Valentino Rossi - © LAT

© LAT – Yamaha war in diesem Jahr auf Kursen mit wenig Haftung chancenlos

Die Verantwortlichen von Yamaha möchten die MotoGP-Saison 2017 aus sportlicher Sicht sicher möglichst schnell abhaken.

Für die Zukunft des M1-Projekts ist die abgelaufene Saison aber wegweisend, denn die Probleme mit der Entwicklung der Maschine wirken sich auch auf 2018 aus. Galt die M1 immer als das MotoGP-Motorrad mit der besten Balance, so ging diese Stärke 2017 komplett verloren.

Wenn Yamaha wieder nach der MotoGP-Krone greifen möchte, dann müssen sich die Japaner auf die Stärken und Tugenden der M1 konzentrieren. Beim privaten Sepang-Test kommende Woche haben sie nach dem Test in Valencia die zweite Chance dazu.

„Aus Chassis-Sicht war es eine schwierige Saison für uns. Es war sehr wichtig für uns, erneut Vergleiche mit dem 2016er-Chassis anzustellen“, kommentiert Yamaha-Teamdirektor Massimo Meregalli den Nachsaisontest in Valencia. Nach dem enttäuschenden Rennwochenende – Valentino Rossi wurde Fünfter, Maverick Vinales landete auf Position zwölf – gelang immerhin eine Tagesbestzeit.

„Am ersten Testtag waren wir ziemlich schnell. Doch die Bedingungen waren deutlich besser als am Renntag“, unterstreicht Meregalli. „Wir werden in Sepang die gleichen Vergleiche anstellen. Es ist wichtig, dass wir die gleichen Eindrücke sammeln, damit die Ingenieure in Japan die Entwicklung der neuen Maschine fortsetzen können, die Ende Januar in Sepang debütiert.“

Yamaha abhängig vom Asphalttyp
Auffällig war, wie stark die Yamaha-Werkspiloten zu kämpfen hatten, wenn die Haftung niedrig war. Vor allem bei den Hitzerennen in Spanien gingen Rossi und Vinales unter, während die Tech-3-Piloten an der Spitze mitmischen konnten. „Unsere Probleme in diesem Jahr waren immer verbunden mit der vorhandenen Haftung des Asphalts. Wenn viel Haftung vorhanden war, lief es bei uns gut und wir waren konkurrenzfähig“, erklärt Meregalli.

„Doch sobald wir auf einer Strecke fuhren, die wenig Haftung bietet, hatten wir deutlich mehr zu leiden als unsere Gegner. Das ist ein Aspekt, um den sich unsere Ingenieure kümmern müssen. Wir müssen bei allen Bedingungen stark sein. Das war in der Vergangenheit unsere Stärke“, betont der Italiener und nennt einen weiteren Grund, warum man Ende November in Malaysia testet und nicht in Spanien: „In Sepang haben wir die Möglichkeit, auch im Nassen zu testen.“

Tech-3-Pilot Johann Zarco testete in Valencia die stark kritisierte 2017er-Version der M1 und war damit bei den vorherrschenden Bedingungen schnell. Zudem erkannte der Franzose, dass er weniger Kraft benötigt, um mit der 2017er-Maschine schnell zu sein. Vinales machte ähnliche Erfahrungen: „Ich Rennen hatte ich keine Probleme mit der Fitness. Ich konnte in der abgelaufenen Saison stets viele Runden fahren und fühlte mich gut.“

Hat die 2017er-Yamaha wirklich mehr Potenzial?
Beim Nachsaisontest in Valencia wechselten Vinales und Rossi immer wieder zwischen der Vorjahresmaschine und dem 2017er-Modell hin und her. „Ich spürte, dass ich mit dem 2016er-Motorrad besser bremsen und in die Kurven einlenken kann. Das 2017er-Motorrad ist am Kurvenausgang besser. Es gibt positive und negative Aspekte“, vergleicht Vinales.

„Ich fuhr mit beiden Maschinen ähnlich, kam auf ähnliche Rundenzeiten und fühlte mich gut. Ich hatte das Gefühl, dass ich die Front stark belasten kann. Ich kann ans Limit gehen. Beim Rennwochenende fühlte ich nichts. Ich hatte kein Gefühl für die Front“, wundert sich der Spanier und fasst zusammen: „Ich denke, die 2017er-Yamaha hat mehr Potenzial, wenn sie so funktioniert wie beim Test. Wenn sie so funktioniert wie beim Rennwochenende, dann weiß ich es nicht.“

Text Sebastian Fränzschky & Oriol Puigdemont

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