Pol Espargaro - © Motorsport Images

© Motorsport Images – Pol Espargaro fand schon in Indonesien deutliche Worte über Michelin

(Motorsport-Total.com) – Vor allem aus dem Honda-Lager hagelte es in den vergangenen beiden Wochen Kritik an Michelin.

Die französische Reifenfirma hatte für den Grand Prix von Indonesien den Hinterreifen geändert. Es kam eine steifere Karkasse zum Einsatz, die seit drei Jahren nicht mehr verwendet worden ist.

Hat das auch zum schweren Highsider von Marc Marquez im Warm-up geführt? „Schwierig zu sagen, man müsste ihn fragen“, antwortet sein Teamkollege Pol Espargaro auf diese Frage. „Aber im Vergleich zum Test war der Kurveneingang unser Problem. Es gab sehr wenig Grip.“

„Das sorgte für Highsider am Kurveneingang, aber auch am Ausgang. Mit neuen Reifen wäre ich im Qualifying beinahe per Highsider abgeflogen. Das sollte nicht passieren. Beim Test war das nicht der Fall. Diese Probleme konnten wir nicht lösen.“

„Mit den normalen Reifen waren beim Test Honda und Suzuki die Stärksten. Und am Rennwochenende hatten Honda und Suzuki die größten Schwierigkeiten. Ich war der Schnellste und halte immer noch den Rundenrekord. Auch beim Rhythmus war ich der Schnellste.“

Pol Espargaro ist der Meinung, dass Michelin zugeben hätte müssen, dass sie einen Fehler gemacht haben: „Manchmal machen wir einen Fehler, manchmal sie. Das ist Racing, das kann passieren. Es ist nichts Schlechtes zu sagen, dass man einen Fehler gemacht hat.“

Alex Marquez: Flag-to-Flag wäre besser gewesen
Markenkollege Alex Marquez findet, dass Michelin nach dem Test anders reagieren hätte müssen: „Sie müssen das für die Zukunft verbessern, denn das darf nicht noch einmal passieren, dass sie plötzlich das Reifenkontingent ändern.“

„Wir haben dort drei Tage lang getestet. Sie [Michelin] wollten drei Tage, um die Reifen zu probieren. Es war klar, dass die Reifen keine 27 Runden schaffen. Wenn der Reifen keine 27 Runden schafft, dann hätte man die Distanz verkürzen können.“

„Oder man hätte ein Flag-to-Flag vorschreiben können. In der Vergangenheit haben wir gesehen, dass das auch schön sein kann“, verweist Alex Marquez. Denn es gab im Trockenen bereits vorgeschriebene Motorradwechsel, weil es Sicherheitsbedenken bei den Reifen gegeben hat.

„Aber sie dürfen nicht das Kontingent wechseln. Das ist nicht fair“, findet der Spanier. „Damit es fair bleibt, müssen die Reifen gleich bleiben und andere Lösungen gefunden werden. Wir hatten [beim Test] Blasenbildung beim Hinterreifen, aber auch beim Vorderreifen.“

„Den Vorderreifen haben sie aber nicht geändert. Sie dürfen sich nicht auf die Probleme der Hersteller konzentrieren, sondern auf ihre eigenen Probleme. Wenn sie die Schuld immer abschieben und ihre Probleme nicht sehen, dann wird das für die Zukunft ein Problem.“

Hat durch die Vorkommnisse das Vertrauen der Fahrer zu Michelin gelitten? „Michelin versucht ein gutes Image zu haben. Das ist Business und normal. Auch Honda will ein gutes Image haben, aber manchmal müssen auch sie ihre Probleme erkennen“, findet Alex Marquez.

„Es ist nicht immer die Schuld der Teams, dass wir zum Beispiel einen falschen Reifendruck gewählt haben. Sie müssen ihre Probleme erkennen. Wenn nicht, dann wird es unmöglich. Ich denke aber, es wird Lösungen für die Zukunft geben. Ich denke, sie verstehen das.“

Miguel Oliveira: Zusammenarbeit muss besser werden
In Indonesien waren Honda und Suzuki am stärksten von der Reifenänderung betroffen gewesen. Über die Jahre hat Michelin immer wieder die Reifen verändert. Da sie für alle gleich sind, müssen die Hersteller ihre Motorräder an die jeweilige Reifenkonstruktion anpassen.

„Wir waren auch schon auf der anderen Seite der Medaille“, sagt KTM-Fahrer Miguel Oliveira. „2020 hatten wir einen Reifen, mit dem wir drei Rennen gewonnen haben. Dann wurde dieser Reifen aus dem Kontingent entfernt.“

„Wir wissen, welchen Effekt die Reifen auf die Performance der Motorräder haben. Einige Motorräder sind in eine Richtung gebaut, und dann hast du plötzlich nicht mehr den Reifen zwischen dem Asphalt und deinem Motorrad.“

„Ich verstehe die Frustration. Ich verstehe, dass Michelin anhand der Testdaten rasch reagieren musste. Es ist eine Welt, in der man nicht alle glücklich stimmen kann. Es ist schwierig, einen Kompromiss zwischen den Anforderungen der Teams zu finden.“

Oliveira glaubt, dass insgesamt gesehen die Zusammenarbeit mit Michelin enger und besser gestaltet werden könnte: „Dann könnten wir eine Lösung finden, die für alle Hersteller funktioniert. Ich denke, wir müssen ein engeres Umfeld schaffen, damit alle zusammenarbeiten.“

„Manchmal wollen wir vom Michelin-Technikern mehr wissen, aber das ist nicht möglich. Also sagen wir ihnen auch nicht alles. Man behält einige Informationen für sich. Sie machen das auch. Das ist normal. Schlussendlich ist das sicherste Argument für alle gleich.“

Text von Gerald Dirnbeck, Co-Autoren: Lewis Duncan, Federico Faturos

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