Scott Redding - © Ducati

© Ducati – Scott Redding bewegt Superbikes nur auf abgesperrten Strecken

(Motorsport-Total.com) – In der aktuellen Generation von käuflichen Superbikes kommen viele technische Entwicklung aus der MotoGP und Superbike-WM zum Einsatz.

Gut funktionierende Traktionskontrollen gehören mittlerweile zum Standardprogramm, genau wie Motoren mit über 200 PS. Selbst die Entwicklungen auf dem Gebiet der Aerodynamik fanden den Weg in die Serie, wie die Ducati Panigale V4R, die Honda CBR1000RR-R Fireblade oder auch die BMW M1000RR zeigen.

Doch wie sinnvoll ist es, mit einem modernen Superbike am normalen Straßenverkehr teilzunehmen? Ex-MotoGP-Pilot und WSBK-Laufsieger Scott Redding hat eine klare Meinung: „Ich finde, dass es zu viel für die Straße ist. Diese Aussage ist vermutlich nicht gut in Sachen Marketing. Aber man kann die Leistung eines Superbikes niemals auf der Straße nutzen.“

„Das Geschwindigkeitslimit von 130 km/h erreicht man bereits im zweiten Gang. Meiner Meinung nach gibt es keinen Grund. Doch einige Leute wollen diese Maschinen besitzen, weil sie einfach toll aussehen“, zeigt Redding im Exklusiv-Gespräch mit ‚Motorsport-Total.com‘ ein wenig Verständnis.

„Mittlerweile lassen sie sich auch recht einfach fahren. Doch man befindet sich in einer Rennhaltung und sitzt auf einem Motorrad, das gebaut wurde, um 300 km/h zu erreichen“, so Redding.

„Wenn man 130 km/h fährt, dann spürt man die Geschwindigkeit nicht. Es fühlt sich wie 30 km/h an. Man realisiert die Geschwindigkeit nicht und deshalb gibt es so viele Todesfälle. Wenn etwas passiert, dann geht es sehr schnell und die Zeit reicht nicht aus, um zu reagieren“, stellt Redding fest.

„Ich war aber immer ein Fan von Naked-Bikes. Damit hat man nicht das Gefühl, schnell fahren zu müssen“, schildert der ehemalige Ducati-Werkspilot. „Man spürt zudem den Wind, sobald man schneller fährt. Das ist bei einem Superbike anders. Dann fühlt es sich mit zunehmender Geschwindigkeit immer besser an.“

Scott Redding fährt aus gutem Grund nur auf abgesperrten Strecken
Superbikes gehören laut Redding auf abgesperrte Rennstrecken. „Bei Trackdays sehe ich Motorräder, die besser ausgerüstet sind als meine Maschine. Das ist kein Witz“, erklärt der Brite. „Es gibt die Möglichkeit, ausrangierte Rennmaschinen zu kaufen. Die Teams verkaufen diese Motorräder.“

Redding selbst kommt ohnehin nicht in die Verlegenheit, ein Motorrad auf der Straße zu bewegen. Der BMW-Neuzugang hat keinen Motorrad-Führerschein. „Vor fünf Jahren dachte ich mir, dass es toll wäre, einen Führerschein zu haben. Dann könnte ich in den Bergen fahren“, schildert er.

„Ich unterhielt mich mit einem Unternehmen, denn ich bin nicht der cleverste Kerl. Sie wollten das alles organisieren. Als dann der Tag gekommen war, musste ich meinen Auto-Führerschein vorzeigen, doch der war verschwunden. Ich hatte meinen Führerschein noch nie verloren. Deshalb dachte ich mir, dass es ein Zeichen ist, um den Führerschein für das Motorrad nicht zu machen. Ich blieb bei dieser Entscheidung“, begründet er den Verzicht auf einen Motorrad-Führerschein.

Jonathan Rea widerspricht Scott Redding beim Thema Superbikes
Rekord-Weltmeister Jonathan Rea vertritt eine andere Sichtweise beim Thema Superbike im Straßenverkehr. Der Kawasaki-Pilot findet es gut, dass man die Grundmodelle der WSBK-Maschinen kaufen kann. „Natürlich, zu 100 Prozent. Ich widerspreche Scott komplett“, kommentiert Rea im Gespräch mit ‚Motorsport-Total.com‘.

„Es macht Spaß. Man kann ein Superbike genießen. Als Fan bekommt man die Siege in der Superbike-WM mit und wünscht sich, das gleiche Motorrad zu fahren. Für 18.000 oder 20.000 Euro erhält man beim Händler ein sehr ähnliches Motorrad“, bemerkt Rea.

Ein Verbot von leistungsstarken Motorrädern lehnt Rea ab. „Es ist, als ob man den Leuten verbietet, sich einen Lamborghini oder Ferrari zu kaufen, weil sie so viel Leistung wie ein Formel-1-Auto haben. Wenn man einen Ferrari will, um damit 100 km/h zu fahren, dann soll man sich einen kaufen dürfen“, vergleicht Rea.

Warum sich Jonathan Rea für ein Naked-Bike entschieden hat
Doch mit einem 200 PS starken Superbike muss man sich der Gefahren bewusst sein, findet Rea: „Man muss den Kopf einschalten, wenn man auf der Straße fährt. Ich finde es aber toll, dass man Superbikes für die Straße kaufen kann. Für mich ist das aber nichts, denn die Motorräder sind ziemlich steif und man sitzt sehr sportlich.“

Im vergangenen Jahr entschied sich Rea für eine Kawasaki Z900RS. In seinen YouTube-Videos präsentierte er stolz das 111 PS starke Naked-Bike, nachdem er bereits den Weg zum Führerschein begleitete.

„Sie sieht einfach super cool aus“, schwärmt er. „Das Motorrad ist komfortabel und meine Frau kann mitfahren. Ich fahre mit einem Jethelm. Ich liebe den Look des Motorrads. Wenn man über 110 km/h fährt, dann spürt man den Fahrtwind sehr intensiv. Man spürt die Nackenmuskeln am nächsten Tag.“

„Das Adrenalin hole ich mir auf der Rennstrecke. Beim Fahren auf der Straße muss man nicht auf der Jagd nach Adrenalin sein. Superbikes sind fantastisch, wenn man sie richtig nutzt. Das geht nur auf einer Rennstrecke“, ist Rea überzeugt.

„Meine ZX-10RR auf der Straße zu fahren ist so, als würde man einem Kind die Schlüssel eines Ferraris überreichen“, scherzt der sechsmalige Weltmeister und fügt hinzu: „Man beschleunigt in weniger als drei Sekunden von 0 auf 100 km/h. Das ist ziemlich schnell.“

Text von Sebastian Fränzschky

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Eine Antwort auf „Kann Leistung niemals nutzen“ – Scott Redding gegen Superbikes auf der Straße

  1. Bernd

    Ein Superbike auf der Straße ist „nur“ die Freude an dem technisch machbaren, Sinn macht es nicht wirklich. Ich selbst fahre eine Fireblade von 97 und wenn man sich halbwegs gesittet benimmt, kommt man aus dem Standgas kaum raus.

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