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© GP-Fever.de – Valentino Rossi ist am
Mittwoch in Jerez frustriert: nur P17

(Motorsport-Total.com) – Der erste MotoGP-Testtag in Jerez sorgte für Sorgenfalten auf Valentino Rossis Stirn und einem Lächeln auf Maverick Vinales‘ Gesicht.

Bei Yamaha wird nach dem Valencia-Test in der Vorwoche weiterhin akribisch am Motor gearbeitet. Allerdings glaubt der neunfache Weltmeister nicht, dass man mit einem der beiden neuen Spezifikationen den Angriff auf Honda und Ducati 2019 wagen kann.

„Wir sind mehr oder weniger auf demselben Level wie in diesem Jahr“, muss Rossi ernüchtert festhalten. Der Italiener testete beide 2019er-Motorenspezifikationen, die Yamaha nach Jerez mitgebracht hat. Insgesamt spulte der „Doktor“ 50 Runden am Mittwoch ab, ein technisches Problem stoppte ihn nach der Mittagspause.

„Ich bin auf einem neuen Reifen rausgefahren, danach hörte ich aber ein eigenartiges Geräusch. Daher bin ich stehen geblieben. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was passiert ist“, schildert der Italiener. In der Zeitentabelle lag er am Ende des Tages nur auf Position 17, eine 1:39.564 Minuten war 1,596 Sekunden langsamer als die Bestzeit von Danilo Petrucci auf der Ducati. Allerdings verzichtete Rossi am Ende des Testtages auf eine Zeitenjagd auf frischen Reifen.

Rossi: „Die Topjungs sind schneller als wir“
Das Problem von Yamaha liegt weiterhin auf dem Longrun. „Ich sehe folgendes Problem: Auf frischen Reifen reagiert das Bike sehr gut. Wir sind schnell, auch Franco [Morbidelli], der noch nicht so viel Erfahrung hat. Aber wenn man sich das genauer ansieht, dann haben wir nach vier, fünf Runden größere Probleme.“ Morbidelli (Petronas-Yamaha) schaffte auf der 2018er-M1 immerhin die sechstschnellste Zeit, eine 1:38.659 Minuten (+0,691 Sekunden).

Daher legt Rossi gar nicht so viel Wert auf die Entscheidung des 2019er-Antriebs. „Das Problem ist, dass wir keinen großen Schritt gemacht haben. Wenn ich das Bike fahre, sind die Probleme immer noch die gleichen. Ich muss es noch genauer studieren, aber ich sehe die Pace nicht. Die Topjungs sind schneller als wir.“ Nachsatz: „Das Problem ist also nicht, die richtige Entscheidung beim Motor zu treffen, sondern das Problem ist, dass weder der eine noch der andere die Verbesserung liefern, die wir benötigen.“

Im Longrun könne man zwar auf den ersten paar Runden mithalten, jedoch breche die Pace danach ein. Honda, Ducati und auch Suzuki seien deutlich besser aufgestellt, warnt Rossi. Er wirkt ratlos und etwas verärgert, versucht jedoch die Fassung zu bewahren. „Ja, verärgert … so ist es eben“, lacht er. Er erlebe „mehr oder weniger“ ein Deja-vu, denn schon vor der Saison 2018 hatte Yamaha dieselben Probleme.

Rossi von der Ducati-Power beeindruckt
Der Italiener appelliert daher an die Japaner: „Für mich steht fest, dass Yamaha einsehen muss, dass das nicht reicht. Wenn wir morgen ein Rennen fahren würden, wären wir vielleicht Fünfter, Sechster, Siebter oder Vierter, sollte vorne jemand stürzen. Aber wir kämpfen nicht um Siege.“ Auch wenn er heute bereits eine Motor-Spec wählen müsste, würde sich daran nichts ändern, macht er klar.

