Maverick Vinales - © GP-Fever.de

© GP-Fever.de – Maverick Vinales führt nun die WM-Tabelle an.

Drama in der MotoGP: Im Kampf um den Sieg stürzt Valentino Rossi (Yamaha) in der letzten Runde und scheidet aus, während Teamkollege Maverick Vinales die Ziellinie als Erster überquert.

Beide hatten sich auf den finalen Kilometern in Le Mans duelliert und gegenseitig in Fehler getrieben. Vom Ausfall Rossis profitierte nicht nur Vinales. MotoGP-Rookie Johann Zarco wurde dadurch auf Rang zwei vorgespült. Honda-Pilot Dani Pedrosa kam als Dritter in Ziel.

„Das ist einfach fantastisch! Es war ein gutes Rennen“, resümiert Zarco sein erstes MotoGP-Podium, und das auch noch bei seinem Heim-Grand-Prix. „Ich hatte einen guten Start. Schon von Anfang an habe ich mich stark gefühlt, vor allem beim Start und in der ersten Kurve. Ich habe versucht, das wieder abzurufen.“ Der Lokalmatador hatte in der ersten Schikane die Führung übernommen, während sich dahinter Vinales, Rossi und Marquez einsortierten.

Zarco nutzte den Vorteil der weichen Reifen, um ein paar Meter gutzumachen. Doch die Werkskollegen schlossen schnell auf, sobald ihre Medium-Pneus auf Temperatur kamen. In der Folge ging Vinales an Zarco vorbei. „Es war dann nicht einfach, hinter ihm zu bleiben“, gibt der Tech-3-Pilot zu. „Ich konnte dennoch eine gute Pace beibehalten. Ich konnte den Vorder- und Hinterreifen gut managen.“

Er hatte bereits in den Qualifying-Sessions bewiesen, dass er auf Soft-Reifen konstant schnelle Rundenzeiten fahren kann und tat dies auch im Rennen. Der Franzose blieb Vinales auf den Fersen, Rossi lauerte in Schlagdistanz. „Als er mich überholt hat, war er wirklich stark. Er hat Vinales sehr schnell eingeholt“, sagt Zarco. „Als sie dann gegeneinander gefahren sind, habe ich schon damit spekuliert, dass es ein harter Kampf werden würde – vielleicht auch ein Crash…“

Schon der dritte Platz wäre gut gewesen, beschwichtigt Franzose, aber die 20 Punkte für den zweiten Platz nehme er natürlich gerne mit – für sich und seine Fans in der Heimat: „Die Unterstützung war eine große Hilfe. Ich konnte die Marseillaise vor dem Start hören und dachte, vielleicht höre ich sie ja auch im Ziel. Aber auch der zweite Platz ist fantastisch. Ich werde jetzt weiterhin pushen, weil ich noch weitere Podien einfahren möchte.“

Auf ein Podium hatte in Le Mans auch Weltmeister Marc Marquez spekuliert. Doch bei noch elf zu fahrenden Runden war das Rennen für ihn vorbei, als er an gleicher Stelle wie am Samstag Jack Miller stürzte. Zum Glück kam Marquez deutlich glimpflicher davon und versuchte sogar weiterzufahren, musste sein Rennen jedoch aufgeben. Ein herber Rückschlag für den Spanier im Kampf um die WM, die nun wieder Vinales anführt.

Er bekam in den finalen Runden Gesellschaft von Yamaha-Star Rossi, der nach seinem erfolgreichen Überholmanöver an Zarco schnell zum Spitzenreiter aufschloss. Der Italiener ließ die Yamaha fliegen und fuhr eine schnellste Runde nach der anderen – entschlossen, sich den Sieg noch zu holen. Die drittletzte Runde nutzte der Doktor dann, um Vinales in der Schikane auszubremsen. Es kam zu Fehlern und weiteren Überholmanövern, bis zum folgenreichen Sturz.

