Pedro Acosta - © Motorsport Images

© Motorsport Images – „El Tiburon“: Pedro Acostas Markenzeichen ist der Hai

(Motorsport-Total.com) – Pedro Acosta ist und bleibt im positiven Sinne die große Überraschung der noch jungen MotoGP-Saison 2024.

Im Amerika-Grand-Prix am Sonntag auf dem Circuit of The Americas in Austin kämpfte der 19-jährige Rookie in Diensten von Tech3-GasGas in der absoluten Spitzengruppe mit. In sechs der 20 Runden führte er das Feld sogar an.

Im Qualifying am Samstagvormittag hatte Acosta den zweiten Platz herausgefahren. Und nachdem er im Sprint am Samstagnachmittag auf dem Weg zum dritten Platz jede Menge gelernt hat, ging er tags darauf im Grand Prix direkt dazu über, das Gelernte umzusetzen.

Ins Ziel kam Acosta am Sonntag auf dem zweiten Platz, was eine persönliche Bestleistung ist. Vor drei Wochen in Portimao war er als Dritter erstmals auf das Podium gefahren. Zwei Wochen davor war er in Lusail bei seinem MotoGP-Debüt direkt Neunter geworden und hatte die schnellste Runde markiert.

Der Aufwärtstrend, den der noch nicht mal 20-jährige Spanier in seiner ersten MotoGP-Saison an den Tag legt, scheint keine Grenzen zu kennen. Aber er bleibt sich treu und ordnet auch den Erfolg vom Sonntag in Austin einmal mehr ganz rational ein.

„Als ich in Führung lag, da war es mehr oder weniger das Gleiche wie sonst auch“, sagt Acosta nach dem Rennen. „Ich habe versucht, auf meine Reifen aufzupassen. Im Sprint ist mir das nicht so gut gelungen und Jorge kam an mir vorbei. Diesmal habe ich einfach versucht, ruhig zu bleiben und nichts Verrücktes zu machen.“

Der von Acosta angesprochene MotoGP-Tabellenführer Jorge Martin kam auch im Grand Prix wieder am Rookie vorbei, kam anders als im Sprint diesmal aber nicht vor ihm ins Ziel. Denn während Acosta am Sonntag Zweiter wurde, belegte Martin nach 20 Runden „nur“ den vierten Platz.

Erste Führungsrunden und mehr
Die Führung übernahm Acosta im Grand Prix am Sonntag direkt auf den ersten Metern. Dabei kam es ihm entgegen, dass Polesetter Maverick Vinales (Aprilia) nicht optimal von der Linie wegkam. Im Startgetümmel der ersten Kurve wurde Vinales auch noch abgedrängt, aber da war Acosta schon an ihm vorbei. Was folgte, das waren für Acosta gleich mehrere Meilensteine.

Die ersten drei Führungsrunden als MotoGP-Pilot; ein Verbremser in Kurve 11 der vierten Runde, der ihn auf den vierten Rang zurückwarf; Überholmanöver an Marc Marquez (bei Start/Ziel), an Francesco Bagnaia (in Kurve 1) und an Jorge Martin (in Kurve 11), um abermals in Führung zu gehen; ein kurzes Duell mit Marquez, bevor der in Führung liegend stürzte; die Erkenntnis, dass gegen Maverick Vinales nichts auszurichten war; und schließlich mit P2 das bisher beste Ergebnis seiner noch jungen Karriere in der Königsklasse.

„Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich dieses Rennen genossen habe. Seit meiner Moto3-Zeit hatte ich nicht mehr so viel Spaß beim Überholen, beim Sliden in den Kurven, bei den Zweikämpfen mit anderen Fahrern“, strahlt Acosta und bekennt: „Ich bin wirklich extrem glücklich, wie dieses Wochenende gelaufen ist und wie wir im Team gearbeitet haben.“

Viel Lob für Maverick Vinales und Marc Marquez
Bei Halbzeit der 20-Runden-Distanz führte Acosta vor keinem Geringeren als dem siebenmaligen Austin-Sieger Marc Marquez. Der überholte ihn in der elften Runde in Kurve 1, um seinerseits erstmals in dieser Saison ein Rennen anzuführen. Allerdings stürzte Marquez nur eine halbe Runde später beim Anbremsen von Kurve 11: der Haarnadel vor der langen Gegengerade. Seine Erklärung: An der Ducati Desmosedici GP23 des Gresini-Teams gab es ein Bremsproblem.

