Carmelo Ezpeleta - © Motorsport Images

© Motorsport Images – Carmelo Ezpeleta würde auch eine Superlizenz für die MotoGP befürworten

(Motorsport-Total.com) – Im vergangenen Jahr gab es in den Nachwuchsklassen des Motorradrennsports einige tödliche Unfälle.

Als erste Reaktion darauf wurde das Mindestalter in mehreren Nachwuchsserien angehoben. Ab 2023 muss ein Fahrer auch für die Moto3 und Moto2 mindestens 18 Jahre alt sein.

In Zukunft soll es weitere Maßnahmen geben, um den Sport sicherer zu machen. „Ich sage immer, dass wir viele Dinge tun müssen, um die Sicherheit zu verbessern“, sagt Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta in einem exklusiven Interview mit der italienischen Edition von ‚Motorsport.com‘.

„Wir sprechen über elektronische Vorrichtungen. Im Falle eines Sturzes sollen Lichter aufleuchten. Wenn so ein Lichtsignal eine halbe Sekunde früher kommt, kann das helfen, um solche Dinge in Zukunft zu verhindern“, spricht er Situationen an, wenn ein gestürzter Fahrer überrollt wird.

Das könnten LED-Lichter auf der Lederkombi, dem Motorrad und dem Helm sein. Es wird an verschiedenen technischen Möglichkeiten gearbeitet, damit nachfolgende Fahrer sofort gewarnt werden, wenn auf der Strecke kurz vor ihnen jemand gestürzt ist.

Härtere Strafen für mehr Disziplin
Mit der Anhebung des Mindestalters setzt man auch auf den Reifeprozess der Fahrer. Man geht davon aus, dass sich jemand mit 18 Jahren vernünftiger verhält als jemand mit 16 Jahren. Außerdem will man auch mit weiteren Maßnahmen für mehr Disziplin auf der Strecke sorgen.

„Wir sprechen auch mit der FIM über Strafen“, sagt Ezpeleta. „Das Ziel ist es, dass Manöver härter bestraft werden. Bei der ersten Strafe verstehen sie es vielleicht nicht, aber nach der zweiten oder dritten Strafe ändert ein Fahrer vielleicht seine Herangehensweise.“

„Wir arbeiten auch an den Tracklimits, denn das kann auch eine Rolle spielen, wenn alle normaler fahren und weniger Risiko nehmen.“ Mit diesen Maßnahmen versuchen FIM und Dorna etwas zu unternehmen, damit es speziell in den großen Gruppenrennen der Moto3 gesitteter zugeht.

Ezpeleta weiß aber auch: „Der Motorradrennsport kann nie zu 100 Prozent sicher sein, denn ein Restrisiko bleibt immer. Aber wir glauben, dass das die Richtung ist, in die wir arbeiten müssen.“ Die Fahrer diskutieren an jedem Wochenende in der Sicherheitskommission.

Nun nehmen viele Fahrer an der Sicherheitskommission teil
Über viele Jahre wurde dieses Gremium etwas „vernachlässigt“, denn meistens gingen nur eine Handvoll MotoGP-Fahrer hin. In der Regel waren es die gleichen Namen, die dort waren. Das hat sich im vergangenen Jahr geändert. Nun sind regelmäßig fast alle dort.

Andrea Dovizioso merkte jüngst an, dass das auch problematisch ist, da es schwieriger geworden ist, Kompromisse zu finden. Wie schätzt das Ezpeleta ein? „Ich möchte so viele Fahrer wie möglich in der Sicherheitskommission sehen.“

„Ich habe großen Respekt vor Andrea und stimme zu, dass es schwieriger sein kann, Kompromisse zu finden, die allen passen. Aber ich finde, es ist trotzdem besser, wenn alle Fahrer dabei sind.“ In Bezug auf die Fahrer könnte es abgesehen vom Mindestalter bald noch eine weitere Vorschrift geben.

Es wurde bereits darüber diskutiert, ob für die MotoGP eine Superlizenz eingeführt werden könnte – ähnlich wie es sie in der Formel 1 gibt. Dann müsste ein Fahrer in unteren Klassen in einem gewissen Zeitraum bestimmte Ergebnisse aufweisen, um MotoGP fahren zu dürfen.

„Persönlich stimme ich dem zu“, hält Ezpeleta fest. „Aber das müssen wir in der Grand-Prix-Kommission besprechen. Wenn wir die richtigen Parameter finden, dann glaube ich, dass eine Superlizenz auch für die MotoGP notwendig ist.“ In der GP-Kommission sitzen Vertreter von Dorna, FIM, der Herstellervereinigung MSMA und der Teamvereinigung IRTA.

Text von Gerald Dirnbeck, Co-Autor: Matteo Nugnes

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