Jonas Folger - © Dominik Lack

© Dominik Lack – Jonas Folger erlebt eine enttäuschende WSBK-Debütsaison

(Motorsport-Total.com) – Jonas Folger und die BMW M1000RR bilden keine stimmige Einheit.

Zu dieser Erkenntnis kam Bonovo-BMW-Teamchef Michael Galinski nach dem zurückliegenden WSBK-Event in Barcelona, als Folger zum siebten Mal in der laufenden Saison komplett leer ausging. Jetzt zieht das Team die Konsequenzen und kündigt an, 2022 ohne Folger in der Superbike-WM weiterzumachen.

„Wir werden auch im kommenden Jahr mit BMW in diesem Fahrerlager vertreten sein. Es ist aber noch nicht klar, mit welchem Fahrer“, berichtet Galinski im Gespräch mit ‚Motorsport-Total.com‘ und möchte Folger von den Qualen in der WSBK erlösen: „Wenn der Fahrer nicht die nötige Zuversicht hat, dann ist es besser, einen Schritt zurück zu machen.“

„Rennen fahren ist nicht immer nur Spaß. Doch man sieht, dass Jonas leidet und dass er mit dem Motorrad nicht so fahren kann, wie er es gern würde“, bedauert Michal Galinski, der 2020 mit Folger souverän die IDM Superbike gewann und daraufhin in die WM aufstieg.

Holpriger Wechsel von der Yamaha R1 zur BMW M1000RR
Doch der Wechsel von der Yamaha R1 zur BMW M1000RR verlief nicht so wie erhofft. „Man sieht es auch an den ersten Runden, in denen er nicht so reinsticht und in denen er nicht genau weiß, wie das Motorrad reagiert“, erkennt Michael Galinski.

„Ein Zarco kam mit der KTM nicht klar, Rossi nicht mit der Ducati und Lorenzo nicht mit der Honda. Man kann es nicht erzwingen“, vergleicht Michael Galinski das Schicksal seines Schützlings mit den prominenten Beispielen aus der MotoGP.

Kein Gefühl für das Vorderrad der BMW M1000RR
Vor allem das mangelnde Gefühl für das Vorderrad hindert Folger daran, mit der BMW auf anständige Zeiten zu kommen. „Fakt ist, dass die BMW kein so klares Feedback vom Vorderrad liefert wie andere Motorräder. Man muss auch manchmal über das Gefühl hinweg fahren. Das waren die Aussagen, die in einem Gespräch mit Michael van der Mark herauskamen“, schildert Michael Galinski.

„Van der Mark spürt die Front auch manchmal nicht, aber er macht es trotzdem. Zu 95 Prozent geht es gut. Andernfalls war das Limit erreicht. Jonas ist diesbezüglich vermutlich etwas sensibler“, erkennt der Bonovo-BMW-Teammanager. „Jeder im Team weiß, was er kann. Das Talent ist nicht verschwunden. Doch er kann es nicht abrufen. Dementsprechend geht es nicht mit einem BMW-Superbike weiter.“

Hat Jonas Folger noch die Motivation, Rennen zu fahren?
Wo fährt Jonas Folger in der kommenden Saison? Oder geht die Karriere des Deutschen bereits zu Ende? „Es gibt Ideen. Die finden manche toll, andere weniger. Es ist zu zeitig, um darüber zu sprechen. Wir lassen Jonas auf jeden Fall nicht fallen“, stellt Michael Galinski klar.

„Er muss sich zuerst einmal klar werden, was er sich wünscht. Wenn ich mit ihm spreche, dann spüre ich, dass er mit dem Thema noch nicht abgeschlossen hat. Er sagt nicht, dass der Rennsport nichts mehr für ihn ist. Wichtig ist, dass er sein Selbstvertrauen zurückfindet und wieder fahren kann“, unterstreicht der Teamchef des Deutschen.

„Wir werden ihm noch einmal helfen. Es wird aber nicht passieren, dass wir ihn in der Superbike-WM eine Yamaha bereitstellen. Das kommt nicht in Frage. Es gibt aber auch noch andere Klassen“, schaut Michael Galinski auf die potenziellen Alternativen.

Michael Galinski lobt die Zusammenarbeit mit BMW
Dass es für Bonovo auch 2022 mit BMW weitergeht, steht außer Frage. „BMW will wirklich nach vorne und hat viel vor. Klar, es gibt gewisse Schwierigkeiten. Aber es begeistert mich, was sie alles tun und in Bewegung setzen. Wir kommen gut klar und glauben, dass es für 2022 einige gute Änderungen geben wird. Das Motorrad wird besser“, ist Michael Galinski überzeugt.

„Sie würden nicht Scott Redding holen, wenn sie nicht denken würden, den nächsten Schritt zu machen. Ich denke, dass es nach vorne geht. Ich weiß, was viele sagen. Und das interessiert mich überhaupt nicht“, stellt Michael Galinski klar und reagiert damit auf die Forderungen einiger Fans, zu Yamaha zurückzukehren.

Kann sich Marvin Fritz die Probleme von Jonas Folger erklären?
Beim WSBK-Event in Jerez stößt Marvin Fritz (YART-Yamaha) zum Feld. Was sagt der Deutsche zu den Problemen seines Landsmannes? „Jeder kommt anders mit anderen Motorrädern zurecht. Jonas war mit der Yamaha super, weil er auch das MotoGP-Bike kannte und sich die R1 wohl ziemlich ähnlich fährt wie die MotoGP-Maschine, von dem was ich gehört habe“, bemerkt Fritz.

„Die BMW ist ein ganz anderes Motorrad. Ich kenne die Teamstruktur nicht und weiß nicht, welche konkreten Probleme er hat. Ich konzentriere mich nur auf mich“, stellt Marvin Fritz klar, der beim WSBK-Event in Most deutlich schneller war als Jonas Folger mit der BMW.

„Für mich war es natürlich gut, dass an nur einem Wochenende fast so viele Punkte herausgesprungen sind wie bei ihm in beinahe einer kompletten Saison. Leider bin ich im zweiten Rennen gestürzt. Sonst hätte ich jetzt mehr Punkte als er. Das ist mir aber nicht wichtig. Ich mache mir eher Gedanken, wie mein Wochenende läuft“, so der WSBK-Gaststarter.

Text von Sebastian Fränzschky

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