Motorradrennen gibt es viele, allerdings einige, die man wirklich mindestens einmal im Leben erlebt haben muss.

„Uff“, sagt der Anfänger, der gerade damit beginnt, sich für den Motorradrennsport zu interessieren, wenn er sich in den Weiten des Netzes und in unserem Terminkalender umsieht. Ja, die Szene ist global, gigantisch und gehörig breit aufgestellt und Rennen gibt es mehr als das Jahr Tage hat. An quasi jedem Wochenende darf man davon ausgehen, dass irgendwo auf der Welt etwas läuft, was Spannung auf zwei, höchstens drei Rädern verspricht.

Mit dem folgenden Artikel wollen wir Einsteigern deshalb eine Liste an die Hand geben. Die Rennen hier sollte man sich definitiv mal live zu Gemüte führen – vornehmlich natürlich, weil es einfach guter Motorsport ist, aber auch deshalb, weil das große Drumherum hier oft einen ziemlich einzigartigen Charakter hat.

1. Eisspeedway in Berlin

Beim Thema Motorradrennsport denken viele Einsteiger zunächst an Straßenrennen – ja, natürlich, das ist praktisch die Königsklasse. Aber für diesen Artikel ging es uns auch darum, ein breiteres Bukett zu offerieren, denn der Sport hat viele geniale Facetten und keine davon ist „besser“ oder „spannender“, sondern nur anders.

Und genau deshalb sollte man sich auch mal im Leben ins Horst-Dohm-Eisstadion in Berlin Wilmersdorf begeben. Dort findet seit nunmehr fast 50 Jahren eines der legendärsten Rennen dieser sowieso ziemlich krassen Variante des Motorradsports statt.

Fliegendes Eis, Stadion-Atmosphäre und irrwitzig anmutende Neigungswinkel in den Kurven des Ovals.

Was einen erwartet:

  • Bibber-Temperaturen
  • Dichtgepackte Konkurrenzkämpfe
  • Niedrige Zuschauer-Fahrer-Schwelle
  • Voller Überblick über die gesamte Strecke und die Platzierungen
  • Knackig kurze Action
  • Böse Einzylinder

Zudem durch die Natur der Location dichtgepackte Fans und dadurch ein sehr kultiges Stadion-Gefühl, das enorm mitreißt.

2. MotoGP in Assen

Motorradsport hat viele Klassen. Und was den Straßenrennsport anbelangt, trägt MotoGP die Krone. Hier wurden und werden die großen Heldengeschichten geschrieben, die man sich noch nach Jahrzehnten erzählt.

Und von allen Strecken, auf denen dieser PS-Zirkus gastiert, dürfte der TT Circuit Assen in den Niederlanden mit zu den Symbolträchtigsten gehören – nicht umsonst wird die Strecke auch Kathedrale des Motorsports genannt.

Das nächste Rennen findet am Wochenende 26. bis 28. Juni 2020 statt. Wer hinmöchte, sollte sich allerdings schon jetzt seine MotoGP Assen 2020 Tickets über den Anbieter Global-Tickets holen – erfahrungsgemäß ist der Fan-Andrang immer groß und wer zu lange wartet, schaut oft in die Röhre.

Was einen erwartet:

  • Die einzige Strecke, die seit Beginn der Weltmeisterschaft in der heutigen Form (1949) kontinuierlich genutzt wird.
  • Einer der schnellsten Kurse mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 171km/h (2018).
  • Gut und gerne 100.000 Fans am Rennwochenende.
  • Legendäres Camping rings um die Strecke.
  • Die Stars der MotoGP in Action

Man muss nicht jedes MotoGP-Rennen live sehen, aber Assen sollte jeder mal erlebt haben.

3. Tourist Trophy Isle of Man

TT – muss man noch mehr schreiben? Was dem vierrädrigen Motorsport die Nürburgring-Nordschleife oder Le Mans, ist dem Motorrad-Straßenrennsport die kleine Insel in der Irischen See, nicht weniger als eine Legende.

Hier gibt es keine vorbereitete Strecke. Was gefahren wird, zieht sich über die gewundenen Sträßchen der Insel, die alljährlich zum Sneaefell Mountain Course abgesperrt werden. Ein 60,7 Kilometer langer Ritt auf der Kanonenkugel, der die Fahrer mit Höllentempo durch die Dörfer der Insel katapultiert – nur wenige Zentimeter an den Zuschauern vorbei.

