Valentino Rossi - © Motorsport Images

© Motorsport Images – Valentino Rossi schaut heute seinen VR46-Zöglingen beim Siegen zu

(Motorsport-Total.com) – Auch wenn Valentino Rossi selbst nicht mehr in der MotoGP antritt, waren die Tribünen bei den bisherigen Grands Prix der Saison zu großen Teilen in Neongelb getaucht.

Das Vermächtnis des neunfachen Weltmeisters wirkt fort und es wird wohl noch eine ganze Weile dauern, bis der Sport eine ähnliche Ikone hervorbringt.

Wie er selbst zu einer solchen wurde, fragt sich „Il Dottore“ zuweilen bis heute. „Ich weiß nicht, wie das passiert. Vielleicht war mein Geheimnis, dass ich nicht zu einer Figur werden wollte. Oder zumindest nicht um jeden Preis. Ich blieb ich selbst, und das gefiel den Leuten“, sagt der 43-Jährige im Gespräch mit ‚Il Giornale‘.

„Die Weltmeisterschaft war vor mir da und sie wird auch nach mir da sein. Vielleicht wird sie kleiner werden, einige Leute werden sie nicht mehr verfolgen“, mutmaßt er über die Ära nach Rossi, „aber die MotoGP ist eine wunderbare Sache. Sie funktioniert, die Leute schauen zu, es gibt andere italienische Fahrer, es gibt Ducati.“

Rossi weiß: Das Allerwichtigste ist das richtige Umfeld
Sein größter Halt in all den Jahren des Erfolgs, aber auch der Niederlage, sei sein Umfeld gewesen, betont Rossi rückblickend. „Sie sind immer meine große Stärke gewesen“, sagt er, „denn man fährt zwar alleine, aber es ist ein toller Mannschaftssport.“

„Die gleichen Menschen um mich herum zu haben, denen ich vertrauen konnte und von denen ich wusste, dass sie immer versuchen würden, mir zu helfen, war von grundlegender Bedeutung. Sie haben mir immer geholfen und mich beschützt. Und was für ein Vergnügen ist es, all das Erreichte mit ihnen teilen zu können.“

Und das tut Rossi bis heute – auf seiner Ranch in Tavullia und mit der VR46-Fahrerakadamie. Es ist eines von vielen Projekten, die der Italiener während seiner aktiven MotoGP-Karriere initiierte, wohl wissend, dass er selbst nicht ewig weiterfahren wird.

Ranch, Akadamie, MotoGP-Team: Rossi hat vorgesorgt
„Ich hatte meine Zukunft schon vor langer Zeit aufgebaut: eine Merchandising-Firma, VR46, ein MotoGP-Team, eine Akademie, um neue Fahrer einzuführen, meine eigene Strecke wie die Ranch. Und das ist auch den Menschen zu verdanken, die mich schon immer begleitet haben“, sagt der 43-Jährige heute stolz.

„Es war eine lange Karriere, sodass wir Zeit zum Nachdenken hatten. Als mein Merchandising extern produziert wurde, waren wir nicht überzeugt und sagten: ‚Machen wir es selbst.‘ Und von da an haben wir es auch für andere gemacht“, erinnert er sich.

Doch das war erst der Anfang: „Kinder, die sich für den Rennsport begeisterten, kamen zu uns und baten um Hilfe. Der erste war Simoncelli, dann Morbidelli, Migno, dann mein Bruder, und ich sagte: ‚Lasst uns versuchen, etwas zu tun, um den italienischen Kindern zu helfen.‘ Und wir haben die Akademie gegründet.“

Rücktritt schon Ende 2020? Warum Rossi weiterfuhr
„Dann haben wir aufgrund unserer Leidenschaft für den Rennsport versucht, ein Team zu gründen und jetzt sind wir in der MotoGP. Wir brauchten eine Strecke für das Training und haben die Ranch gebaut. Eine eigene Rennstrecke zu haben, ist der Traum aller Motorradfahrer, und wir haben ihn wahr gemacht“, so Rossi.

Trotzdem hielt es ihn noch lange selbst auf den Grand-Prix-Strecken dieser Welt. Kritiker meinen, vielleicht ein paar Jahre zu lang. Doch der 43-Jährige erklärt: „Ich habe es getan, weil ich daran geglaubt habe, weil ich glaubte, dass ich weiterhin gewinnen kann, und ich war bis Mitte der Saison 2019 sehr konkurrenzfähig.“

„Natürlich war ich nicht der Valentino Rossi von vor zehn Jahren, das ist normal, aber ich habe daran geglaubt. Ich hätte schon ein Jahr früher aufhören können, Ende 2020, aber es war das Covid-Jahr mit mehreren Rennen auf einer Strecke und ohne Publikum.“

„Da habe ich mir gesagt, was soll ich machen? Soll ich einfach aufgeben? Nein, komm schon, ich mache noch ein Jahr. Nicht, weil ich das Publikum für meinen Ruhestand haben wollte, sondern weil ich nach einem Jahr mit echten Wettkämpfen gehen wollte.“

Text von Juliane Ziegengeist

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