Fabio Quartararo - © Motorsport Images

© Motorsport Images – Nichts wurde es mit dem erhofften dritten Sieg hintereinander

(Motorsport-Total.com) – Für Fabio Quartararo sah nach den ersten 15 Runden beim Grand Prix von Spanien alles nach Plan aus.

Die erste Runde hatte der Pole-Setter auf Platz vier beendet. Mit perfekt ausgeführten Überholmanövern in der Zielkurve (Jorge-Lorenzo-Kurve) machte Quartararo Position um Position gut. Erstmals führte der Yamaha-Fahrer das Rennen zu Beginn der vierten Runde an.

In der Folge setzte sich der Franzose von seinem Verfolger Jack Miller (Ducati) ab und schien auf dem Weg zum Sieg zu sein. Es wäre sein dritter Saisonsieg im vierten Rennen gewesen sowie sein dritter Triumph auf dem Jerez-Circuit in Folge. Aber dann wandte sich das Blatt.

Quartararos Rundenzeiten wurden schlagartig langsamer. Miller knöpfte ihm problemlos die Führung ab. Für Quartararo ging es immer weiter nach hinten. Nach vielen Mühen sah er die Zielflagge schließlich als 13. Was war geschehen?

„Ich hatte ein großes Problem mit dem Arm“, bestätigt er physische Schwierigkeiten. „Beim linken Arm war nichts, links hatte ich noch nie Armpump. Im rechten Arm hatte ich einen leichten Schmerz, aber das war nichts. Das hätte mein Rennergebnis nicht beeinflusst.“

„Aber diesmal hatte ich überhaupt keine Kraft mehr. Mein Arm war wie ein Stein. Ich weiß nicht was ich sagen soll“, ist Quartararo enttäuscht. „Als ich eine Sekunde Vorsprung hatte, trat das auf. Ich habe dann noch sechs Runden weitergekämpft und die eine Sekunde Vorsprung gehalten.“

„Dann hatte ich keine Kraft mehr. Es war gefährlich, so das Rennen zu Ende zu fahren. Ich wollte aber nicht anhalten, weil ein oder zwei WM-Punkte wichtig werden können. Ich habe 100 Prozent gegeben. Für diesen 13. Platz habe ich härter gekämpft als für meine beiden Siege.“

Das Phänomen Armpump erklärt
Was ist Armpump? Muskelgruppen sind von Bindegewebe umhüllt. Wenn die Muskulatur im Unterarm über einen längeren Zeitraum – wenn der Fahrer den Lenker festhält – angespannt ist, kann das zu einem verminderten Blutfluss führen.

Die Konsequenz sind taube Arme und Kraftverlust in den Handmuskeln. Bei einer Operation wird das Bindegewebe aufgeschnitten, damit die Muskeln im Unterarm mehr Platz haben und sich bei Belastung ausdehnen können.

Ob Quartararo den Testtag am Montag in Jerez bestreiten wird und ob demnächst eine Operation geplant ist, konnte er direkt nach dem Rennen nicht sagen: „Keine Ahnung. Mir geht momentan so viel durch den Kopf. Mein Manager und mein bester Freund suchen nach der besten Möglichkeit.“

Dass Armpump in Jerez so vehement aufgetreten ist, verwunderte den 22-Jährigen, denn „im Vorjahr war es in Portimao ein Problem. In diesem Jahr war es dort perfekt. In Jerez war es in all den Jahren nie ein Problem. Auch im Vorjahr nicht.“ 2020 gewann er beide Jerez-Rennen.

Jack Miller hatte nach Katar 2 eine Armpump-Operation
Die nächsten Tage werden zeigen, welche Entscheidungen sein Umfeld trifft. Zwei Fahrer hatten in der noch jungen Saison bereits Operationen wegen Armpump. Das waren Miller und Iker Lecuona (Tech-3-KTM) jeweils nach dem zweiten Rennen in Katar.

„Ich wollte einer der Letzten mit einer Operation sein, aber es hat leider nicht geklappt“, scherzt Miller. „Normalerweise wäre ich okay gewesen. Wenn wir die normalen Wintertests gehabt hätten, wäre das für mich in Ordnung gewesen, aber jetzt ist alles so kompakt.“

„Ich bin froh, dass ich die Operation gemacht habe. In der Vergangenheit war Jerez für mich bezüglich Armpump ein Problem. Glücklicherweise hatte ich heute kein Problem. Ich glaube, Fabio hatte das Problem, aber er hatte schon eine Operation.“

Vermehrt Probleme mit Armpump: Liegt es an den Bikes?
Die meisten MotoGP-Fahrer mussten schon wegen Armpump unter das Messer. Sind die aktuellen MotoGP-Bikes dafür verantwortlich? Die Aerodynamik in Zusammenspiel mit den immer besser werdenden Bremsen sorgen für stärkere Belastung der Arme.

„Valentino hatte es noch nie und er fährt diese Motorräder schon seit 100 Jahren“, winkt Miller ab. „Ich glaube, es hängt auch vom jeweiligen Körpertyp ab.“ Rossi klagte in seiner Karriere nie über Armpump und ist einer der wenigen Fahrer, die deswegen noch nicht operiert werden mussten.

„Ich glaube, das hängt auch von den Trainingsmethoden ab“, vermutet Francesco Bagnaia. Er glaubt: „Niemand in der VR46-Akademie hat diese Probleme. Vielleicht haben wir auch nur Glück.“ Franco Morbidelli stimmt Bagnaia mit dieser Vermutung zu.

Durch diesen 13. Platz hat Quartararo auch die WM-Führung verloren. Sein Rückstand auf Ducati-Fahrer Bagnaia beträgt zwei Punkte. Nun steht am 16. Mai das Heimrennen von Quartararo in Le Mans im Kalender. Zuschauer werden in Frankreich keine zugelassen sein.

Als positiven Aspekt kann Quartararo aus Jerez nur seine prinzipielle Performance mitnehmen: „Ich wusste, dass ich heute der Schnellste war. Vor dem Start hatte ich vollstes Vertrauen und war ruhig. Als ich nach dem Start Vierter war, habe ich mir gesagt, dass ich einen nach dem anderen in der letzten Kurve überholen werde. Dann bin ich vorne weggezogen.“

Text von Gerald Dirnbeck, Co-Autor: Lewis Duncan

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