So war es doch wieder Acosta, der das Rennen anführte. Und in der zweiten Rennhälfte musste sich er Rookie einzig der rasanten Gangart von Maverick Vinales geschlagen geben. Der Aprilia-Pilot war nach seinem suboptimalen Start und einer Berührung mit Francesco Bagnaia in Kurve 1 (die durch Jorge Martin ausgelöst wurde) nur als Elfter aus der ersten Runde zurückgekommen. Dann aber zeigte Vinales eine beeindruckende Aufholjagd, die er mit seinem ersten Grand-Prix-Sieg in Aprilia-Diensten und einem Kapitel MotoGP-Geschichte krönte.

Und Acosta? „Maverick war heute eine Rakete. Überhaupt war er uns an diesem Wochenende einen Schritt voraus“, zollt er dem Sieger von sowohl Sprint als auch Grand Prix in Austin Respekt. Und auch für den siebenmaligen Austin-Sieger Marc Marquez, mit dem er sich bei Halbzeit des Rennens um die Spitzenposition duellierte, kurz bevor Marquez in Führung liegend mit Sturz ausschied, hat der Rookie lobende Worte parat.

„Das Manöver, mit dem er mich [in Kurve 1] überholt hat, war ganz sauber. Es hat richtig Spaß gemacht, mit den Jungs zu kämpfen. Auch von Marc habe ich viel gelernt. Er ist ein extrem talentierter Junge. Ich darf mich mehr als glücklich schätzen, Duelle mit ihm austragen zu können“, so Acosta.

Zusammenfassend spricht der 19-jährige Spanier nach dem Austin-Rennen von „einem derjenigen Rennen in meinem Leben, die ich am meisten genossen habe. Auch, wenn ich es nicht gewonnen habe, hat es heute einfach vom Start weg richtig Spaß gemacht. Ich habe es, wie das gesamte Wochenende, wirklich genossen“.

Acosta bleibt sich treu: Trockene Sichtweise auf die Dinge
Die Tatsache, dass nicht er, sondern der an diesem Wochenende im Qualifying, im Sprint und im Grand Prix auf P1 abgeschlossene Maverick Vinales der Sieger des Amerika-Grand-Prix 2024 ist, die kommentiert Acosta ebenso trocken wie selbstbewusst mit den Worten: „Heute war nicht mein Tag.“

Und auch die Tatsache, dass er nach gerade mal drei bestrittenen Rennwochenenden in der Königsklasse schon Vierter der MotoGP-Gesamtwertung 2024 ist, kommentiert Acosta so, wie es seine Art ist, nämlich ganz rational. „Ich denke jetzt an Jerez“, spricht er auf das nächste Rennen im MotoGP-Kalender 2024 an, das noch dazu sein erstes Heimspiel als Fahrer in der Königsklasse wird.

„An die Weltmeisterschaft“, so Acosta weiter, „denke ich jetzt überhaupt nicht. Die Leute, die darüber eine Geschichte schreiben, erzeugen doch nur Druck. Ich kann nur sagen, dass ich mich auf dem Motorrad, im Team, in der Gruppe von Pierer Mobility richtig wohl fühle. Diesen Moment sollten wir genießen. Falls wir tatsächlich um den Titel mitkämpfen können, dann gerne. Die Priorität ist das zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht“.

Und ganz nebenbei merkt Acosta noch an: „Mit der Abstimmung des Motorrads haben wir uns bis jetzt noch gar nicht groß befasst. Ich fahre noch immer mit derselben Basisabstimmung wie beim ersten Test in Valencia [im November 2023]. Zum jetzigen Zeitpunkt konzentriere ich mich einfach darauf, wie ich das Bike fahren muss. Die Fahrweise ist einfach eine ganz andere als sie es in der Moto2-Klasse mit den Dunlop-Reifen war. Wo das Limit dieses Motorrads liegt, das kann ich noch gar nicht sagen.“

Text von Mario Fritzsche

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