Was einen erwartet:

  • Das legendärste, älteste, allerdings auch unfallträchtigste Motorradrennen der Welt (durch die Länge ist es fast unmöglich, sich die Ideallinie für alle Abschnitte einzuprägen).
  • Mehr als 50.000 Zuschauer – fast alle ebenfalls per Bike da, was die Sache zum gigantischen Freilufttreffen macht.
  • Ziemlich „volksnahe“ Unterbringung – die Isle of Man hat längst nicht genügend Hotels, zur TT vermietet praktisch jeder ein Schlafzimmer privat.
  • Sehr hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten mit hohem Drahtseiltanz-Faktor (Aktueller Rekord sind 217km/h, aufgestellt 2018 von Peter Hickman).
  • Der zum Rennen fest zugehörige Mad Sunday, bei dem die Strecke für Privatfahrer freigegeben wird.

Nicht wenige Rennfans sind sogar der Ansicht, dass jeder Motorradfahrer einmal im Leben die TT erlebt haben sollte, ganz gleich, ob er sich sonst für den Sport interessiert.

4. ErzbergRodeo in Österreich

Willkommen im Dreck! – nicht nur deutscher Titel eines Films mit Jake Gyllenhaal, sondern auch passender Gruß für eine echte Perle des Enduro-Sports, das ErzbergRodeo rings um den gleichnamigen Berg in der Steiermark.

Mit seinem ersten Rennen im Jahr 1995 ist es zwar eine verhältnismäßig junge Veranstaltung, dafür aber hat sich das Rodeo durchaus zu einem Termin gemausert, der auch Fans in den Bann zieht, die es normalerweise nicht so mit Enduros haben.

Das liegt zu einem hohen Teil daran, dass es sich um ein viertägiges Spektakel handelt, das rings um die ebenso vielen Rennen aufgebaut wurde. Beim donnerstags stattfindenden Rocket Ride geht es nur darum, sich und sein Bike möglichst schnell einen Steilhang hinauf zu bugsieren – für Zuschauer eine Mords-Gaudi und Nachfolger im Geiste des nicht minder legendären Hillclimb Rachau, das 2004 eingestellt wurde.

Freitags und samstags folgen „normale“ Rennen, die nicht nur für sich actiongeladen sind, sondern auch als Qualifying für das sonntags stattfindende Highlight, das vom Energiebrause-Hersteller gesponserte „Hare Scramble“ fungieren.

Was einen erwartet:

  • Jede Menge Gelände-Action und unterschiedliches Terrain.
  • Rund 1500 Teilnehmer aus aller Welt – mit entsprechender Felddichte.
  • Ein kultiges Schaulaufen höchst unterschiedlicher Bikes – längst nicht jeder tritt mit einer dedizierten Enduro an, für viele besteht der Reiz gerade darin, mit fast schon Mad-Max-artigen Eigenbauten loszulegen.
  • Großangelegte Partys rings um die Rennen.
  • Harte, fahrerisch ziemlich anspruchsvolle und wechselnde Kurse

Interessant auch: Beim ErzbergRodeo geht’s nur um die Ehre. Weder zahlt man Startgelder noch werden Preise ausbezahlt.

5. 24 Heures du Mans moto

Straßenrennen sind für sich schon eine enorme Belastungsprobe für Mensch und Technik. Beides wird jedoch wirklich auf die Spitze getrieben, wenn man das Rennen auf einen ganzen Tag ausdehnt.

Das bringt uns zum finalen Pflichttermin dieser Liste, den 24 Stunden von Le Mans. Zwar sind Name und Location deckungsgleich mit dem auch in der Vierrad-Szene weltbekannten Langstreckenrennen, allerdings fahren die Motorräder ungleich zu den Autos nicht auf abgesperrten Straßen.

Die 24 Heurs du Mans moto finden unter kontrollierteren Bedingungen auf dem Bugatti Circuit statt – trotz des automobilen Namens kaum bei Autorrennen beliebt, sondern vornehmlich als Motorradstrecke genutzt.

Was einen erwartet:

  • Einer der bedeutendsten Langstrecken-Klassiker der Motorradszene.
  • Eine „Tour der Leiden“, vor allem für die Technik und dadurch mit vielen Überraschungsmomenten versehen.
  • Eine gigantische Party-Atmosphäre ringsherum mit jeder Menge „Gaskranker“, Flammen und heißem Gummi.
  • Spannende, recht ausgewogene Streckenführung.

Nicht wenige sagen sogar, dass sie hauptsächlich wegen der tollen Fan-Atmosphäre anreisen, die das Rennen erst zu dem macht, was es ist.

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