© Yamaha - Regen ist für die Fahrer eine ganz besondere Herausforderung

© Yamaha – Regen ist für die Fahrer eine ganz besondere Herausforderung

Zuletzt in Assen fand das erste „Flag-to-Flag“-Rennen in diesem Jahr statt. Die Fahrer starteten mit Regenreifen und wechselten später in der Box auf die Motorräder mit Slicks.

Regen ist eine ganz besondere Herausforderung, denn den Fahrern wird das komplette Talent abverlangt. Aber auch aus technischer Sicht sind Regenrennen für die Ingenieure eine andere Aufgabenstellung. Klar ist, dass mit Regenreifen und Stahlbremsen gefahren wird. Doch was wird an den MotoGP-Prototypen noch alles für eine nasse Strecke verändert?

„Im Regen gibt es vor allem hinten weniger Grip. Um mehr Grip zu erzeugen, verlagern wir das Gewicht nach hinten“, erklärt Ramon Forcada bei ‚MotoGP.com‘. Forcada fungiert im Yamaha-Werksteam als Crew-Chief von Jorge Lorenzo. Der zweifache MotoGP-Weltmeister hat in seiner Karriere schon einige Regenrennen gewonnen. „Deswegen wirkt das Motorrad im Regen hinten niedriger. Wir erzielen das auf zwei Arten – über die Geometrie und einen weicheren Dämpfer, damit wir bei der Beschleunigung mehr Grip generieren.“

„Wenn man das Heck niedriger macht, generiert man mehr Last auf das Hinterrad. Der Hinterreifen ist auch sehr wichtig. Wenn das Motorrad flach auf die Straße gepresst wird und wir mehr Auflage haben, können wir die Front und das Heck bei der Bremsphase nutzen.“ Die Bremsphase war in der Vergangenheit ein Schwachpunkt der Yamaha M1. Die Techniker wollen den Hinterreifen so lange wie möglich auf dem Boden halten.

Dagegen hebt das Hinterrad von Honda-Fahrer Marc Marquez auf der Bremse oft ab. Unterschiedliche Motorräder, unterschiedliche Fahrstile. Bei Yamaha verfolgt man eine andere Philosophie: „Selbst im Trockenen ist es ein Problem, wenn das Hinterrad in der Bremsphase vom Boden abhebt, denn man verwendet dann nur die Vorderbremse“, setzt Forcada fort. „Wenn das Motorrad auf der Straße klebt, kann man die Motorbremse nutzen und, abhängig vom Fahrer, auch die Hinterradbremse. Dann können wir mit dem Vorder- und dem Hinterrad bremsen.“

Nur wenige Fahrer nutzen die Hinterradbremse, um das Motorrad tatsächlich zu verzögern. Valentino Rossi verwendet die hintere Bremse in erster Linie, um das Motorrad zu stabilisieren und beim Lenken zu helfen. Die Hinterradbremse ist auch zu schwach, um ein Bike richtig abzubremsen. „Im Nassen hat der Vorderreifen weniger Grip, deswegen ist es einfacher, dass das Hinterrad auf dem Boden bleibt.“

„Außerdem wird im Regen eine Stahlbremse verwendet, die eine geringere Performance hat. Deswegen ist es einfacher, dass das Hinterrad auf dem Boden bleibt“, erklärt Forcada die Details. An der Bremse werden auch einige Veränderungen für Regen vorgenommen. „Wir tauschen die Bremszange. Man hat einen Satz für trocken und einen für nass. Der Hauptbremszylinder ist gleich. Das Problem mit den Karbonbremsen im Regen ist, dass sie auskühlen.“

„Damit die Karbonbremse gut funktioniert, sollte sie mindestens 450 Grad heiß sein. Das Problem ist nicht das Karbon, sondern die Bremsscheibe. Deshalb verwenden wir Stahlscheiben.“ Geometrie, Dämpfung, Bremsen und Motorelektronik sind die großen Stellschrauben für Regenrennen. „Beim Chassis verändern wir nichts. Wir ändern nur die Dämpfer. Abhängig vom Reifen wird auch die Übersetzung angepasst, denn man will vermeiden, dass der Hinterreifen auf der Geraden durchdreht.“

„In Schräglage muss die Dämpfung die Kraft absorbieren. Der Reifen ist zwar sehr gut, hat aber zu wenig Grip. Deshalb muss man die Kraft über die Dämpfer absorbieren. Auf der Geraden muss es aber auch einen guten Grip geben.“ Letztendlich kann Forcada mit seiner Crew das Motorrad nur bedingt für Regen anpassen.

Der Rest liegt in den Händen von Lorenzo. „Der Fahrer muss sehr vorsichtig sein, denn trotz der Elektronik steht viel Motorleistung zur Verfügung. Wenn der Fahrer nicht aufpasst, kann er rutschen. Die Leistungsabgabe muss sehr sanft geschehen. Wir arbeiten auch an der Motorbremse. Der Fahrer muss das Gas sanft öffnen, aber auch die Elektronik muss sanft arbeiten.“

Text von Gerald Dirnbeck

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