Johann Zarco, Marc Marquez, Valentino Rossi - © Michelin

© Michelin – Johann Zarco (#5) hat den Topstars an der Spitze bei der Dutch TT eingeheizt

Valentino Rossi und Johann Zarco haben bereits eine gemeinsame Vorgeschichte. Austin 2017, der Tech-3-Rookie drängt den Superstar von der Strecke. Im achten Saisonrennen sollten sich die beiden Piloten erneut in der Führungsgruppe eines Rennens treffen – im wahrsten Sinn des Wortes.

Denn als Rossi in Runde 12 bei der Dutch TT die Führung übernahm, ließ sich der Polesetter nicht leichtfertig abschütteln. Der Franzose sah die Chance auf seinen ersten MotoGP-Triumph zum Greifen nahe, bis er Rossi bei einem Überholversuch touchierte. Der Italiener ist verärgert und richtet Zarco erneut einen Ratschlag aus.

„Er ist kein böser Kerl. Er versteht einfach die Dimensionen zwischen einem Bike zum anderen auf der Strecke nicht“, äußert Rossi in der Pressekonferenz nach dem Rennen seine Vermutung. „Wie in Austin hat er auch diesmal wieder etwas Unmögliches versucht.“ In Austin schickte er Rossi bei einer ähnlichen Berührung weit in die Auslaufzone, für das Abkürzen bekam dieser dann sogar noch eine Zeitstrafe aufgebrummt.

Schon in den USA reagierte der neunfache Weltmeister auf seinen jüngeren Markenkollegen gereizt: „Er ist immer sehr schnell, er fährt das Bike sehr gut und er hat großes Potenzial, aber das ist hier nicht die Moto2. Wenn du überholen willst, dann solltest du das auf eine andere Art und Weise machen. Er kommt immer sehr spät an. Er müsste ruhiger sein.“ Das nahm sich Zarco, der eine sensationelle erste MotoGP-Saison bisher hingelegt hat, jedoch nicht zu Herzen.

„Ich wollte Vale kein Problem machen, weil ich viel von ihm lernen kann“, ließ er den Altmeister beim dritten Saisonlauf noch wissen. In der Zwischenzeit fuhr er jedoch bereits sein erstes MotoGP-Podium ein, mit 77 Punkten liegt er als bester Rookie auf WM-Rang sechs. Mit den konstanten Highlights wächst auch Zarcos Selbstbewusstsein. Vor dem Rennen in Assen ließ er wissen, dass er sich Chancen auf die Nachfolge von Rossi bei Yamaha ausrechne.

Mit seinem Motto („Wenn man eine Entscheidung trifft, dann muss man sie auch durchziehen“) verteidigt er sich nun erneut gegen die Kritik des 115-fachen Grand-Prix-Siegers. „Als er mich überholt hat, ist er zweimal weit rausgekommen. Ich habe diese Chance sofort wahrgenommen. Ich wollte in Führung bleiben“, damit er seine Pace an der Spitze diktieren könne, erklärt der 26-Jährige. Rossi hält entschieden dagegen und behauptet: „Ich bin nicht weit rausgekommen, das war einfach meine Linienwahl. Wenn du den Vordermann überholen möchtest, musst du einkalkulieren, dass sich der andere nicht in Luft auflösen kann.“

Zarco möchte das so jedoch nicht stehenlassen: „Meine Linie in Kurve 3 war besser als seine. Ich wollte den Kurvenspeed innen halten, aber sein Tempo war ziemlich stark. Ich konnte ihn nicht sehen, weil er von rechts kam.“ Er musste diese Entscheidung zu jenem Zeitpunkt treffen, argumentiert er. „Ich habe gewartet und geschaut, ob wir uns berühren oder nicht.“ Tatsächlich gab es die Berührung, beide Piloten konnten glücklicherweise sitzen bleiben.

Rossi möchte seine Sicht der Dinge verteidigen: „Er kam sehr spät an und hat mich getroffen. Er fährt aggressiv, okay. Wenn alles gut ausgeht, ist es eben so. Wie Marc (Marquez; Anm. d. Red.) schon gesagt hat, muss jeder aggressiv sein.“ Die richtige Dosierung ist allerdings immer wichtig. Rossis Ärger war angesichts seines ersten Saisonerfolgs jedoch bald wieder verflogen, Zarco verpokerte sich mit einem Bikewechsel und holte als 14. noch zwei WM-Zähler.

Text von Maria Reyer & David Emmett

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