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© Motorsport Images – Überholen ist in der MotoGP schwieriger als in der Superbike-WM

(Motorsport-Total.com) – Die Superbike-WM erfreute sich in den zurückliegenden Jahren großer Beliebtheit.

Im Vorjahr begeisterte das Duell zwischen Toprak Razgatlioglu und Jonathan Rea die Fans. In der abgelaufenen Saison kämpften gleich drei Fahrer um den Titel. Im direkten Vergleich mit der MotoGP konnte sich die WSBK ordentlich behaupten.

Wir sprachen mit Yamaha-Teammanager Paul Denning über das Hoch in der Superbike-WM und das stagnierende Interesse der MotoGP-Fans.

Während in der MotoGP bisher nur ein Rennen pro Wochenende gestartet wurde, konnten die Fans der Superbike-WM deutlich mehr Rennaction verfolgen. „Das Format mit drei Rennen an jedem Wochenende ist sehr aufregend. Im Superpole-Rennen über zehn Runden gibt es immer sehr spannende Zweikämpfe“, nennt Paul Denning einen Grund für das hohe Interesse der Fans. Ab der MotoGP-Saison 2023 wird es auch in der Königsklasse zusätzliche Sprintrennen geben.

Mehr Überholmanöver: Bessere Rennaction in der Superbike-WM
„Der wichtigste Aspekt ist aber, dass sich die Fahrer in der Superbike-WM überholen können und ein direkter Konter möglich ist“, betont Paul Denning im Gespräch mit ‚Motorsport-Total.com‘. „Deshalb sehen wir richtige Kämpfe mit drei oder vier Überholmanövern pro Runde.“

„Es sieht so aus, als ob das für die Fahrer in der MotoGP auf Grund der technischen Voraussetzungen momentan nicht so einfach zu bewerkstelligen ist“, grübelt der Yamaha-WSBK-Teammanager.

Die Fans können sich besser mit den Superbikes identifizieren
„Aus Sicht eines Fans hat man in der Superbike-WM drei sehr unterschiedliche Charaktere mit Toprak, Jonathan und Alvaro (Bautista). Die Motorräder unterscheiden sich auch sehr stark“, erkennt Paul Denning einen weiteren Unterschied.

Während in der MotoGP reine Prototypen eingesetzt werden, die mit den Serienmodellen teilweise gar keine Gemeinsamkeiten haben, sieht die Situation bei den Superbikes anders aus. „Die Fans können sich mit den Motorrädern von Toprak, Jonathan und Alvaro identifizieren, auch wenn sie sich beim Händler eine Multistrada oder eine Tracer kaufen“, erkennt Paul Denning.

Auf den Rennstrecken lieferten sich die Top-3-Piloten der Superbike-WM einige harte Duelle und gerieten wie in Assen und Magny-Cours aneinander. „Hinsichtlich der puren Unterhaltung waren die Rennen der Superbike-WM spannender“, bestätigt Paul Denning.

Weniger Zweikämpfe in der MotoGP am absoluten Limit
Für viele Diskussionen haben die neuen MotoGP-Technologien gesorgt, die laut den Fahrern das Überholen erschweren. Durch die Aero-Verkleidungen entstehen in Kombination mit den extrem hohen Geschwindigkeiten Turbulenzen. Die Situation erinnert an die Formel 1. „Es gibt viele clevere Leute, die dazu bereits ihre Meinung abgegeben haben“, bemerkt Paul Denning.

„Aber es sieht auch für mich so aus, als ob die genannten technischen Innovationen zur Folge haben, dass es für die Fahrer schwieriger ist, am Limit miteinander zu kämpfen“, kommentiert der ehemalige MotoGP-Teammanager.

„Die Fahrer erreichen das Limit, doch dann wird es schwierig, sich miteinander zu duellieren. Das ist in der Superbike-WM anders. Die Kombination aus den Pirelli-Reifen mit einem seriennahen Motorrad bietet den Fahrern mehr Spielraum“, vergleicht Paul Denning.

Fehlt der MotoGP nach dem Rossi-Rücktritt ein Publikumsmagnet?
Abschließend macht Paul Denning auch den Rücktritt von MotoGP-Legende Valentino Rossi und die lange Verletzungspause von Ex-Weltmeister Marc Marquez für das stagnierende Interesse der Fans verantwortlich.

Die neue Generation von Fahrern wie Fabio Quartararo, Francesco Bagnaia und Joan Mir konnte die Fans bisher noch nicht so begeistern wie die zurückgetretene Ikone des Sports.

„Es fehlen Charaktere wie Rossi und Marquez. Fabio ist ein unglaublich guter Fahrer und ein netter Kerl. Er ist ebenfalls ein großer Charakter und etabliert seinen Namen. Für die Fans muss es einen Unterschied machen, ob Fabio oder ein anderer Fahrer gewinnt. Das fehlt aber, weil sich die Leute nicht so sehr wie für Rossi oder Marquez und deren Rivalität interessieren“, erkennt Paul Denning.

Freundschaften statt Rivalitäten: Ist die MotoGP zu harmonisch?
Denning erinnert sich an den Grand Prix in Assen, als Fabio Quartararo mit Aleix Espargaro kollidierte. „Aleix demonstrierte in Assen, dass man mit MotoGP-Bikes überholen kann. Das machte er sehr deutlich klar. Er war schneller und pflügte durch das Feld. Man kann also nicht sagen, dass es keine Überholmanöver gibt“, so der Brite.

„Ich kenne Aleix und Fabio nicht gut genug, doch es sieht so aus, als wären sie wirklich nette Menschen. Nach dem Rennen entschuldigte sich Fabio und Aleix nahm die Entschuldigung an. Vielleicht hätten sich beide nach dem Rennen prügeln sollen, um mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen?“, fragt sich Paul Denning.

„Ohne diese verbitterten Rivalitäten hat man nicht die volle Aufmerksamkeit“, weiß Paul Denning, der den Sport durch seine jahrelange Arbeit als Teammanager sehr gut kennt.

Text von Sebastian Fränzschky

Motorsport-Total.com
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