Maverick Vinales - © Motorsport Images

© Motorsport Images – Beim Sprung von der Yamaha verletzte sich Maverick Vinales zum Glück nicht

(Motorsport-Total.com) – Es ist die Horrorvorstellung schlechthin, wenn bei voller Fahrt die Bremsen versagen. Genau so erging es Yamaha-Pilot Maverick Vinales in Runde 17 des MotoGP-Rennens in Spielberg. In der Anfahrt auf Kurve 1 sprang der Spanier bei einem Tempo von über 200 km/h von seinem Bike, das ungebremst in den Airfence krachte.

Zum Glück verletzte sich Vinales bei dem Stunt nicht. Das Rennen musste aber abgebrochen werden, weil seine Yamaha Feuer gefangen und die Streckenbegrenzung beschädigt hatte. Der Re-Start über die restlichen zwölf Runden fand ohne Vinales statt.

Der 25-Jährige erklärt: „Das ist mir in meiner ganzen MotoGP-Karriere noch nie passiert. Vielleicht hat die Bremse mal ein bisschen nachgelassen, ja, aber nicht so… Ich konnte rein gar nichts tun. Die Bremse hat einfach versagt. Und mein erster Reflex war abzuspringen, weil ich das Motorrad nicht mehr stoppen konnte.“

Vinales kämpft bis zum Crash gegen weiche Bremse an
Dabei war der Yamaha-Pilot durchaus zuversichtlich in das zweite Spielberg-Rennen in Folge gestartet. „Das Bike fühlte sich auf den ersten Runden fantastisch an“, schwärmt Vinales. „Ich versuchte, Druck auf Dovi (Andrea Dovizioso; Anm. d. R.) zu machen, aber ohne den nötigen Topspeed war es schwierig zu überholen. Einmal ist es mir gelungen, aber auf der nächsten Geraden ging er wieder vorbei.“

„Danach versuchte ich, in meinen Rhythmus zu finden“, erzählt der Spanier weiter. „Aber dann ließ der Druck auf der Vorderradbremse nach. Deshalb bin ich auch einmal an die Seite gefahren. Ich fuhr dann drei sehr langsame Runden im Bereich 1:26. Dann pushte ich wieder und fuhr 1:24, doch die Bremswirkung ließ erneut nach.“

In dieser Phase gingen seine beiden Yamaha-Kollegen Fabio Quartararo und Valentino Rossi sowie Danilo Petrucci auf der Ducati an ihm vorbei. „Doch plötzlich war die Bremse wieder gut“, erinnert sich Vinales. „Ich konnte schneller fahren und zu Valentino und Petrucci aufschließen. Aber dann in Kurve 1 versagte sie komplett.“

Yamaha-Duo: Fehlender Topspeed als Teil des Problems
Im Nachhinein gibt Vinales zu: „Ich hätte schon früher aufhören sollen, aber das wollte ich nicht. Ich wollte das Rennen beenden, und wenn es am Ende nur für einen Punkt gereicht hätte. Ich gebe immer mein Maximum, deshalb bin ich auf der Strecke geblieben.

Dass es so schlimm kommen würde, hatte der Spanier wohl auch nicht erwartet. Denn noch am vergangenen Wochenende hatte er überhaupt keine Bremsprobleme, anders als Markenkollege Quartararo. Wohl auch deshalb blieb Vinales bei den üblichen Bremsbelägen, während die meisten Fahrer für Spielberg 2 auf etwas größere wechselten.

Auf die möglichen Gründe für das Bremsversagen angesprochen, erklärt der Yamaha-Pilot: „Wir müssen in einigen Bereichen den fehlenden Topspeed kompensieren, insofern bremse ich sehr spät im Vergleich zu den anderen.“ Damit geht freilich auch eine stärkere Belastung der Vorderradbremse einher, wie Vinales‘ Teamkollege Rossi bestätigt. „Ich hatte vergangene Woche mit der Bremse Probleme“, sagt er.

