Für die meisten Motorradfahrer, die das Fernweh packt, beginnt das erste große Abenteuer mehr oder minder vor der Haustür. Denn bevor man sich mit einer voll ausgestatteten BMW GS Richtung Mongolei aufmacht, versucht man sich dann doch lieber zu erst im Kleinen. In der Regel lässt man im ersten Anlauf das heimische Mittelgebirge hinter sich und steuert das Landstraßenmotorrad gen Alpen. Man will ja schließlich wissen, worauf man sich da einlässt, bevor man das Naked Bike mit Sport-Touring-Bereifung in Zahlung gibt und gegen eine Reise-Enduro auf Grobstolle tauscht.

Bei der Bekleidung sieht die Sache etwas anders aus. Da die erste Tour ins Hochgebirge im Normalfall über mehrere Tage geht und das Wetter dort neben Temperaturschwankungen auch Niederschläge bereithält, erweitern viele Touren-Neulinge vor der ersten Fahrt die Motorradgarderobe und gönnen sich eine Textilkombi. Genau in diesem Segment platziert SPIDI in diesem Jahr einen neuen Zweiteiler mit dem passenden Namen Alpen Trophy. Wir konnten die Kombi schon fahren und sind damit – natürlich – in Richtung Alpen gefahren.

Einsteiger-Kombi: Sowohl die KTM 790 Adventure als auch die SPIDI Alpen Trophy gehören zum Einstiegsmaterial ins Tourensegment, versprechen aber viel Spaß und große Abenteuer.

Ist man Lederkombi, Motorradjeans und Co. gewohnt, lässt klassische Textilbekleidung oftmals die gewünschte optische Raffinesse vermissen. Glücklicherweise spielt bei italienischen Herstellern neben der eigentlichen Funktionalität auch das Design eine große Rolle. Das trifft auch auf SPIDI zu und so weiß die neue Alpen Trophy schon beim Erstkontakt zu gefallen. Jacke und Hose sind eng, aber nicht unkomfortabel geschnitten und vor allem die Variante in Schwarz/Grau überzeugt durch eine sportliche Eleganz. Und der positive Eindruck setzt sich bei der Anprobe fast ungetrübt fort. „Fast“ ungetrübt deshalb, da die Größenangabe der Jacke und die der Hose um mindestens eine Größe auseinander liegen. Während die Jacke eher klein ausfällt und man hier unbedingt eine Größe größer als normal wählen sollte, fällt die Hose der Alpen Trophy deutlich zu weit aus. Probiert man die Kombi im Ladengeschäft, ist das kein Problem, bei Bestellung im Online-Shop ist hier aber Verdruss vorprogrammiert.

Leider fällt die Hose deutlich kleiner aus als die Jacke. Die Kombi sollte also am besten im Ladengeschäft anprobiert werden.

Hat man jedoch die passende Größe gefunden, freut man sich dann aber über den guten Schnitt, die wertige Verarbeitung und die solide Ausstattung. Vor allem bei eingesetztem Thermofutter wirken Jacke und Hose so, als können weder Wind noch Wetter der Alpen Trophy etwas anhaben und selbst Fahrten bei Minusgraden scheinen problemlos möglich. Da bei der ersten Ausfahrt und auf dem Weg Richtung Alpen aber eher Hochsommer, denn winterliche Bedingungen herrschten, kam die Kombi hauptsächlich ohne Innenjacke zum Einsatz. Die Cordura-Kombi fühlt sich innen zwar deutlich rauher an als das wärmende Futter, konnte aber, dank Lüftungsöffnungen an Armen, Beinen, Brust und Rücken auch bei Temperaturen über 30 Grad mit sehr gutem Tragekomfort überzeugen. Und der SPIDI-Anzug hat vor allem im Sommer noch ein großes Ass im Ärmel – oder besser – im Stoff. Während bei vielen Einsteiger-Kombis die wasser- und winddichte Membran in der Innenjacke steckt, hält die Alpen Trophy auch ohne dicht. Wer bei Sommerhitze schon mal von einem Gewitter überrascht wurde, weiß, dass die Fahrt mit Innenteil dann alles andere als eine schweißfreie Option ist. Natürlich sind auch die außenliegenden Taschen wasserdicht. Einziger, kleiner Wermutstropfen – die Innenjacke der Alpen Trophy kann zumindest theoretisch nach der Tour auch einzeln getragen werden, da in diesem Fall das Design aber ganz klar hinter der Funktion zurückstecken musste, wird es hier wohl in den meisten Fällen bei der theoretischen Option bleiben.


Dank Lüftungsöffnungen lässt es sich in der Alpen Trophy auch bei sommerlichen Temperaturen gut aushalten.

Anders sieht es da schon bei den verschiedenen Einstellmöglichkeiten der Kombi aus. Die sind vor allem dann wichtig, wenn die Kombi ohne das Thermo-Inlay getragen wird. Dank der Bänder an Armen und Taille kann hier so gut nachjustiert werden, dass auch Ü-200-Autobahn-Etappen entspannt und ohne störendes Flattern möglich sind.

Ebenfalls einstell- und auch herausnehmbar sind die Protektoren an den Schultern, den Ellenbogen und den Knien. Neben der guten Passform konnten die CE zertifizierten-Schoner an Ellenbogen und Schulter auch durch Ihre Schutzwirkung überzeugen. Ein echter Sturz blieb dem Tester zwar erspart, ein Umfaller samt Motorrad war für Arme und Gelenke aber absolut folgenlos. Wem das Standard-Protektoren-Paket nicht reicht, der kann die Kombi auch noch mit einem Rücken- sowie einem Brustprotektor nachrüsten.

Dank der Einstellbänder an Ober- und Unterarm sowie an der Taille lässt sich die Passform der Alpen Trophy nachjustieren.

Mit der Alpen Trophy hat SPIDI zur Saison 2019 einen absolut gelungenen Kombi für den Einstieg ins Touren- und Adventure-Segment auf den Markt gebracht. Der Textil-Zweiteiler überzeugt dabei nicht nur durch die sehr gute Passform, sondern mit den fünf wasserdichten und verschließbaren Taschen, dem Kartenfach auf dem Rücken sowie den verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten auch durch die solide Ausstattung. Für unter 900 Euro (Jacke: 499 €; Hose: 359 €) bekommt man mit der Alpen Trophy eine Kombi, die sowohl bei Minusgraden als auch im Hochsommer funktioniert und dabei immer mit hohem Tragekomfort überzeugt. Abgerundet wird das Gesamtpaket durch das schicke Design. Wenn jetzt noch das Thermofutter als vollwertige Jacke daherkäme, ließe die Alpen Trophy keine Wünsche offen.

I am the Wanderer: Für die große Tour gibt es auf der Rückseite der Jacke eine Kartentasche.
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