Marcel Schrötter - © Motorsport Images

© Motorsport Images – Oft qualifizierte sich Marcel Schrötter in dieser Saison im Mittelfeld

(Motorsport-Total.com) – Viermal qualifizierte sich Marcel Schrötter in den ersten 13 Moto2-Rennen der Saison 2022 für die ersten drei Startreihen.

Das gelang dem Deutschen in Barcelona, auf dem Sachsenring, in Silverstone und zuletzt auch in Spielberg.

Wie wichtig ein guter Startplatz ist, zeigte vor allem der Sachsenring. Von Startplatz fünf mischte Schrötter von Beginn an in der Spitzengruppe mit. Als Vierter verpasste er nur knapp seinen ersten Podestplatz seit zwei Jahren.

Zuletzt war bei Schrötter im Qualifying ein Aufwärtstrend erkennbar. Aber insgesamt gesehen tat er sich oft über eine fliegende Runde schwer. Warum? „Es ist schwierig zu sagen, denn wenn ich es wüsste, könnten wir es ändern“, meint der Deutsche im Gespräch mit ‚Motorsport-Total.com‘.

Die letzte Poleposition gelang ihm 2019. „Ich glaube, es hat auch mit meiner generellen Art und Weise zu tun, dass ich mir schwer tue, 107 Prozent zu geben. Ich bin doch jemand, der im Hinterkopf automatisch zwei Prozent safe fährt. Obwohl ich genauso pushe und auch stürze!“

„Es wäre falsch zu sagen, dass ich auf Nummer sicher fahre. Das tue ich nicht. Ich gebe alles und fühle mich auch am absoluten Limit. Aber vielleicht kann ich unbewusst diese zwei, drei Prozent nicht ausschöpfen wie andere Fahrer, die nicht nachdenken.“

„Wir hatten jetzt zwei schwierige Jahre, wo ich einfach nicht schnell war. Ich war okay, aber nicht schnell. Die Änderung der Reifen hat das Fahrgefühl für mich verändert. Aber das ist besser geworden. Ich fühle mich wieder viel mehr eins mit dem Motorrad und viel mehr normaler.“

„Aber durch die Umstellung des Fahrstils und der Bremse ist es immer noch so, dass ich immer noch einen Tick zu viel denken muss, um richtig zu fahren. Das hört sich blöd an, aber ich muss sehr kontrolliert fahren, um richtig zu fahren. Das ist noch nicht instinktiv wie es früher mal war.“

„Das ist glaube ich einer der Gründe, warum ich im Qualifying manchmal nicht mehr rausholen kann. Es gibt einige Fahrer, die haben keine Rennpace, aber irgendwie sind sie auf eine Runde schnell. Sie vertrauen Vollgas dem neuen Reifen und holen einfach mehr raus.“

2019 gelangen Poles trotz nicht optimalem Gefühls
Ein Blick zurück. 2019 eroberte Schrötter beim Saisonauftakt in Katar die Poleposition. Beim nächsten Rennen startete er in Argentinien von Platz zwei. Anschließend gab es in den USA beim dritten Grand Prix die nächste Poleposition.

Dann änderte Dunlop in Jerez den Hinterreifen und die Probleme begannen. Trotzdem eroberte Schrötter in Mugello die nächste Poleposition. Seine bisher letzte. „Die Poleposition damals in Mugello kam in einem Moment, in dem ich Probleme hatte“, blickt er zurück.

„Ich habe mich nicht wohlgefühlt mit dem Motorrad und wir waren in den Trainings nicht schnell. Ich habe nach einem Boxenstopp mit einem frischen Reifen eine Runde rausgehauen, wo ich mich nicht wohlgefühlt habe. Also es geht, ich kann es auch.“

Schon alle Strategien im Qualifying probiert
Wäre es aktuell eine Hilfe, sich im Qualifying an einen schnellen Fahrer anzuhängen und so die fehlenden zwei, drei Zehntelsekunden zu finden? Bringt das etwas? „Manchmal ja, manchmal nein“, meint Schrötter. „Wir haben in diesem Jahr von der Strategie her alles versucht.“

„Manche Qualifyings haben wir uns dann noch schwerer gemacht, als sie hätten sein sollen. So kommen dann viele Sachen zusammen, dass man drei Runden herumfährt, die Zeit vergeht, aber man hat noch keine richtige schnelle Zeit. Dann passiert noch etwas mit gelben Flaggen.“

„Das hatten wir in diesem Jahr schon alles. Wir haben probiert alleine zu fahren, hinterherzufahren, abzuwarten. Aber es ist auch alles schon schiefgegangen.“ Deshalb konzentriert er sich wieder auf sich selbst und sucht kein schnelles Hinterrad.

„Ich fahre raus und gebe in jeder Runde alles. Wir sind wieder nähergekommen mit dem Speed, dass es trotzdem für die Plätze acht, neun, zehn, elf reicht. Das ist jetzt nicht gut, aber besser“, findet Schrötter. „Von da kann man gute Rennen fahren.“

„Deshalb ist es besser zu sagen, dass ich alles gegeben habe, anstatt rumzueiern und dann zum Schluss nach einer gelben Flagge nur auf 17 zu stehen. Wir müssen auf uns selber schauen, an uns glauben und das Beste herausholen.“

Denn die Rennpace ist vorhanden. Schrötter fuhr in Austin, Portimao, Jerez, Le Mans, Mugello, Barcelona und auf dem Sachsenring siebenmal hintereinander in die Top 10. Dann gab es in Assen und in Silverstone Stürze. Zuletzt in Spielberg gelang das nächste Top-10-Ergebnis.

Platz fünf in der WM das Ziel für die restliche Saison
Bei sieben noch zu fahrenden Rennen ist Schrötter in der WM-Tabelle Achter. Auf Rang fünf fehlen nur zwölf Punkte. Das ist auch sein Ziel: „Wenn wir die Top 5 schaffen, dann wäre das aus der jetzigen Lage ein gutes Ergebnis. Da muss jetzt ein guter Schritt nach vorne passieren.“

„Die Chancen sind da. Wenn wir das schaffen, können wir am Ende des Jahres zufrieden sein. Mein ganz klares Ziel ist es, aufs Podium zu fahren und um Rennsiege zu kämpfen. Ich will diesen ersten Sieg endlich schaffen. Das ist das größte Ziel.“

„Ich fühle mich im Rennen sehr, sehr stark – sowohl körperlich, als auch mit dem Motorrad. Deswegen habe ich ein sehr, sehr gutes Gefühl, dass wir in diesem Jahr noch vorne mitkämpfen können.“ Schrötter hat mittlerweile schon 174 Moto2-Rennen bestritten.

Text von Sebastian Fränzschky

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