„Das war einfach unglaublich! In der letzten Runde habe ich noch versucht zu pushen. Vale war auch auf hundert Prozent“, blickt der Spanier zurück. „Ich habe mich gut auf den dritten Sektor vorbereitet, weil ich da besonders schnell war. Ich habe dort versucht zu überholen. Ich habe gesehen, dass Vale einen Fehler gemacht hat, da ergriff ich meine Chance. Ich habe zweihundert Prozent gegeben, um wegzufahren. Schließlich wurde es nun der Sieg.“

Nach zwei „Desaster-Rennen“ in Austin und Jerez sei er nun froh, wieder ganz oben auf dem Treppchen angekommen zu sein. Und nicht nur dort, auch in der WM hat Vinales mit 85 Punkten wieder die Führung übernommen. Nach dem Nuller von Rossi hat er nun 17 Zähler Vorsprung auf den neuen Zweitplatzierten Pedrosa, der auf 68 Punkte kommt. Dem Spanier gelang in Le Mans eine sensationelle Aufholjagd von Startplatz 13 aus.

„Ich bin einfach super glücklich. Ich wusste beim Start, dass es sehr schwierig werden würde, im Mittelfeld durch die erste Schikane zu kommen“, sagt der Drittplazierte und erklärt: „Ich hatte viel Druck, um möglichst schnell viele Überholmanöver zu machen. Ich wusste, dass sich das Feld schon zu Beginn auseinanderziehen könnte. Ich war ziemlich aggressiv und bin gute Manöver gefahren. Später war ich mit der Pace zufrieden.“

Er weiß, dass er dabei auch Nutznießer des Ausfalls an der Spitze wurde: „Durch den Crash von Valentino hat er mir dieses nette Geschenk gemacht. Ich bin super happy, dass ich mich nach dem Qualifying gestern wieder so erholen konnte. Vielen Dank an mein Team und außerdem beste Wünsche und Grüße an Nicky (Hayden; Anm. d. R.) und seine Familie.“ Der Superbike-Pilot war in dieser Woche mit dem Rad verunglückt und wurde schwer verletzt.

Bester Ducati-Pilot am Sonntag wurde Andrea Dovizioso ein, der sich am Ende noch gegen Cal Crutchlow (LCR-Honda) durchsetzen konnte und Vierter wurde. Jorge Lorenzo (Ducati) kam vor Jonas Folger (Tech-3-Yamaha) als Sechster ins Ziel. Der Deutsche ärgerte sich über sein Rennen: „Es war wie immer. Am Anfang komme ich nicht vorwärts und zum Schluss fahre ich super Zeiten. Das ist ärgerlich, weil viel mehr drin wäre, als zum Schluss dabei rauskommt.“

Am ‚Eurosport‘-Mikrofon erklärt der Rookie: „Ich bin schon fast an Jorges Hinterreifen rangefahren und war kurz davor, dass ich ihn überhole. Dann habe ich mich leider verbremst, weil ich einfach zu viel wollte. Ich habe gewusst, dass ich vorbeifahren kann, und hab’s dann einfach übertrieben. Wir müssen noch analysieren, woran es liegt, dass ich in der ersten Rennhälfte so viel verliere. Wenn wir das in den Griff bekommen, dann können wir super starke Rennen fahren.“

Seinem Teamkollegen Zarco gratulierte er fair zum Podiumserfolg: „Wenn man so einen starken Teamkollegen hat, dann ist man noch ehrgeiziger und will noch weiter nach vorne kommen. Was da Johann momentan abliefert, das ist absoluter Wahnsinn. Das Problem ist halt, dass er das ganze Rennen in der ersten Rennhälfte macht. Da macht er schon alles gut und fährt seine Zeiten.“ Er sei ein „unglaublicher Racer und in Zweikämpfen unglaublich stark“.

