Johann Zarco - © LAT

© LAT – Johann Zarco kommt in Australien mit
dem Schrecken davon

(Motorsport-Total.com) – Am Beginn der sechsten Rennrunde ereignete sich im Grand Prix von Australien die Schrecksekunde des Rennens: Johann Zarco kollidiert in der Bremsphase hin zu Kurve 1 mit dem Heck von Weltmeister Marc Marquez und wird infolgedessen von seiner Yamaha in die Auslaufzone geschleudert.

Laut Crewchief Guy Coulon hatte der Franzose zu jenem Zeitpunkt 280 km/h auf dem Tachometer. Entwarnung gibt es kurze Zeit später: Sowohl Zarco als auch Marquez, der das Rennen ebenso vorzeitig beenden muss, blieben unverletzt. Die beiden einigen sich darauf, dass dies ein unglücklicher Rennunfall war. Der Schock sitzt dennoch tief.

„Wir waren so schnell unterwegs und auf der linken Seite war einfach nicht mehr genügend Platz. [Marc] war sehr nahe an Jack dran und fuhr dann auf die Ideallinie für Kurve 1. Aber dort war auch ich“, erinnert sich Zarco nach dem Rennen an den Beginn allen Übels. Er sei gut aus der letzten Kurve gekommen und hatte sich auf der Start-Ziel-Geraden hinter Marquez und Miller positioniert.

„Marc ist im Windschatten von Jack gefahren, hat sich danach aber neben ihn gesetzt, wodurch ich in Jacks Windschatten war. Ich bin sehr schnell rangekommen und Marquez hat ihn nicht überholt, daher hat er erst sehr spät gebremst und ist etwas nach links gezogen“, erinnert sich der Tech-3-Pilot. Zarco konnte im Windschatten beider Piloten nicht mehr rechtzeitig abbremsen.

„Es geht hauptsächlich darum, zu überleben“
„Vielleicht hätte ich früher bremsen sollen, aber das war schwierig. Ich habe sein Hinterrad berührt und bin heftig abgeflogen. Das war ein Highspeed-Crash.“ Durch die Berührung zwischen Vorder- und Hinterrad wurde die Yamaha in die Luft gewirbelt und Zarco sofort abgeworfen. Was geht einem in so einem Moment durch den Kopf? „Man denkt sich einfach: ‚Scheiße!‘ So viel geht einem da nicht mehr durch den Kopf. Man denkt auch daran, dass man das Rennen jetzt weggeschmissen hat. Es geht hauptsächlich darum, zu überleben. Man hofft und vertraut.“

Marquez konnte wie durch ein Wunder auf seiner stark beschädigten Honda sitzen bleiben, er fuhr allerdings nur die Runde zu Ende, bog dann an die Garage ab und gab auf. „Zunächst war ich verärgert, weil ich nicht wusste, was passiert war“, gibt der Spanier zu. Er spürte nur einen heftigen Schlag im Heck. „Dann konnte ich nicht weiterfahren und bin an die Box gekommen. Mein Sitz war gebrochen, er hat sich stark bewegt und so war es unmöglich weiterzufahren. Das wäre sonst sehr gefährlich gewesen.“

In der Box hatte er die Möglichkeit, sich die Szene aus mehreren Perspektiven noch einmal anzusehen. „Dann habe ich es sofort verstanden. Das war ein Rennunfall. Wir kommen dort mit einer sehr hohen Geschwindigkeit an. Durch den Windschatten fahren wir dort über 300 km/h. Ich habe etwas spät gebremst. Ich wollte das Bike noch mehr abstoppen, dann habe ich aber schon den Kontakt gespürt, weil Zarco im Windschatten von zwei Bikes fuhr“, schildert der Weltmeister.

Marquez: „Für mich ist das ein Rennunfall“
„Natürlich könnte man jetzt sagen, dass hätte er bedenken müssen, aber für mich ist das ein Rennunfall“, möchte er die Schuld nicht bei Zarco suchen. „Ich habe schon mit ihm gesprochen. Heute hatten wir sehr viel Glück. Das Wichtigste ist, dass wir beide okay sind.“ Der Franzose stimmt Marquez zu, auch er hat den Vorfall als Rennunfall ad acta gelegt.

