Marc Marquez, Jonas Folger - © GP-Fever.de

© GP-Fever.de – Jonas Folger feiert beim Heimrennen sein erstes MotoGP-Podium

Jonas Folger schreibt auf dem Sachsenring MotoGP-Geschichte.

Der Deutsche duellierte sich mit Spezialist Marc Marquez bis zur letzten Rennrunde, konnte den Weltmeister jedoch nicht mehr schlagen. Er feiert vor knapp 80.000 heimischen Fans als erster Deutscher ein MotoGP-Podium auf dem Sachsenring – sein erstes Mal auf dem Treppchen.

Nach seinem zweiten Platz ist er völlig sprachlos. „Das war das geilste Rennen meines Lebens“, sprudelt es aus dem 23-Jährigen heraus. Marquez darf sich indes zum ersten Mal in dieser Saison über die WM-Führung freuen, Dani Pedrosa komplettiert das Podium auf Platz drei. Yamaha gelingt Schadensbegrenzung.

„Es war unglaublich. Schon in der zweiten Kurve hatte ich eine heftige Berührung mit Petrucci, das hat mich etwas aus dem Konzept gebracht“, schildert Folger im Gespräch mit ‚Eurosport‘. Der Tech-3-Rookie musste sich von Startplatz fünf nach vor kämpfen und duellierte sich mit Petrucci und Jorge Lorenzo auf den Ducatis. „Ich hatte einen super Start und meine Pace war gut.“ Der Yamaha-Pilot knallte eine schnellste Rennrunde um die andere in den deutschen Asphalt. In Runde fünf hatte er auch Pedrosa im Griff.

„Hinter Marc konnte ich mir viel abschauen“, schildert Folger. Er stürmte in Runde sechs mit einem starken Manöver in Kurve 12 sogar an die Spitze des Feldes und ließ Marquez hinter sich. Doch der Spanier agierte routiniert. „Schon zu Beginn war ich sehr schnell. Plötzlich sah ich, dass Jonas mich überholt“, schildert der 24-Jährige nach seinem achten Sachsenring-Erfolg. „Ich dachte, dass seine Pace einbrechen würde, aber so war es nicht. Ich bin dauernd 21er-Zeiten gefahren und habe gepusht.“

Fünf Runden lang hielt sich Folger tapfer in Führung, bevor Marquez die Spitze wieder übernahm. Er nutzte einen Fehler des unerfahrenen Rookies aus. „Leider habe ich mich in Kurve 1 etwas verbremst.“ Insgesamt drei Mal unterlief ihm dieser Fehler zu Beginn der Runde. Der Deutsche wurde von tausenden Fans angetrieben und konnte den Anschluss an die Werks-Honda wieder herstellen. Allerdings litten die Michelin-Pneus besonders darunter: „Ich wollte dann aufholen, habe dabei aber den Reifen auf der linken Flanke verheizt. Dann war es leider vorbei.“

Zwar konnte Folger bis zwei Runden vor Rennende an Marquez‘ Heck kleben, im Schlussspurt hatte er seine Körner jedoch bereits verbraucht. „Ich habe dann noch versucht hinzufahren, war dann aber permanent in Sturzgefahr. Ich bin einige Male ziemlich heftig weggerutscht. Dann wollte ich nur noch den zweiten Platz einfahren“, erzählt der Zweite erschöpft. „Ich dachte, dass er in den letzten Runden noch einmal angreifen wird“, äußert Marquez. „In den letzten Runden konnte ich aber dennoch etwas mehr Gas geben und zwei Zehntel herausfahren.“ Diese haben dem neuen WM-Führenden zum achten Triumph in Folge gereicht.

„Ich war mir sicher, dass ich um den Sieg fahren kann heute“, fühlte sich Folger stark bei seinem Heimrennen. „Schade, aber trotzdem ist der zweite Platz überragend. Es war bisher das geilste Rennen meines Lebens“, strahlt er. Marquez konnte einen Vorsprung von 3,3 Sekunden ins Ziel retten. Auch der Titelverteidiger hat allen Grund zur Freude: „Dass ich jetzt die WM anführe, konnte ich zuerst nicht glauben, weil ich bereits 37 Punkte hinten war.“

Vinales und Rossi gelingt Schadensbegrenzung
Teamkollege Dani Pedrosa fuhr ein einsames Rennen auf dem dritten Platz. Mit elf Sekunden Rückstand kam er ins Ziel. „Nach zwei Runden hatte ich plötzlich viel Spin auf der linken Seite. Die Temperatur in den Reifen war sehr hoch, das musste ich kontrollieren.“ Daher musste er sowohl Folger als auch Marquez ziehen lassen.

Während das Ergebnis für Honda kaum besser ausfallen hätte können, muss sich Yamaha über Schadensbegrenzung freuen. Maverick Vinales war zu Rennmitte der schnellste Mann auf der Strecke und pflügte von Startplatz elf noch auf den vierten Platz nach vorne. Auf das Podium fehlten ihm am Ende nur drei Zehntelsekunden. Im Paarlauf fuhren die blauen Bikes ins Ziel, denn Valentino Rossi kam hinter seinem Teamkollegen nur wenige Zehntelsekunden später ins Ziel. Beide konnten sich gegen die Ducatis, die Aprilia von Aleix Espargaro und die Honda von Cal Crutchlow durchsetzen.

