Michele Pirro - © LAT

© LAT – Ex-MotoGP-Stammpilot Michele Pirro
hilft Ducati seit 2013 als Testfahrer

In dieser MotoGP-Saison steuern die Fahrer und Teams erstmals 19 Kurse an. Das neu hinzugefügte Rennen in Buriram (Thailand) beschert den Teilnehmern zusätzlichen Stress.

Verständlich, dass die Stammpiloten zwischen den Rennen so wenig wie möglich testen möchten. Die Testarbeit abseits der Rennwochenenden wurde in den vergangenen Jahren immer mehr ausgelagert. Spezielle Testteams mit teilweise sehr prominenten Testfahrern kümmern sich um die Entwicklung und erleichtern den Stammpiloten die Arbeit.

Ducati machte Ende 2012 den Anfang, als Michele Pirro verpflichtet wurde. Der Italiener beschäftigt sich seitdem mit der Entwicklung der Desmosedici und startete bei einigen Rennen als Wildcard- oder als Ersatzpilot. „Meine Aufgaben unterscheiden sich von denen der normalen Fahrer. Ich teste das neue Motorrad oder neue Teile als Erster. Wenn die Rundenzeiten gut sind und mein Gefühl positiv ist, dann bekommen die Werksfahrer das Material“, erklärt er im Gespräch mit ‚MotoGP.com‘.

Die Arbeit als Testfahrer ist alles andere als einfach. „Es ist schwierig, acht Stunden lang konzentriert zu sein. Es ist wichtig, über die vielen Stunden konstant zu fahren. Ich versuche, immer gleich stark zu pushen“, berichtet Pirro, der aussagekräftige Informationen weitergeben möchte. Doch Pirro wurde für seine Arbeit auch belohnt, indem er diverse Renneinsätze absolvieren durfte. Seit 2013 hat der Ducati-Testpilot 31 Rennen absolviert – die meisten davon als Ersatz für einen verletzten Ducati-Fahrer.

Mika Kallio: Testfahrer müssen schnell und ausdauernd sein

Mika Kallio - © LAT

© LAT – Testpilot Mika Kallio ermöglichte
KTM schnelle Fortschritte

KTM-Testpilot Mika Kallio durfte ebenfalls an Rennen teilnehmen. Im Vorjahr fuhr der Finne vier Rennen für KTM. Zudem saß er beim Debüt der RC16 im November 2016 auf der Maschine.

Auch 2018 wird Kallio intensiv testen, um KTM bei Fortschritten zu helfen: „Wir liegen ein bisschen zurück und müssen innerhalb kürzester Zeit intensiv entwickeln, wenn wir die anderen Hersteller einholen möchten. Es ist extrem wichtig, ein gutes Testteam mit guten Ingenieuren und Mechanikern zu haben. Ich gebe meine Kommentare ab und sie entscheiden, welchen Weg wir einschlagen“, erklärt er.

Früher wurden die Tests meist von Fahrern absolviert, die deutlich schlechter waren als die Stammpiloten. Doch aktuell sind die Testfahrer oft nicht weit entfernt von den Leistungen der Stammpiloten. So hatte KTM-Werkspilot Bradley Smith im Vorjahr große Mühe, sich vor Kallio zu behaupten.

„Man muss schnell sein. Wenn man die Teile nicht ans Limit bringt, dann kann man nichts darüber sagen. Man muss nah am Niveau der Stammfahrer sein. Das ist sehr wichtig. Natürlich ist es hilfreich, wenn man zuvor Erfahrungen mit vielen verschiedenen Maschinen gesammelt hat“, bemerkt Kallio und betont: „Wenn man Testfahrer werden möchte, dann muss man bereit sein, sehr viele Kilometer abzuspulen. Ich bin überzeugt, dass ich deutlich mehr Kilometer abgespult habe als die Stammpiloten.“

Suzuki angelt sich Sylvain Guintoli

Sylvain Guintoli - © Michelin

© Michelin – Sylvain Guintoli sprang im
Vorjahr bei drei Rennen für Alex Rins ein

Bei Suzuki kümmert sich Sylvain Guintoli aktuell um die Entwicklung der GSX-RR. „Die Saison ist für die Stammfahrer ziemlich stressig.

Es stehen viele Rennen an. Es ist zu viel, dann noch regelmäßig zu testen. Es ist gut, wenn sie sich auf jemanden verlassen können“, hält der ehemalige Superbike-Weltmeister fest.

Über die Jahre saß Guintoli auf vielen verschiedenen Maschinen. „Erfahrung ist wichtig. Man muss die Strecken kennen, um sofort schnell zu sein. Zudem sollte man das Motorrad gut kennen“, kommentiert der Franzose und merkt an: „Es ist gut, wenn man das Motorrad nicht zu oft in den Kies wirft.“

Im Vorjahr kam Guintoli auch als Ersatz für Alex Rins zum Einsatz und zeigte solide Leistungen. Doch der Fokus liegt auf der Testarbeit: „Mein Ziel ist es, zu helfen. Ich wünsche mir, dass die Stammpiloten besseres Material erhalten. Das ist eine riesige Befriedigung für mich“, so Guintoli.

Text von Sebastian Fränzschky

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