Vergaser leeren
  • ggf. Kühlflüssigkeit und Frostschutzmittel nachfüllen

Als letztes kommt das Motorrad „unter die Haube“. Hier bietet sich eine Abdeckung an, die möglichst atmungsaktiv ist. Gerade wenn das Motorrad im Freien steht, ist dies unerlässlich. Dann sollte aber regelmäßig die Plane gelüftet werden, um die Bildung von Kondenswasser zu vermeiden. Bei einer Indoor-Lagerung kann die Plane jedoch die ganze Zeit auf der Maschine bleiben.

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Eine Antwort auf Motorrad richtig überwintern – so kommt die Maschine durch die kalte Zeit

  1. Markus

    Hi zusammen, hatte das Problem mit dem Schimmel schon mit meiner alten BMW GS. Das ist echt ne fiese Angelegenheit, wenn sich Wasser z.B. unter der Sitzfläche sammelt. Ich sprüche seitdem meine aktuelle Honda Hornet immer mit einem Schimmelspray https://www.kemmler.de/sortiment/produkt/kemmler-iso-spray/-/-/3260100010 ein. Seitdem hatte ich das Problem nicht mehr. Kann natürlich auch einfach am Bike gelegen haben.

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