„Ich bin zu Marc gegangen, um mich zu entschuldigen. Ich habe das Heck seines Bikes total zerstört. Er hat zu mir nur gesagt, dass ich mir keine Sorgen machen soll. Das Wichtigste sei, dass ich mich nicht verletzt habe. Als Sportler und Racer denken wir total gleich in diesem Punkt“, freut sich Zarco über die Einigkeit. Er selbst ist sehr enttäuscht, dass er eine so große Chance auf viele Punkte damit so leichtfertig vergeben hat.

„Ich bin einfach sehr traurig, dass ich das Rennen nicht beenden und viele Punkte sammeln konnte – im Gegensatz zu Danilo und Crutchlow, der gar nicht gefahren ist. Aber auf der anderen Seite denke ich, ich hätte sogar die Chance auf ein Podium oder einen Sieg gehabt. Ich freue mich wirklich sehr, dass Maverick das Rennen gewonnen hat. Er hat einen tollen Job gemacht, aber ich denke, ich war davon auch nicht weit entfernt“, so der Franzose, der vor dem Ausfall auf Position vier lag.

Zarco: „Ich dachte, das würde nie aufhören“
Zwar spüre er vor allem auf der linken Seite noch Schmerzen, doch das sei nach einem so heftigen Aufprall ganz normal. „Ich wurde geröntgt und dabei wurde kein Bruch festgestellt. Daher bin ich sehr erleichtert. Ich bin so schnell dahingeschlittert. Ich hatte das Gefühl, das würde nie aufhören. Ich habe mich im Flug total steif gestellt, damit ich mich nicht verletze.“ Zarco meint, er hatte Glück, auf dem Gras in der Auslaufzone gerutscht zu sein und nicht im Kiesbett.

Marquez ist ebenso glücklich, dass er unverletzt geblieben ist – und den WM-Titel bereits in Japan fixiert hat. „Wenn ich im nächsten Jahr den Titel wieder in Japan hole und danach stürze und keine Punkte hole, dann würde ich das unterschreiben – kein Problem“, ist er nach dem Rennen schon wieder zu Scherzen aufgelegt. Er konnte zu Rennbeginn die Pace sogar vorgeben und hätte im Kampf um den Sieg mitgemischt. „Heute war ich sehr fokussiert. Der Start ist mir nicht so gut gelungen, aber plötzlich war ich dennoch vorne.“

In Runde fünf hat er die Spitze schließlich an Dovizioso abgegeben – freiwillig. „Ich bin absichtlich in Kurve 4 von der Ideallinie abgekommen, um mich weiter hinten wieder einzureihen, weil ich die Gruppe nicht anführen wollte. Dann ging es leider nicht mehr weiter. Ich hatte die Pace heute. Ich war konzentriert und bei diesen normalen Bedingungen war unser Bike besser. Ich dachte, wir könnten um den Sieg kämpfen. Aber gut, wir hatten wieder Pech.“ Wie schon 2016 holte Marquez auch diesmal keine Punkte nach dem WM-Gewinn in Motegi.

Muss nach diesem heftigen Unfall eine neue Sicherheitsdebatte in der MotoGP geführt werden? Phillip Island gilt als unverzeihlicher Kurs, schon Cal Crutchlow musste diese Erfahrung machen. „Wenn man die Fahrer fragt, welche Strecke ihr Lieblingskurs ist, dann würden alle sagen, eine schnelle Strecke wie hier, das macht uns mehr Spaß. Aber es wird auch gefährlicher. Warum? Weil der Speed so hoch ist. Ein kleiner Fehler, wie zum Beispiel heute von Johann, kann große Folgen haben. Ich mag die Strecke sehr gerne, aber es stimmt, dass man sich hier sehr schnell verletzten kann, wenn man stürzt.“ Das ist an diesem Sonntag zum Glück nicht passiert.

Ergebnisse MotoGP Phillip Island 2018

MotoGP Philli Island - ©www.motoGP.com

MotoGP Philli Island – ©www.motoGP.com

Text von Reyer, van Leeuwen & Puigdemont

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