Bagnaia u Quartararo - © Motorsport Images

© Motorsport Images – P1 und P2 in Quali und gesamtem Rennen: „Pecco“ Bagnaia und Fabio Quartararo

(Motorsport-Total.com) – Francesco Bagnaia (Ducati) und Fabio Quartararo (Yamaha) drückten dem MotoGP-Rennen beim Grand Prix von Spanien 2022 in Jerez ihren Stempel auf.

Von P1 und P2 gestartet, verbrachten die beiden die komplette Renndistanz auf diesen beiden Positionen.

Einen Führungswechsel gab es im Verlauf der 25 Runden zwar nicht. Trotzdem war es ein spannendes Duell. Letzten Endes hat Bagnaia nach souveräner Fahrt seinen ersten Saisonsieg mit 0,285 Sekunden Vorsprung auf Quartararo ins Ziel gebracht.

Nicht nur für Bagnaia, auch für das Ducati-Werksteam ist es der erste Sieg mit der Desmosedici GP22, die zu Saisonbeginn noch für einige Schwierigkeiten gesorgt hatte. Ausschlaggebend für den ersten Sieg war unter anderem, dass Bagnaia seinen Fahrstil angepasst hat. Den Grundstein zum Sieg legte „Pecco“ aber direkt auf den ersten Metern.

„Das war heute einer meiner besten Starts mit diesem Bike“, sagt Bagnaia. „Zuvor hatte ich mit der Tendenz zum Wheelie häufig Probleme. Heute aber lief alles gut. In Kurve 2 musste sich die Linie halten, denn ich wusste, dass Fabio direkt hinter mir ist.“

Bagnaias größte Sorgen: Schulter und letzte Kurve
„Meine Sorge war die letzte Kurve“, sagt Bagnaia mit Blick auf Kurve 13 und erinnert sich an Quartararo im vergangenen Jahr: „Damals war er ausgangs Kurve 12 immer richtig stark. Es war mir klar, dass Fabio auch heute derjenige sein würde, den es zu schlagen gilt. Bezüglich der Pace hatte ich aber ein gutes Gefühl.“

Bagnaias größte Sorge vor dem Rennen war freilich nicht Quartararo oder dessen Stärke im letzten Sektor der Strecke. Vielmehr war es seine vor acht Tagen beim Sturz in Portimao angeschlagene rechte Schulter.

„Am Morgen hatte ich mir große Sorgen mit Blick auf das Rennen gemacht“, gibt der Sieger zu und verrät: „Im Warm-Up fuhr ich ohne Schmerzmittel und hatte echt zu kämpfen. Aber zum Glück hat die Clinica Mobile immer etwas Gutes, was sie einem geben können. Das war eine große Hilfe.“

„Lediglich der letzte Teil des Rennens war schwierig, denn auf dieser Strecke liegen alle harten Bremszonen vor Rechtskurven, mit Ausnahme der letzten Kurve. Vor allem in Kurve 6 war es schwierig, das Bike zu verzögern. Es fühlte sich an, als würde jemand Druck auf meine Schulter ausüben. Das tat richtig weh“, so Bagnaia.

Quartararos geplante Schlussattacke scheitert
Quartararo, der eine Woche nach seinem ersten Saisonsieg diesmal knapp geschlagener Zweiter wurde, hat mit dem Ergebnis kein Problem. „Ich hatte einen richtig guten Start. Aber beim Anbremsen der ersten beiden Kurven war ‚Pecco‘ einfach unglaublich. Es war mir klar, dass es schwierig werden würde, wenn ich nicht in den ersten zwei, drei Runden an ihm vorbeikomme. Genauso ist es gekommen“, berichtet der Yamaha-Pilot.

Direkt im Windschatten von Bagnaia konnte Quartararo lange Zeit nicht fahren, denn „immer, wenn ich das probierte, rutschte mein Vorderreifen herum wie Kaugummi und immer dann, wenn ‚Pecco‘ mal den Scheitelpunkt ein bisschen verpasste, ging es mir genauso“.

Daher ließ Quartararo lange Zeit einen Abstand von knapp einer Sekunde. „In der letzten Runde habe ich dann nochmal angegriffen. Ich wollte richtig schnell durch Kurve 11 kommen, um vielleicht in der letzten Kurve eine Chance zu haben. Aber leider ist mir in Kurve 11 ein bisschen das Vorderrad weggerutscht“, erinnert er sich und bekennt, dass „an Überholen nicht zu denken war“.

