Valentino Rossi u Casey Stoner - © Motorsport Images

© Motorsport Images – Valentino Rossi konnte Casey Stoner nur bedingt einschüchtern

(Motorsport-Total.com) – Valentino Rossi beendete am 14. November 2021 seine aktive Karriere als Motorrad-Profi. Rossi holte neun WM-Titel und duellierte sich mit Motorrad-Legenden wie Max Biaggi, Casey Stoner, Dani Pedrosa, Jorge Lorenzo und Marc Marquez. Die teilweise sehr intensiven Feindschaften zu seinen Rivalen begeisterten die Fans, doch laut Stoner hätte Rossi erfolgreicher sein können, wenn er darauf verzichtet hätte.

„Es war hart“, erinnert sich Stoner im Gespräch mit dem Podcast ‚Gypsy Tales‘ an die Duelle mit Rossi. „Wir hätten uns einfach respektieren können. Ich hatte Respekt vor ihm, er hatte aber keinen Respekt vor mir.“

„Er hat mir mein Leben erschwert. Er wickelte die Medien um seinen Finger und die Fans auch“, blickt Stoner zurück. „Valentino war sicher ein netter Kerl. Er war nett zu mir, bevor ich sein Gegner war. Doch als ich ein Gegner wurde, legte er den Schalter um und machte aus mir einen seiner Feinde.“

Als Rossi in die Königsklasse aufstieg, duellierte er sich unter anderem mit Landsmann Max Biaggi, der zum großen Feindbild avancierte. Mittelfinger-Gesten in den Rennen und Handgemenge vor der Siegerehrung sorgten für Schlagzeilen. Die Psychospiele wirkten, denn Rossi setzte sich klar gegen Biaggi durch. Später wurde Sete Gibernau zu einem weiteren Opfer von Rossis Strategie.

MotoGP 2015: War Marquez motiviert, Rossis WM-Erfolg zu verhindern?
Doch als Mitte der 2000er-Jahre eine neue Generation in die MotoGP kam, fiel es Rossi nicht mehr so leicht, seine Vormachtstellung zu verteidigen. „Sein größter Fehler war es, Feindbilder zu schaffen“, erklärt Stoner, der 2007 den WM-Titel in der MotoGP gewann und sich in den Folgejahren viele harte Duelle mit Rossi lieferte.

„Er machte aus mir und aus Marc (Marquez) Feinde. Das hätte er nicht tun sollen“, bemerkt Stoner und ist der Meinung, dass die MotoGP-Saison 2015 anders verlaufen wäre, wenn Rossi anders mit Marquez umgegangen wäre: „Marc bescherte ihm viele Probleme und vielleicht sogar eine Meisterschaft. Man sollte sich keine Feinde machen.“

„Es ist das Schlimmste, was man machen kann, denn diese Leute wollen dann sicherstellen, dass man keinen Erfolg hat. Diese Leute wollen verhindern, dass man im Rampenlicht steht“, schildert Stoner. „Man hat weniger Probleme, wenn man in seiner Klasse weniger Feinde hat.“

Die Fans von Valentino Rossi erschwerten Casey Stoner das Leben
Stoner musste viele Jahre damit leben, Rossis größter Gegner zu sein. In dieser Zeit kam es zu einigen unschönen Szenen mit dem Lager der Rossi-Fans. „Es kam mehrfach vor, dass uns Leute vom Roller stoßen wollten, als wir auf dem Weg in Richtung Box waren“, erinnert sich der Australier.

„Diese Leute stellten sich in den Weg und versuchten alles, um einen Sturz und eine Verletzung zu provozieren, damit man nicht fahren kann“, berichtet Stoner und ärgert sich über Rossis Schweigen: „Valentino hat nie etwas dagegen gesagt.“

Stoner kam ohne einen WM-Titel in die Königsklasse und legte einen starken Einstand in der MotoGP hin. Bereits in seiner zweiten Saison gewann er die Meisterschaft. Der rasante Aufstieg hatte Folgen.

Rossi ließ kaum etwas unversucht, um seinen Gegner zu verunsichern. „Ich musste diese Dinge durchmachen, um es zu lernen. Ich kam so schnell nach oben und lernte es deshalb mit einem Schlag und nicht Stück für Stück“, so Stoner.

Casey Stoner nutzt Valentino Rossi als Inspiration
Rossi lehrte Stoner, egoistischer zu sein. „Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich einen Fahrer von der Linie abdrängte. Ich spreche nicht von Berührungen. Als ich dann gegen Valentino fuhr, musste ich dieses schlechte Gewissen ablegen“, bemerkt Stoner.

„Ich versuchte bei jedem Überholmanöver gegen Valentino, ihn von der Linie zu drängen. Das war es, was er ständig mit mir machte. Er zog immer im letzten Moment vorbei und ich musste das Motorrad aufrichten. Ich musste ihm das zurückzahlen und ihm klar machen, dass er das nicht machen sollte“, erklärt der zweimalige MotoGP-Champion.

„Ich war danach ein deutlich selbstsicherer Fahrer. Ich lernte von Valentino, wie man mit den Medien und den anderen Fahrern auf der Strecke umgehen muss“, blickt Stoner zurück. Im Laufe der MotoGP-Saison 2012 verkündete Stoner, dass er am Saisonende zurücktritt. Seitdem kämpft der Ex-Champion mit seiner körperlichen Verfassung.

Text von Sebastian Fränzschky

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