Für Ducati verlief das Wochenende weniger zufriedenstellend. Als WM-Leader kam Andrea Dovizioso nach Deutschland, als WM-Dritter geht er in die Sommerpause. Schon im Qualifying lief es für den Italiener nicht nach Plan. Im Rennen musste er sich der Kunden-Ducati von Alvaro Bautista (6.) und der Aprilia von Aleix Espargaro (7.) geschlagen geben, nachdem er sich mit den Yamahas um den vierten Platz duellierte. Teamkollege Jorge Lorenzo konnte wie schon so oft zu Rennbeginn aufzeigen, er düste auf den dritten Platz nach vor. Der Spanier entschied sich als einziger für die weiche Reifenmischung und musste dafür den Preis zu Rennende zahlen. Lorenzo kam nur auf Rang elf ins Ziel.

WM: Top 4 innerhalb von zehn Punkten

Folger-Teamkollege Johann Zarco fuhr eine starke Aufholjagd von Startplatz 19 und stellte seine Yamaha noch auf Platz neun, noch vor LCR-Honda-Fahrer Cal Crutchlow. Großer Verlierer des Sonntags war außerdem Danilo Petrucci, der Pramac-Ducati-Pilot kam im Trockenen weniger gut zurecht und holte nur den zwölften Rang. WM-Punkte gab es außerdem für Pol Espargaro (13.), Bradley Smith (14.) und Jack Miller (15.). Kurios: Hector Barbera wurde mit der Schwarzen Flagge aus dem Rennen genommen, nachdem er eine Durchfahrtsstrafe für einen Frühstart nicht fristgerecht ausführte. Sam Lowes und Andrea Iannone konnten das Rennen aufgrund von Crashs ebenfalls nicht beenden.

In der Weltmeisterschaft liegt Marc Marquez nun fünf Zähler vor Maverick Vinales, Andrea Dovizioso fehlen außerdem nur sechs Punkte und Valentino Rossi liegt auf WM-Rang vier mit nur zehn Punkten Rückstand. Dani Pedrosa fehlen bereits 26 Zähler. Jonas Folger katapultierte sich mit seinem zweiten Platz nun auf WM-Rang sieben mit 71 Punkten – 13 weniger als Teamkollege Johann Zarco. Nun verabschiedet sich die MotoGP in die Sommerpause, der nächste Grand Prix findet am 6. August in Brünn statt.

Ergebnisse Rennen MotoGP 2017 Sachsenring

1 25 93 Marc MARQUEZ SPA Repsol Honda Team HONDA 40’59.525 161.1
2 20 94 Jonas FOLGER GER Monster Yamaha Tech 3 YAMAHA 41’02.835 160.9 3.310
3 16 26 Dani PEDROSA SPA Repsol Honda Team HONDA 41’11.071 160.4 11.546
4 13 25 Maverick VIÑALES SPA Movistar Yamaha MotoGP YAMAHA 41’13.778 160.2 14.253
5 11 46 Valentino ROSSI ITA Movistar Yamaha MotoGP YAMAHA 41’14.505 160.2 14.980
6 10 19 Alvaro BAUTISTA SPA Pull&Bear Aspar Team DUCATI 41’16.059 160.1 16.534
7 9 41 Aleix ESPARGARO SPA Aprilia Racing Team Gresini APRILIA 41’19.261 159.9 19.736
8 8 4 Andrea DOVIZIOSO ITA Ducati Team DUCATI 41’19.713 159.8 20.188
9 7 5 Johann ZARCO FRA Monster Yamaha Tech 3 YAMAHA 41’20.663 159.8 21.138
10 6 35 Cal CRUTCHLOW GBR LCR Honda HONDA 41’23.735 159.6 24.210
11 5 99 Jorge LORENZO SPA Ducati Team DUCATI 41’25.184 159.5 25.659
12 4 9 Danilo PETRUCCI ITA OCTO Pramac Racing DUCATI 41’31.065 159.1 31.540
13 3 44 Pol ESPARGARO SPA Red Bull KTM Factory Racing KTM 41’31.704 159.1 32.179
14 2 38 Bradley SMITH GBR Red Bull KTM Factory Racing KTM 41’35.978 158.8 36.453
15 1 43 Jack MILLER AUS EG 0,0 Marc VDS HONDA 41’37.296 158.7 37.771
16 36 Mika KALLIO FIN Red Bull KTM Factory Racing KTM 41’37.377 158.7 37.852
17 17 Karel ABRAHAM CZE Pull&Bear Aspar Team DUCATI 41’38.848 158.6 39.323
18 53 Tito RABAT SPA EG 0,0 Marc VDS HONDA 41’40.715 158.5 41.190
19 76 Loris BAZ FRA Reale Avintia Racing DUCATI 41’59.375 157.3 59.850
20 45 Scott REDDING GBR OCTO Pramac Racing DUCATI 42’01.189 157.2 1’01.664
21 42 Alex RINS SPA Team SUZUKI ECSTAR SUZUKI 42’01.220 157.2 1’01.695
Not Classified
29 Andrea IANNONE ITA Team SUZUKI ECSTAR SUZUKI 33’06.105 159.6 6 laps
22 Sam LOWES GBR Aprilia Racing Team Gresini APRILIA 16’39.370 158.6 18 laps

Text von Maria Reyer

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