Marc Marquez und Alex Marquez - © Repsol Media

© Repsol Media – Marc Marquez und Alex Marquez sind mit dem Yamaha-Urteil nicht zufrieden

(Motorsport-Total.com) – Noch vor dem Beginn des ersten Valencia-Wochenendes sprach Motorrad-Weltverband FIM eine Strafe gegen Yamaha aus, weil zu Beginn der Saison nicht abgenommene Ventile verwendet wurden.

Noch im Laufe des Tages äußerte sich Yamaha mit einem Statement zum FIM-Urteil und stellte klar, dass der Regelbruch durch Unwissenheit zustandekam.

Das Urteil gegen Yamaha war beim Trainingsauftakt Gesprächsthema Nummer eins. MotoGP-Manager und Fahrer gaben unterschiedliche Meinungen von sich. Ziemlich extrem war das, was Alex und Marc Marquez zum Thema zu sagen hatten.

Auf Twitter machte sich Noch-Weltmeister Marc Marquez über das Urteil der FIM lustig. „Wie sich herausgestellt hat, profitieren wir Fahrer nicht von den technischen Vorteilen“, schreibt der Titelverteidiger. Alex Marquez setzt die Gedanken seines Bruders fort.

Alex Marquez spricht von Betrug und stuft die Strafe als „Witz“ ein
„Sie haben betrogen oder befanden sich zumindest nicht innerhalb der Regeln“, schimpft Alex Marquez, der sich eine Bestrafung der Fahrer wünscht: „Wir bestreiten eine Weltmeisterschaft. Die Leute schauen auf die MotoGP. Wir sind Vorbilder für die jungen Fahrer. Wir müssen mit gutem Beispiel vorangehen. Ich finde, dass das nicht das beste Beispiel ist.“

„Die Strafe besagt, dass in der Hersteller-Wertung Punkte verloren gehen. Das ist ein Witz. In zwei Jahren weiß niemand mehr, wer den Hersteller-Titel gewonnen hat. Yamaha kümmert das nicht. Sie profitierten das gesamte Jahr über. Die Motoren sind für kommendes Jahr eingefroren. Sie werden also weiterhin profitieren. Sie haben die Regeln nicht befolgt und somit betrogen. Die Strafe ist in meinen Augen nicht fair“, ärgert sich Alex Marquez.

Von einem Performance-Vorteil zu sprechen, ist genau genommen weit hergeholt. Laut den Verantwortlichen entsprachen die nicht abgenommenen Ventile technisch gesehen den konventionellen Bauteilen. Lediglich der Zulieferer war ein anderer. Aus diesem Grund traf die FIM die Entscheidung, den Hersteller und die Teams mit Strafen zu belegen, die Fahrer aber zu verschonen.

Wurden die Yamaha-Fahrer informiert?
Yamaha-Werkspilot Maverick Vinales gab nach dem Trainingsauftakt am Freitag zu Protokoll, dass er über die Abläufe nicht informiert war. „Bis zum letzten Moment wusste ich nichts davon. Yamaha hat das für sich behalten, weil sie die Fahrer nicht stören wollten und kein Wirrwarr in der Box auslösen wollten. Sie haben es so gut wie möglich gemanagt“, kommentiert Vinales.

Doch Alex Marquez gibt sich damit nicht zufrieden. Laut dem amtierenden Moto2-Weltmeister sollten auch die Fahrer bestraft werden. Dass Vinales und die anderen Yamaha-Fahrer unwissend sind, kann sich Marquez nicht vorstellen: „Die Ausrede, ‚ich wusste von nichts‘, gibt es nicht. Die Hersteller sind immer sehr offen und man weiß, welchen Motor man benutzt. Man weiß alles.“

Alex Marquez geht noch weiter und hat eine Theorie: „Yamaha machte die Änderung, weil sie von den Fahrern dazu gezwungen wurden. Sie übten Druck aus, weil die Motoren kaputt gingen und keine Leistung hatten. Schlussendlich sah sich der Hersteller gezwungen, Dinge zu machen, die sie vielleicht gar nicht machen wollten.“

Stefan Bradl vom Urteil überrascht
Auch Honda-Testfahrer Stefan Bradl äußerte sich nach den Freitags-Trainings zur Causa Yamaha. „Ich bin ein bisschen überrascht“, gesteht Bradl, verzichtet aber im Gegensatz zu Teamkollege Alex Marquez auf wilde Theorien: „Wir müssen die Strafe akzeptieren.“

„Wir können nichts ausrichten. Yamaha ging vielleicht nicht ganz optimal mit der Situation um. Sicher hätten sie das besser machen können. Doch es ist, wie es ist. Was soll ich sagen? Ich bin nicht glücklich darüber. Doch ich als Fahrer kann die Situation nicht ändern“, so der Zahlinger.

Suzuki will, dass die WM auf der Strecke entschieden wird
Im Lager von Suzuki begrüßte man die Entscheidung, die Fahrer nicht zu bestrafen. Genau genommen sind Fabio Quartararo und Maverick Vinales die größten Gegner von Suzuki-Pilot Joan Mir beim Kampf um den WM-Titel. Eine Strafe hätte zu einer Vorentscheidung im WM-Kampf geführt.

„Egal, wie man entschieden hätte, es hätte einen Schatten über diese Meisterschaft geworfen“, bemerkt Suzuki-Teammanager Davide Brivio bei ‚MotoGP.com‘. „Hätte man einen Fahrer bestraft, dann hätte es geheißen: ‚Ah, das ist wegen der Disqualifikation.‘ Dieser Satz hätte einen Schatten auf die jeweilige Saison des Fahrers geworfen.“

„Sie haben viele Punkte, wichtige Punkte, in den Rennen geholt, wo die Motoren offensichtlich nicht den Regeln entsprachen. Es ist eine schwierige Entscheidung. Wir respektieren die Entscheidung. Wir sind froh, dass wir auf der Strecke kämpfen können“, so Brivio. „Ich bin mit der Entscheidung zufrieden, dass die Situation bei den Fahrern unverändert bleibt. Ich will nicht, dass es irgendeinen Schatten gibt.“

Ducati sieht gefährlichen Präzedenzfall
Auch Ducati legt keine weitere Berufung gegen das Urteil ein. Sportdirektor Paolo Ciabatti sprach bei ‚Sky‘ über das Urteil: „Beim Meeting der MSMA wurde unter den Herstellern vereinbart, dass Strafen für das Team und den Hersteller das Minimum sind. Schlussendlich entschieden die Stewards, dass sie diesen Weg einschlagen. Wir akzeptieren das.“

„Doch es ist auch klar, dass es ein bisschen merkwürdig ist, weil unserer Meinung nach Fahrer, Team und Hersteller von einer Strafe betroffen sind, sollte es Unregelmäßigkeiten geben. In diesem Fall wurde entschieden, nicht die Fahrer zu bestrafen“, bemerkt der Ducati-Verantwortliche, fügt aber in einem Atemzug hinzu: „Wir können den Grund für diese Entscheidung verstehen.“

„Die FIM-Stewards waren der Meinung, dass es ein Fehler von Yamaha war und deshalb trafen sie diese Entscheidung“, so Ciabatti. „Es ist ein gefährlicher Präzedenzfall, weil sie mit Motorrädern fuhren, die nicht den Regeln entsprachen“, warnt der Ducati-Sportdirektor.

Text von S. Fränzschky, Co-Autoren: G. Dirnbeck, G. Garcia Casanova

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