Einem möglichen zweiten Sieg in Folge trauert Quartararo nicht nach. „Ich bin happy, denn ich habe mich verbessert, wenn es darum geht, mit einem schwierigen Gefühl für das Vorderrad klarzukommen“, so der amtierende Weltmeister, der auch die MotoGP-Gesamtwertung 2022 weiterhin anführt.

Bagnaia und die GP22: Umstellung des Fahrstils hat geholfen
Bagnaia ist mit seinem ersten Saisonsieg auf den fünften Tabellenplatz nach vorn gerückt. Auch er ist happy. Denn fast noch mehr als der Sieg freut ihn, dass er sich nun auf die Ducati GP22 eingestellt hat. „Ich glaube, wir haben eins richtig gemacht. Wir haben aufgehört zu versuchen, dieses Bike an meinen Fahrstil anzupassen“, sagt er und bekennt, dass stattdessen er derjenige ist, der sich angepasst hat.

„Es war sehr wichtig zu verstehen, wie dieses Bike zu fahren ist. Es ist nämlich ein bisschen anders zu fahren [als die GP21]. In Portimao habe ich herausgefunden, wie man dieses Bike fahren muss. Der Unterschied ist nicht groß, aber wenn wir von Zehntelsekunden sprechen, dann können auch kleine Dinge einen großen Unterschied bewirken“, so Bagnaia. Inzwischen weiß er: „Es ist offensichtlich, dass dieses Bike einen anderen Fahrstil brauchte. Denn jetzt bin ich in den Kurven schneller.“

Auf Nachfrage, was genau er seit Portimao anders macht, antwortet der letztjährige Vizeweltmeister: „Ich habe an diesen beiden Wochenenden sehr viel daran gearbeitet, mit mehr Speed in die Kurven hineinzufahren, und zu verstehen, wie man das macht. Den Fahrstil so umzustellen, ist nicht einfach. Der größte Unterschied aber ist, dass ich jetzt am Kurveneingang schneller bin.“

Kommt es zur Neuauflage des WM-Kampfs von 2021?
Aktuell trennen Quartararo und Bagnaia in der WM-Tabelle noch 33 Punkte. Angesichts des nun gefundenen Vertrauens von „Pecco“ in seine Ducati könnte sich das Duell aus Jerez bei einigen der kommenden Rennen wiederholen. Rechnen die beiden Protagonisten des Grand Prix von Spanien gar damit, dass sie wie 2021 auch in diesem Jahr den WM-Titel unter sich ausmachen werden?

„Das hoffe ich doch“, antwortet Bagnaia mit einem Grinsen. „Ich habe zwar noch einiges aufzuholen, aber die Saison ist noch lang. Warten wir mal ab. Ich hoffe aber, dass ich gegen diese zwei kämpfen kann.“ Damit meint er abgesehen von Quartararo auch Aleix Espargaro. Der Aprilia-Pilot saß in Jerez als Dritter des Rennens neben Bagnaia und Quartararo in der Pressekonferenz. Und in der WM-Tabelle ist er mit nur sieben Punkten Rückstand auf Quartararo dessen erster Verfolger.

Und wie denkt Quartararo über eine mögliche Neuauflage des Titelkampfs von 2021 gegen Bagnaia? „Zumindest in der Lage zu sein, um den WM-Titel mitzufahren, das wäre schon gut“, sagt der Yamaha-Pilot und lobt seinen Kontrahenten aus dem Ducati-Lager: „Das Tolle an den Duellen mit ‚Pecco‘ ist, dass ich immer etwas dazu lerne, auch wenn ich Zweiter werde. Ehrlich gesagt habe ich heute mehr gelernt als in Portugal.“

Genau wie Bagnaia, so hat aber auch Quartararo den aktuellen WM-Zweiten auf der Rechnung. „Ich bin mir sicher, dass auch Aleix ein Wörtchen mitreden wird. Denn seine Konstanz in diesem Jahr ist wirklich beeindruckend. Er ist im Rennen [um den Titel], keine Frage“, sagt der Titelverteidiger über den Aprilia-Piloten, der abgesehen von ihm selbst als einziger bei allen sechs Saisonrennen gepunktet hat.

Text von Mario Fritzsche

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