MotoGP-Fahrer - © Motorsport Images

© Motorsport Images – Die MotoGP-Fahrer machten sinkende Gehälter zum Thema

(Motorsport-Total.com) – Motorradrennfahrer zählen nicht zu den bestbezahlten Sportlern weltweit, obwohl sie bei Geschwindigkeiten von mehr als 300 km/h ihr Leben riskieren.

In der jüngsten publizierten Forbes-Liste mit den bestbezahlten Athleten ist Fußballstar Lionel Messi mit einem geschätzten Jahresverdienst von 130 Millionen US-Dollar der Spitzenverdiener.

In den Top 50 befinden sich keine Motorradrennfahrer, aber zwei Formel-1-Stars. Lewis Hamilton soll geschätzte 65 Millionen US-Dollar verdienen (Platz 17) und Max Verstappen 48 Millionen US-Dollar (Platz 27).

Marc Marquez ist der Topverdiener der MotoGP. Von Honda soll er geschätzte 15 Millionen Euro Jahresgehalt (exklusive Boni und Zusatzeinnahmen durch Werbepartner) bekommen. Der Großteil der Fahrer erhält im Vergleich zu anderen Topsportarten nur „Peanuts“. Beim Grand Prix von Frankreich war das auch Thema in der Sicherheitskommission.

Die Fahrer brachten das auf den Tisch und bekundeten ihre Sorge, dass die Fahrergehälter auch in der MotoGP im Vergleich zu vor der Corona-Pandemie geringer werden. In den kleinen Klassen ist die Situation prekärer. Es gibt auch Fahrer, die Geld mitbringen müssen.

Zur Sprache kam auch die Situation von Romano Fenati, der in der Moto2 von Luca Boscoscuro nach sechs Rennen gefeuert worden ist. „Die meisten Fahrer, vor allem in der Moto3 und Moto2, sind komplett wehrlos, wenn die Teams die Verträge brechen.“

„In der Sicherheitskommission haben wir den Fall von Fenati mit Carmelo [Ezpeleta] diskutiert“, verrät ein Teilnehmer des Meetings, der anonym bleiben möchte. „Wenn ein Team einen Fahrer feuern möchte, dann tun sie es. Will ein Fahrer gehen, kann er das nicht.“

Fahrer sind die „Clowns der Show“
Schließlich ging es auch um die finanziellen Rahmenbedingungen. Ein anderer Teilnehmer sagt: „Als Fabio Quartararo in die MotoGP kam, erhielt er 80.000 Euro. Das ist der Bereich, den viele Fahrer derzeit verdienen.“

Ezpeleta soll Verständnis gezeigt haben. Aber der angekündigte Ausstieg von Suzuki verdeutlicht die derzeit generell wirtschaftlich schwierigen Zeiten in der Fahrzeugindustrie. Das Betrifft den Vierrad- und Zweiradsektor. Dazu kommt die derzeit hohe Inflation.

Ein Teilnehmer der Sicherheitskommission meint: „Die MotoGP ist eine große Show und großes Business. Es ist viel Geld involviert. Die Fahrer sind die Clowns der Show. Wir verstehen die gegenwärtige Situation, aber wir können nicht gratis fahren.“

Einige Fahrer bekommen für 2023 weniger als bisher geboten
Das ist auch ein großes Thema bei den Vertragsverlängerungen für das nächste Jahr. Aprilia hat zum Beispiel Aleix Espargaro im ersten Angebot einen Entwurf vorgelegt, bei dem er weniger als aktuell verdienen würde. „Ich habe oft gesagt, dass ich gerne bei Aprilia bleiben würde“, so der Spanier.

„Ich verstehe aber nicht, was gerade [hinter den Kulissen] vor sich geht. Ich kann nur sagen, dass mich die Situation mittlerweile von Rennen zu Rennen ein bisschen trauriger macht. Kontrollieren kann ich sie aber nicht. Es ist wie es ist. Aber eines ist auch klar: Ich werde nicht ewig warten.“

Suzuki befand sich vor der Ankündigung des Ausstiegs in Verhandlungen mit beiden Fahrern. Joan Mir soll für die kommenden beiden Jahre nur noch ein Drittel seines gegenwärtigen Gehalts geboten worden sein.

Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta hört aufmerksam zu
„Meiner Meinung nach“, hält Routinier Andrea Dovizioso fest, „war es gut, dass wir darüber in der Sicherheitskommission gesprochen haben. Es war gut, dass Carmelo und Carlos [Ezpeleta] dabei waren und zugehört haben, wenn wir über solche Dinge sprechen.“

„Sie hören in solchen Situationen zu und wollen Vorschläge machen. Klar, in einer Sicherheitskommission wird keine Entscheidung getroffen, aber einige Meinungen wurden in Betracht gezogen.“

„Niemand hat eine Lösung dafür, aber es kamen gute Ideen auf den Tisch. Es wird Zeit brauchen, bis etwas passiert, aber meiner Meinung nach wird versucht werden, ob man gewisse Dinge nicht anders handhaben kann. Zumindest wurde die Situation zum ersten Mal thematisiert.“

Ist ein Mindestgehalt eine Lösung?
Besprochen wurde auch ein Mindestgehalt, wobei MotoGP-Promoter Dorna den Fahrern einen Zuschuss bezahlt. „Wir haben über ein Mindestgehalt gesprochen, weil es die Werke nicht betreffen würde“, berichtet Aleix Espargaro.

„Die Werksfahrer stehen darüber. Aber in den Privatteams riskieren die Fahrer genauso ihr Leben. Man muss Respekt haben. Alle waren in der Sicherheitskommission verärgert, weil in der Moto2 ein Fahrer gefeuert worden ist. Es sieht so aus, als wären wir nicht beschützt.“

„Wenn man als Fahrer seinen Vertrag beendet, kann man nicht in ein anders Team wechseln, weil man noch unter Vertrag steht. Aber die Teams können machen was sie wollen. Das ist nicht fair. Die Teams haben eine Vereinigung, die sie schützt. Wir haben das nicht. Das ist nicht fair.“

Damit spricht der Aprilia-Fahrer die Teamvereinigung IRTA an. In der Formel 1 gibt es die Fahrervereinigung GPDA. In der Motorrad-WM gibt es das nicht. Gesprochen wird darüber schon seit Jahren, passiert ist aber nichts. Ausgeschlossen ist eine Fahrervereinigung in Zukunft aber nicht.

„Wir hatten nie eine Führungsfigur, die genug Macht hat, um eine Fahrervereinigung zu gründen“, findet Pol Espargaro. „Die richtige Person dafür wäre Valentino Rossi gewesen. Es wurde oft darüber gesprochen, aber er hat nie den Schritt gemacht, um dieses Thema voranzubringen.“

Text von Gerald Dirnbeck, Co-Autor: German Garcia Casanova

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