Bezeichnend: Als Rossi gefragt wird, ob Yamaha in Sepang beim Test im Februar einen neuen Motor bringen würde, wäre man mit keinem der beiden Spezifikationen zufrieden, schüttelt er nur den Kopf. „Ja, aber ich kenne unseren Entwicklungsplan nicht. Ich weiß nicht, ob sie einen weiteren Schritt machen.“

Der Italiener hat im Gegensatz zu seinem Teamkollegen Maverick Vinales keine Steigerung zum Valencia-Test erkennen können. „Es sieht so aus, als könnten sich die anderen stärker verbessern, je mehr Kilometer sie fahren. Die Ducatis sehen beeindruckend aus“, muss er zugeben. „Die Rundenzeiten sahen stark aus und ihnen fiel es nicht schwer, auch Bautista, der vom Superbike kam. Das ist etwas beängstigend.“

Vinales deutlich glücklicher: Ein Schritt vorwärts
Sehr viel positiver spricht hingegen Garagennachbar Vinales über die Entwicklungsarbeit. Der Spanier, der am Mittwoch zum ersten Mal mit seinem neuen Crewchief Esteban Garcia zusammenarbeitete, konnte mit einer 1:38.376 Minuten den vierten Platz am Mittwoch einfahren. Ihm fehlten nur vier Zehntelsekunden auf die Spitze. Insgesamt drehte er 58 Runden. „Ich bin eigentlich ganz glücklich“, lächelt er.

„Wir konnten die Rundenzeiten aus dem Vorjahr verbessern und einen Schritt vorwärts machen. Wir haben sehr hart an der Rennpace gearbeitet, weil wir da im vergangenen Jahr starke Probleme hatten“, weiß auch Vinales. „Wir müssen noch über den Motor entscheiden. Morgen müssen wir fokussiert bleiben. Heute habe ich nicht so viel am Set-up verändert, daher gibt es da auch noch Raum für Verbesserung.“

Yamaha konzentriert sich vollkommen auf die Motorenentscheidung in Jerez, deshalb hat man keine neuen Chassis-Komponenten nach Spanien mitgebracht. Yamaha-Teammanager Massimo Meregalli erklärt gegenüber ‚MotoGP.com‘ die Hintergründe: „Das Hauptaugenmerk liegt auf den beiden Spezifikationen des Motors. Wir müssen uns entscheiden, welchen wir im kommenden Jahr fahren werden. Wir haben den 2019er-Motor und eine Evolution davon mit dabei. Das ist eine fundamentale Entscheidung, da wir im Vorjahr nicht unbedingt den richtigen gewählt haben.“

Droht 2019 ein weiteres Seuchenjahr?
Yamaha möchte Fehler unbedingt vermeiden, denn als Werksmannschaft darf man am Motor während der Saison nicht mehr arbeiten. „Aus diesem Grund haben wir hier auch keine weiteren neuen Teile dabei. Natürlich könnte man auch sagen, dass wir Zeit verlieren dadurch, da wir keine neuen Chassis-Teile testen“, ist ihm bewusst.

Vinales ist jedenfalls nicht besorgt. „Meine Kommentare sind sehr deutlich. Yamaha muss aber entscheiden, welchen Motor wir verwenden werden. Ich bin froh, dass der Motor am Kurveneingang nun etwas besser funktioniert. Das hat mir im Vorjahr gefehlt“, verrät der Spanier. Das komme seinem Fahrstil entgegen. Dennoch müsse man sich vor allem bei der Traktion und der Elektronik noch steigern. „Jedes Mal wenn ich das Gas öffne, dreht das Hinterrad stark durch“, gibt er zu.

Spannend: Im Gegensatz zu Rossi ist Vinales nicht besorgt über die Pace im Renntrimm. „Wir waren konstant auf vielen Runden, das macht mich glücklich. Das Bike hat gut funktioniert, die Entscheidung ist also mehr oder weniger gefallen.“ Er erklärt auch, dass er fast 30 Runden auf einem Reifensatz ohne Probleme erledigen konnte. „Das ist ein gutes Gefühl, weil ich auch noch am Ende der Lebenszeit des Reifens gute Rundenzeiten fahren kann.“

Droht Yamaha also ein weiteres schwieriges Jahr, ähnlich wie 2018 mit nur wenigen Podestplätzen und Siegen? Rossi bleibt diplomatisch: „Es ist noch zu früh, um das zu sagen. Wir arbeiten nicht nur am Motor, sondern auch in anderen Bereichen, die wichtig sind und die man auch während der Saison verändern darf“, schöpft er Hoffnung. Am Donnerstag, dem letzten offiziellen Testtag vor der Winterpause, wird Yamaha die endgültige Entscheidung über die Motoren-Spec treffen.

Text von Maria Reyer, Co-Autor: Carlos Guil Iglesias

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