Marc Marquez - © Motorsport Images

© Motorsport Images – Marc Marquez und Testfahrer Stefan Bradl sprechen über die Probleme der Honda

(Motorsport-Total.com) – Im Qualifying für den Grand Prix von Spanien in Jerez war Marc Marquez als Fünfter der beste Honda-Fahrer.

Sein Rückstand auf die Spitze betrug eine knappe Sekunde. Honda erlebte insgesamt zwei schwierige Trainingstage. Takaaki Nakagami qualifizierte sich auf einer seiner Paradestrecke als Siebter.

Pol Espargaro stürzte im Vormittagstraining und verpasste auch in Q1 den Einzug ins Q2. Er landete auf Startplatz 13. Alex Marquez ging ebenfalls im dritten Training zu Boden und steht in der letzten Startreihe. Wildcard-Starter Stefan Bradl stürzte auch in FT3 und qualifizierte sich als 20.

„Unser Auftritt hier ist bisher nicht so wie wir uns das vorgestellt hätten“, sagt Bradl bei ‚ServusTV‘. „Die Vorbereitungen sind auch durcheinander gekommen, weil ich Marc in Argentinien ersetzen musste und dann in Texas dabei war, wo wir ursprünglich für hier einen Test geplant hatten.“

Marc Marquez kann nicht natürlich fahren
„Marc startet von Platz fünf. Das hat er wieder sehr gut gemacht, aber er ist bei weitem über seinem Limit. Es ist die große Frage, ob er morgen ins Ziel kommt oder wie es aussieht. Große Aussichten sind nicht der Fall. Da sind wir selbstkritisch und wissen das auch.“

Marc Marquez betonte bereits am Donnerstag, dass er das Jerez-Wochenende als großen Test betrachtet. Ein Experiment mit einer radikal anderen Abstimmung brachte im Freitagstraining nicht den erhofften Erfolg. Man wechselte zurück auf das bisherige Set-up.

„Heute sind wir wieder zu dem zurückgekehrt, wie das Motorrad gefahren werden muss“, sagt der Spanier. „Wir haben jetzt wieder mehr oder weniger bei allen Hondas die gleiche Basis. In meinem Fall habe ich Probleme mit der Frontpartie. Sobald ich attackiere, kann ein Sturz leicht passieren.“

„In meinem Fall verstehe ich das Limit noch nicht. Deshalb versuche ich sehr präzise zu fahren. Wenn ich das nicht mache, würde ich sehr oft stürzen. Ich darf es nicht übertreiben und darf keine Fehler machen. Nur so kann ich momentan fahren, aber meine Pace ist langsam.“

Warum er im Qualifying anderen Fahrern folgt
Im Qualifying suchte Marc Marquez das Hinterrad von schnelleren Fahrern. Als er einmal hinter Francesco Bagnaia fuhr, war deutlich ersichtlich, wie die Ducati der Honda davonzog. „Sie waren einfach schneller – überall!“, kommentiert Marc Marquez diese Situation.

„Ich wusste, dass ich alleine 1:37,3 fahren kann. Aber hinter jemandem finde ich zwei Zehntelsekunden. Wenn man jemandem folgt, verliert man auf der Bremse, aber ich gewinne in schnellen Kurven, wo ich Probleme habe.“

„Ein Platz in der zweiten Startreihe ist eine große Hilfe. Mein Ziel war die dritte Startreihe und ich habe es in die zweite geschafft. Also bin ich glücklich. Man ist nur frustriert, wenn man zu hohe Erwartungen hat. Wir können nicht um das Podest kämpfen“, hält der dreimalige Jerez-Sieger fest.

„In einem guten Rennen können wir morgen Fünfter, Sechster, Siebter werden. Das werden wir versuchen. Natürlich würde ich gerne sagen, dass ich um das Podest kämpfen werde, aber das ist nicht möglich. Die Vergangenheit ist die Vergangenheit. Jetzt ist alles viel schwieriger.“

Die Konkurrenz will diesen Aussagen aber nicht glauben. Polesetter Bagnaia meint: „Ich weiß es nicht. Marc ist im Rennen immer schneller. Seine Pace war auch nicht so schlecht. Er wird stark sein, aber ich weiß nicht wie stark. Ich erwarte, dass viele Fahrer vorne dabei sind.“

Ist die neue Honda schlechter als das alte Modell?
Ist die neue RC213V schlechter als das Vorgängermodell? Hat Honda mit der geänderten Philosophie die falsche Richtung eingeschlagen? „Ich habe dem zugestimmt“, entgegnet Marc Marquez, aber: „Mit dem alten Motorrad war alles natürlicher. Ich bin damit seit 2013 gefahren.“

Honda versucht das neue Motorrad in Balance zu bringen und eine optimale Basisabstimmung zu finden. Das braucht Zeit. Deswegen sind die Grand-Prix-Wochenenden praktisch Testfahrten unter Rennbedingungen.

Bei den Wintertests in Malaysia und Indonesien hatte sich Honda stark präsentiert. Und auch beim Saisonauftakt in Katar war man konkurrenzfähig, aber seither ist die Performance abhanden gekommen. Haben die Wintertests einen falschen Eindruck vermittelt?

„Die Dominanz bei den Wintertests“, meint Bradl, „war vielleicht über eine Runde, aber sie war nicht so ersichtlich. Es ist ein neues Motorrad. Das ist auch bei Ducati so gewesen, aber sie haben jetzt die Richtung gefunden, um mit dem Reifen besser zu arbeiten. Das haben wir etwas verloren.“

„Wir versuchen das neue Motorrad besser abzustimmen. Die DNA der Honda war immer auf der Bremse, um den Vorderreifen stark zu beanspruchen. Da hat sich viel geändert. Die Rotation des Motorrads hat sich mehr auf das Hinterrad versetzt, um mehr Grip zu finden.“

Bradl: Manche Entscheidungen brauchen in Japan länger
Als Testfahrer hat Bradl schon im vergangenen Jahr viele Kilometer mit dem neuen Prototypen zurückgelegt und Feedback gegeben. Überraschen ihn die derzeitigen Probleme? „Ich würde auch ein paar andere Ansätze versuchen“, meint der Deutsche.

„Aber alles wird von Japan gesteuert, wo Entscheidungen manchmal etwas länger brauchen. Das bereitet uns derzeit ein paar Probleme, um es vorsichtig auszudrücken. Honda ist ein großer Konzern und manchmal sind Wege nicht ganz direkt.“

„Ich bin ein normaler Angestellter bei HRC und muss meine Aufgabe erfüllen. Ich kann auch nur mit den anderen Fahrern Rücksprache halten. Wir sind auch einer Meinung.“ Die Zahlen sprechen auch eine deutliche Sprache, denn Honda ist nach fünf Rennen Letzter der Konstrukteurswertung.

Welche Zielsetzung hat Bradl bei seinem zweiten Renneinsatz in diesem Jahr? „Ich versuche das Rennen so gut wie möglich über die Runden zu bekommen. Punkte sind immer das Ziel, wird aber aus eigener Kraft realistisch gesehen sehr, sehr schwer.“

Text von Gerald Dirnbeck, Co-Autor: Oriol Puigdemont

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