Pol Espargaro - © Motorsport Images

© Motorsport Images – Der Hinterreifen hat vor allem für die Honda-Fahrer nicht funktioniert

(Motorsport-Total.com) – Die Entscheidung von Michelin, zum ersten MotoGP-Wochenende in Mandalika am Hinterrad auf eine steifere Karkasse umzurüsten, statt die 2022er-Standardreifen zu verwenden, wirbelte das Feld der Königsklasse gehörig durcheinander.

Honda, im Test die Messlatte, litt am meisten unter der Last-Minute-Änderung.

Pol Espargaro, der den Vorsaisontest im Februar als Schnellster geschlossen hatte, ging mit Michelin hart ins Gericht. Der Spanier sah sich um die wertvolle Testarbeit betrogen, sprach von „unfairem“ Verhalten und sah auch die Verantwortung für die Stürze seines Teamkollegen Marc Marquez bei Michelin.

Doch Piero Taramasso, Zweirad-Manager des Reifenherstellers, rechtfertigt die Entscheidung. „Nach den Tests im Februar war klar, dass die Standardreifen das Rennen nicht überstehen würden, weil die Temperaturen so hoch waren und sie keine 27 Runden durchhalten würden“, erklärt er nach dem jüngsten Rennwochenende.

Michelin hatte wegen der Hitze keine andere Wahl
„Die Strecke ist sowohl für die Vorder- als auch für die Hinterreifen sehr anstrengend, denn sie ist eine Mischung aus hohen Geschwindigkeiten, neuem Asphalt und sehr hohen Asphalttemperaturen, die nahe bei oder über 60 Grad Celsius liegen. Die einzige Möglichkeit war, das Karkassenmodell zu ändern, denn ein Wechsel der Mischungen hätte nicht ausgereicht, um die Temperatur um 15-20 Grad zu senken.“

Man habe deshalb diese Art von Karkasse für hohe Temperaturen mit den gleichen Mischungen eingeführt, die die Fahrer bei den Tests hatten. „Die Karkasse wurde bereits 2017 und 2018 eingesetzt, sodass die Teams ihre Eigenschaften bereits kannten.“

„Es ist logisch, dass es ein anderer Reifen ist als der, den wir bei den Tests eingesetzt haben, denn er bietet etwas weniger Grip, aber auch etwas mehr Stabilität“, sagt Taramasso und betont: „Am Ende war die Leistung die gleiche wie beim Test, denn Fabio Quartararos Pole-Zeit war die gleiche wie am dritten Tag des Tests.“

MotoGP-Teams müssen sich an Reifen anpassen
Dafür sei aber freilich auch eine gewisse Anpassungsfähigkeit der Teams notwendig gewesen: „Wenn sich die Eigenschaften ändern, muss man logischerweise am Motorrad, an der Federung und an der Elektronik arbeiten und den Fahrstil anpassen, um die gleiche Leistung zu erzielen. Es sind nicht nur die Reifen.“

„Es gibt viele Elemente, die zu einer guten Leistung führen. Heutzutage gibt es leider keine Reifen mehr, die man aufziehen kann und mit denen man vorne liegt, ohne irgendetwas an der Einstellung zu verändern. Viele Leute denken, dass es so ist, aber leider ist es nicht so. Man muss hart arbeiten, um es zu erreichen.“

Die Meisten hätten sich im Laufe des Wochenendes in Mandalika dann auch gut anpassen können, meint der Michelin-Verantwortliche. Beschwerden habe es kaum gegeben: „Ehrlich gesagt, hat sich niemand von den technischen Mitarbeitern, die die Daten und Merkmale wirklich kennen, beschwert. Sie waren sich der Situation bewusst, bevor sie zum Rennen kamen, und sie haben sich nicht beschwert.“

Taramasso: Sicherheit geht immer vor Leistung
„Dann gibt es noch eine kleine Minderheit von Leuten, die sich beschwert haben“, merkt Taramasso an. „Aber wahrscheinlich haben sie die technischen Entscheidungen nicht verstanden oder waren bei den Tests nicht anwesend. Wir sind aber immer bereit, ihnen diese Dinge zu erklären, auch wenn sie die Daten schon haben.“

Die Entscheidung, hinten auf eine härtere Konstruktion zu wechseln, habe sich am Ende jedenfalls bewährt: „Jetzt haben wir die Daten vom Wochenende, und es ist klar, dass es kein Problem gab, es ging nur darum, die richtige Einstellung zu finden.“ Und noch eine Sache will Taramasso nach dem Wochenende klarstellen.

„Ich habe gehört, dass die Leute über Reifen von vor vier oder fünf Jahren gesprochen haben, aber das ist nicht der Fall: Es handelte sich um eine Bauart, die wir schon vorher verwendet hatten, aber die Mischungen waren die gleichen wie im Test“, so der Experte.

„Heute haben wir vier Karkassenmodelle in unserem Sortiment, zwei Standardmodelle und zwei, die für hohe Temperaturen ausgelegt sind. Und wir werden diese beiden verwenden, wenn wir der Meinung sind, dass es notwendig ist, den Fahrern mehr Sicherheit zu bieten, denn für uns kommt Sicherheit vor Leistung.“

Text von Juliane Ziegengeist, Co-Autor: Matteo Nugnes

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