Hinter Folger schaffte es Jack Miller (Marc-VDS-Honda) nach seinem schweren Sturz und trotz einiger Blessuren auf einen bemerkenswerten achten Platz. Loris Baz (Avintia-Ducati) und Andrea Iannone (Suzuki) komplettierten die Top 10. Die KTM-Piloten Pol Espargaro und Bradley Smith sammelten auf zwölf und 13 weitere WM-Punkte. Schlusslicht bilden Aprilia-Pilot Sam Lowes und Ersatzmann Sylvain Guintoli (Suzuki), der für Alex Rins einsprang.

Für die Ducati-Privatiers geriet das Rennenzum Desaster: Alvaro Bautista (Aspar-Ducati) stürzte bereits in Runde eins. Teamkollege Karel Abraham schied später mit technischen Problemen aus. Auch Scott Redding und Danilo Petrucci (Pramac-Ducati) sowie Hector Barbera (Avintia-Ducati) mussten aufgrund von Defekten frühzeitig aufgeben. Bitter: Aleix Espargaros Aprilia gab nur fünf Runden vor Schluss den Geist auf.

Ergebniss MotoGP 2017 Le Mans

1 25 25 Maverick VIÑALES SPA Movistar Yamaha MotoGP YAMAHA 43’29.793 161.6
2 20 5 Johann ZARCO FRA Monster Yamaha Tech 3 YAMAHA 43’32.927 161.4 3.134
3 16 26 Dani PEDROSA SPA Repsol Honda Team HONDA 43’37.510 161.1 7.717
4 13 4 Andrea DOVIZIOSO ITA Ducati Team DUCATI 43’41.016 160.9 11.223
5 11 35 Cal CRUTCHLOW GBR LCR Honda HONDA 43’43.312 160.8 13.519
6 10 99 Jorge LORENZO SPA Ducati Team DUCATI 43’53.795 160.1 24.002
7 9 94 Jonas FOLGER GER Monster Yamaha Tech 3 YAMAHA 43’55.526 160.0 25.733
8 8 43 Jack MILLER AUS EG 0,0 Marc VDS HONDA 44’02.396 159.6 32.603
9 7 76 Loris BAZ FRA Reale Avintia Racing DUCATI 44’15.577 158.8 45.784
10 6 29 Andrea IANNONE ITA Team SUZUKI ECSTAR SUZUKI 44’18.125 158.7 48.332
11 5 53 Tito RABAT SPA EG 0,0 Marc VDS HONDA 44’19.829 158.5 50.036
12 4 44 Pol ESPARGARO SPA Red Bull KTM Factory Racing KTM 44’22.454 158.4 52.661
13 3 38 Bradley SMITH GBR Red Bull KTM Factory Racing KTM 44’22.972 158.4 53.179
14 2 22 Sam LOWES GBR Aprilia Racing Team Gresini APRILIA 44’25.225 158.2 55.432
15 1 50 Sylvain GUINTOLI FRA Team SUZUKI ECSTAR SUZUKI 44’36.671 157.6 1’06.878
Not Classified
46 Valentino ROSSI ITA Movistar Yamaha MotoGP YAMAHA 41’57.076 161.6 1 lap
41 Aleix ESPARGARO SPA Aprilia Racing Team Gresini APRILIA 36’08.128 159.8 5 laps
93 Marc MARQUEZ SPA Repsol Honda Team HONDA 26’31.585 160.9 11 laps
9 Danilo PETRUCCI ITA OCTO Pramac Racing DUCATI 26’43.477 159.7 11 laps
45 Scott REDDING GBR OCTO Pramac Racing DUCATI 11’47.236 149.1 21 laps
17 Karel ABRAHAM CZE Pull&Bear Aspar Team DUCATI 8’17.534 151.4 23 laps
8 Hector BARBERA SPA Reale Avintia Racing DUCATI 4’54.098 153.6 25 laps

Text von Juliane Ziegengeist

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