Yamaha u Honda - © Motorsport Images

© Motorsport Images – 2023 sind aus Japan nur noch Yamaha und Honda in der MotoGP

(Motorsport-Total.com) – In den vergangenen fast fünf Jahrzehnten haben japanische Marken die 500er-Klasse und die MotoGP dominiert.

1975 wurde Giacomo Agostini mit Yamaha Weltmeister. Die Ära der italienischen Marken, die seit 1952 ununterbrochen den Weltmeister gestellt hatten, war zu Ende.

Bis Ende 2021 wurden mit einer Ausnahme immer Fahrer mit japanischen Marken Weltmeister. Der Einzelfall war im Jahr 2007 Casey Stoner mit Ducati. 2022 hat Ducati wieder mit Francesco Bagnaia gewonnen.

Die europäischen Marken haben zusehends die Führungsrolle übernommen. Nur Dank Fabio Quartararo beendete Yamaha die abgelaufene Saison auf dem zweiten Platz der Herstellerwertung. Suzuki und Honda wurden Fünfter und Sechster.

Yamaha hat das Satellitenteam verloren und hat 2023 nur noch zwei Motorräder im Feld. Honda erlebte nach 2020 erneut eine sieglose Saison. Und Suzuki hat sich komplett zurückgezogen und auch das Team in der Langstrecken-Weltmeisterschaft eingestellt.

„Es ist sehr traurig, dass dieses Team geschlossen wird, weil es wirklich schade ist“, sagt Davide Brivio bei unsere italienischen Kollegen von ‚GPOne.com‘. Brivio kümmerte sich um das Suzuki-Team und baute es auf, als es 2015 in die MotoGP zurückgekehrt ist.

Der Italiener führte die Mannschaft zum WM-Titel 2020. Anschließend verabschiedete er sich Richtung Formel 1. Dass Suzuki die Entscheidung zum Ausstieg getroffen hat, ist für Brivio schwer nachvollziehbar, denn die GSX-RR war bis zum Schluss konkurrenzfähig und gewann Rennen.

„Ich denke, sie hatten das Potenzial, es sehr gut zu machen. In den ersten Jahren gab es einige Schwierigkeiten, aber die japanischen Ingenieure haben einen Rhythmus gefunden. Sie hätten ihre Erfahrung gut nutzen können. Stattdessen wurde dieser Weg leider unterbrochen.“

Ist der Suzuki-Ausstieg ein Weckruf für die MotoGP? „Ich mache mir Sorgen um die anderen beiden japanischen Marken“, sagt Brivio. „Ich denke, sie müssen ihr Tempo ändern, um mithalten zu können.“

„Die Technik dieses Sports entwickelt sich weiter. Es ändert sich und alles wächst. Vielleicht sind die Japaner davon etwas unvorbereitet erwischt worden. Wenn sie in diesem Spiel mitmischen wollen, dann müssen sie einige Dinge verändern.“

Valentino Rossi: „Das Spiel hat sich verändert“
Brivio hat das Saisonfinale in Valencia besucht und sich von Suzuki verabschiedet. Auch Valentino Rossi war im Paddock und drückte Bagnaia die Daumen. Sein VR46-Team fährt mit Ducati, aber Rossi ist natürlich auch eng mit Yamaha verbunden.

Wie sieht er die Situation? „Yamaha hat sich immer auf die Balance konzentriert, aber jetzt ist der Unterschied beim Motor zu Ducati sehr groß“, so Rossi bei ‚Sky Sport Italien‘. „Aber ich muss sagen, dass Ducati in den vergangenen Jahren alle in Probleme gebracht hat.“

„Nicht nur Yamaha, sondern alle japanische Marken stecken in Schwierigkeiten, weil Ducati einen Gang nach oben geschaltet hat. Das ist schon seit 2016 der Fall, aber in den vergangenen beiden Jahren haben sie einen weiteren Schritt gemacht.“

Rossi stimmt seinem ehemaligen Weggefährten Brivio zu: „Die Japaner müssen sich entscheiden, denn das Spiel hat sich verändert. Sie brauchen mehr Geld, mehr Ressourcen. Sie müssen verstehen, dass sie mehr tun müssen, wenn sie gewinnen wollen.“

Marc Marquez: „Corona hatte einen Einfluss“
Es gibt viele Gründe, warum die japanischen Marken ins Hintertreffen geraten sind. Laut Marc Marquez spielte auch die Coronavirus-Pandemie eine Rolle: „Auf globaler Ebene hat die Pandemie unseren Sport beeinflusst.“

„Als sie vorbei war, haben wir gesehen, dass die asiatischen Werke – Honda, Yamaha und Suzuki – mehr betroffen waren. Ich glaube, es hat sie härter getroffen, weil 2020 und 2021 der Großteil der Meisterschaft in Europa stattgefunden hat.“

„Die asiatischen Ingenieure kamen nach Europa und lebten hier. Sie waren nicht mehr in der Fabrik. Deswegen war die Kommunikation und das Arbeitslevel schwieriger“, glaubt Marquez. „Man muss sich auch auf das Umfeld einstellen, ansonsten wird man überholt.“

„Vielleicht gab es aufgrund der Protokolle und all den Dingen größere Umstände, auf die sie sich nicht einstellen konnten. Honda hat gearbeitet und sie arbeiten weiter, weil auch in ihrem Land die Normalität zurückgekehrt ist.“

„Hoffen wir, dass sie 2023 einen großen Schritt vorwärts machen können. Ich kann ihnen keine Vorwürfe machen“, hält Marquez fest. „Ich sehe, dass sie maximalen Einsatz zeigen. Es gibt natürlich auch die Tatsache, dass sie jeden Schritt richtig machen müssen.“

In den vergangenen drei Jahren hat Ducati die Herstellerwertung gewonnen.

Text von Sebastian Fränzschky

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