Franco Morbidelli - © Motorsport Images

© Motorsport Images – Franco Morbidelli hat mit der Yamaha M1 des Jahrgangs 2022 zu kämpfen

(Motorsport-Total.com) – Franco Morbidelli, seines Zeichens MotoGP-Vizeweltmeister von 2020, ist in diesem Jahr nur noch ein Schatten seiner selbst. Der Yamaha-Werkspilot kommt seit dem Frühsommer 2021 auf keinen grünen Zweig mehr. Eine komplizierte Knieverletzung und viel Pech warfen ihn im Vorjahr aus der Bahn.

Doch auch in der laufenden Saison kommen die Ergebnisse nicht. Ein siebter Platz beim Regenrennen in Indonesien war 2022 das Höchste der Gefühle für Morbidelli. Bei allen anderen Läufen verpasste er die Top 10. Ein Aufwärtstrend will sich beim Italo-Brasilianer nicht einstellen, sodass er mittlerweile für radikale Änderungen offen ist.

„Ich habe eine große Sache verstanden: Um auf diesem Bike schnell zu sein, muss ich mich ändern. Auch wenn ich weiß, dass sich mein Fahrstil in gewissen Bedingungen und mit einem bestimmten Chassis auszahlt. Aber ich muss mich ändern. Ich fahre dieses Chassis, dieses Motorrad, in diesem Team. Ich werde mich ändern“, stellt Morbidelli klar.

Franco Morbidelli nennt sein großes Manko
Die Diskrepanz zwischen ihm und Yamaha-Teamkollege Fabio Quartararo ist riesig. Quartararo hat sich nach einem schwierigen Saisonstart gefangen und beim Europa-Auftakt in Portimao seinen ersten Sieg geholt – ein Schlüsselmoment für den Weltmeister aus Frankreich, der mit konstant starken Leistungen die WM-Führung zurückerobert hat.

Bei Morbidelli sind die Fortschritte ausgeblieben. Zu Saisonbeginn schob er das Defizit auf seinen Stallgefährten noch auf den Wissensrückstand mit der aktuellen Yamaha M1. Inzwischen ist man bei der Ursachenforschung weiter. „Wenn es viel Grip auf der Strecke gibt, fangen bei mir die Schwierigkeiten an“, analysierte Morbidelli am Sachsenring.

„Mit einem Reifen, der schon älter ist, zum Beispiel nach einigen Runden im Rennen, komme ich gut zurecht. Mit einem frischen Reifen aber tue ich mich schwer. Das muss man für den Moment mal ganz klar so festhalten.“ Nach dieser Aussage steht Morbidelli vor allem im Qualifying und zu Rennbeginn auf verlorenem Posten.

Die Yamaha M1 habe sich in die richtige Richtung entwickelt
Tatsächlich ist Morbidellis Qualifying-Bilanz in diesem Jahr katastrophal. Bestes Ergebnis sind die zwölften Plätze aus den beiden Auftaktrennen in Katar und Indonesien. Seit dem vierten Saisonlauf in Austin verpasste er durchgehend die Top 15 in der Qualifikation. Doch gerade darauf kommt es in der MotoGP des Jahrgangs 2022 an.

Zumal Überholen durch die technische Aufrüstung schwieriger wird. Zudem überhitzen die Reifen beim Fahren im Pulk schneller. Dabei habe sich die Yamaha in die richtige Richtung entwickelt. „Die Performance, der Grip und das alles ist besser“, meint Morbidelli.

Aber: „Um dieses Potenzial auszuschöpfen, muss man aggressiv sein. Man muss hart [zum Motorrad] sein. Und ich bin eher sanft als hart, wenn ich fahre. Wie gesagt, ich muss mich ändern.“ Diese Veränderung geht jedoch nicht von heute auf morgen, es sei „ein Prozess“, wie Morbidelli weiter ausführt. „Ich hoffe, der gelingt mir so schnell wie möglich.“

Morbidelli fährt seit Misano 1 2021 für das Yamaha-Werksteam und hat seitdem in 16 Rennen nur ein Top-10-Ergebnis geholt: den angesprochenen siebten Platz in Mandalika 2022. Deutlich besser lief es in den zweieinhalb Jahren zuvor im Petronas-Satellitenteam. Dort holte Morbidelli drei Siege und sechs Podien, das letzte 2021 in Jerez.

Text von Tobias Ebner, Co-Autor: German Garcia Casanova

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