Auch Quartararo leidet erneut unter Bremsproblemen
Daraufhin habe man eng mit Zulieferer Brembo zusammengearbeitet und seit Freitag anderes Material eingesetzt. „Die Strecke beansprucht die Bremsen stark“, weiß Rossi. „Das betrifft alle. Jeder verwendete hier größere Bremsbeläge, auch die anderen Hersteller. Aber es sieht so aus, als würde Yamaha mehr darunter leiden.“

Wie Vinales gibt auch er zu bedenken: „Wir versuchen, auf der Bremse das gutzumachen, was wir auf den Geraden verlieren. Denn unser Motorrad ist langsam, aber gut auf der Bremse. Daher versuchen wir, hart zu bremsen und beanspruchen das Material mehr.“

Einen Zusammenhang zum Holeshot Device, das Yamaha mittlerweile nicht nur am Start, sondern auch im Rennen während der Fahrt nutzen kann, um das Heck abzusenken, sieht der „Doctor“ nicht: „Ich habe es im Rennen nie benutzt, nur am Start.“ Und Quartararo ergänzt: „Das hat null Einfluss auf die Bremsen.“

Ernüchterndes Fazit nach Double-Header in Spielberg
Dennoch hatte auch der Petronas-Pilot am Sonntag wieder mit Bremsproblemen zu kämpfen und befand sich einige Male neben der Strecke. Wie vor einer Woche beklagt er: „Der Bremshebel wurde immer weicher. Ich kam an einen Punkt, wo auch ich keine Bremswirkung mehr hatte. Das ist wirklich gefährlich und schlecht fürs Selbstvertrauen.“

Ganz zu schweigen davon, dass es sich natürlich auf die Gesamtperformance niederschlägt. So kam Quartataro in Spielberg nach dem Re-Start nicht über Platz 13 hinaus. Bester Yamaha-Pilot wurde Rossi als Neunter. Entsprechend ernüchtert fällt sein Fazit aus.

„An diesem Wochenende haben die anderen ihre Probleme gelöst und waren in der Lage, ihre Power besser auf die Strecke zu bringen als wir. Niemand hat Fehler gemacht und die beste Yamaha kam auf Platz neun ins Ziel. Es ist schwierig, weil die Probleme denen der Vorjahre sehr ähneln“, fasst Rossi das zweite Spielberg-Rennen zusammen und zieht den Vergleich zur Vorwoche, als er den fünften Platz einfuhr.

Topspeed auch 2020 größte Schwäche der Yamaha M1
„Das lag auch daran, dass vor mir viele gestürzt sind“, gibt der Yamaha-Routinier zu. „Wir wissen, dass wir auf dieser Strecke leiden, weil uns der Topspeed fehlt. In diesem Jahr ist der Unterschied riesig. Damit ist schwierig umzugehen. Im vergangenen Jahr war es auch schon so. Wir haben Druck gemacht, aber die Situation ist sehr ähnlich.“

Und auch Quartararo kritisiert: „Dieses Rennen hat alle Schwächen des Bikes offengelegt. Eigentlich dachte ich, das Potenzial wäre größer. Aber ich verbrachte den Großteil des Rennens hinter Aleix (Espargaro, Aprilia; Anm. d. R.) und sah, dass das Motorrad in vielen Bereichen Probleme hatte, die ich nicht erwartet hätte.“

„Abgesehen von den Bremsproblemen ist unsere größte Schwäche der Topspeed. Zwar wissen wir, dass die kommende Strecke in Misano besser zu uns passt, aber das Topspeed-Problem wird nicht verschwinden“, grübelt der Franzose, der weiter die WM anführt.

Vinales: Es kommen auch wieder bessere Strecken
Er hofft darauf, dass er sich mit dem Bike wieder wohler fühlt, wenn die MotoGP zu ihrem herkömmlichen Hinterreifen zurückkehrt. Denn in Spielberg kam eine spezielle hitzebeständige Karkasse zum Einsatz, und die taugte Quartararo laut eigener Aussage wenig. Er will das Spielberg-Double deshalb schnell abhaken – wie auch Vinales.

„Wir müssen diese zwei Rennen in Österreich jetzt vergessen. Es waren mit Sicherheit die zwei schlechtesten Rennen in meiner MotoGP-Karriere“, sagt er. „Wir verdienen auf jeden Fall mehr, nachdem wir das ganze Wochenende hart gearbeitet haben. Aber wenn einem die Power fehlt, ist es eben auch schwierig zu überholen.“

„Trotzdem bin ich glücklich, dass das Set-up, das wir an diesem Wochenende verwendet haben, gut war – auch im Rennen. Das ist positiv. Ich hatte mit dem Motorrad ein fantastisches Gefühl, bis der Bremsdruck nachließ.“ Darauf gilt es in den nächsten Rennen aufzubauen, „denn jetzt kommen Strecke, wo wir und besonders ich sehr stark sind. Wir dürfen nur nicht den Fokus verlieren“, mahnt der Yamaha-Pilot.

Text von J. Ziegengeist, Co-Autoren: O. Puigdemont, L. Duncan

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