Andrea Dovizioso - © Ducati

© Ducati – Andrea Dovizioso und Gigi Dall’Igna feiern die Erfolge von Mugello und Barcelona

Andrea Dovizioso ist in der MotoGP-Saison 2017 der Mann der Stunde. Schon mit seiner fehlerfreien Fahrt in Mugello trumpfte er auf, doch dass er auch in Barcelona triumphieren könnte, damit rechneten die wenigsten.

Auch nicht die Honda-Piloten Marc Marquez und Dani Pedrosa, die vom Italiener auf die Plätze zwei und drei verwiesen wurden. Die Siege des Routiniers bringen frischen Wind in die Weltmeisterschaft. Maverick Vinales‘ Vorsprung schrumpfte auf sieben Punkte.

„Ich glaube, dass wir großes Potenzial haben, um um die Meisterschaft zu kämpfen“, lässt Dovizioso aufhorchen. Doch der 31-Jährige beschreibt sich selbst als Realist und möchte daher nicht in Euphorie ausbrechen. „Jedes Wochenende ist eine komplett andere Geschichte. Niemand weiß, was die Zukunft bringt – besonders in diesem Jahr. Ich mache mir daher also keinen Druck wegen der Meisterschaft, ich achte gar nicht darauf.“

Er möchte sich nur auf die Entwicklung seiner Desmosedici fokussieren. „Wir haben noch immer die gleichen Probleme, wie in Le Mans, wo wir elf Sekunden verloren haben.“ Dennoch ging seit dem Frankreich-Grand-Prix der Knopf auf: Von 31 Punkten Rückstand und nur WM-Rang sechs katapultierte sich Dovizioso mit dem Doppelpack in Mugello und Barcelona auf die erste Verfolgerposition und knappen sieben Punkten Rückstand.

Dovizioso: Barcelona „hat nicht die Realität abgebildet“
„Ich möchte mich in diesem Moment nicht beschweren, aber wir müssen uns in ein paar Bereichen immer noch verbessern. Niemand konnte pushen, weil man keinen Grip auf dem Reifen hatte. Ich hatte auf der Geraden einen Vorteil durch den stärkeren Motor. Dieses Rennen hat also nicht die Realität abgebildet“, analysiert er den Katalonien-Grand-Prix. Die Ducati habe nach wie vor Probleme beim Umlegen. „Ich möchte daher nicht negativ klingen, aber ich bin realistisch und kenne Ducati sehr gut. Wenn wir um die Meisterschaft kämpfen wollen, müssen wir ein paar Dinge verbessern.“

In Jerez betrug sein bislang größter Rückstand im Rennen 22 Sekunden. „So kannst du nicht um die Meisterschaft kämpfen, weil die Gegner zu stark sind. Die Bikes, aber vor allem die Piloten.“ Der Italiener will auch nicht über das kommende Rennen in Assen nachdenken. „Ich habe auch hier nicht erwartet, schnell zu sein, und habe gewonnen. Ich bin sehr entspannt, weil ich das Bike verstehe und es einfach für mich ist, das Potenzial des Bikes auszuschöpfen. Ich möchte es aber weiterhin verbessern, damit wir jedes Wochenende konkurrenzfähig sein können.“

Während sich Dovizioso selbst nicht unbedingt als WM-Favorit sieht, hat die Konkurrenz eine andere Meinung. Marc Marquez liegt derzeit auf dem dritten WM-Rang, ihm fehlen bereits 23 Punkte auf Vinales. Er glaubt, dass der Ducati-Fahrer „definitiv“ ein WM-Anwärter sei. „Er ist schnell. Mal sehen, wie er in Assen oder auf dem Sachsenring zurechtkommt. Das sind komplett andere Strecken. Andererseits wissen wir, dass er in Österreich und Brünn schnell sein kann. Im Moment sind zwei Fahrer an der Spitze in der Meisterschaft. Das sind sie, weil sie besser waren als wir.“

Fünf Fahrer innerhalb von 28 Punkten
Marquez musste bereits zwei Ausfälle verkraften und fuhr erst drei Mal auf das Podium. Nur 2015 erwischte er einen schlechteren Saisonstart mit zwei Podestplätzen in den ersten sieben Rennen. Teamkollege Dani Pedrosa stimmt dem 24-Jährigen zu. „Dovi hat viel Erfahrung, er kennt das Bike und fährt sehr gut. Er kann die Maschine in jedem Rennen gut platzieren. Seine Konstanz war schon immer stark und jetzt hat er auch noch zwei Rennen in Folge gewonnen. Natürlich ist er ein Anwärter.“

Pedrosa durfte sich nach seinem Sieg in Jerez nur kurzzeitig über den zweiten Platz in der Tabelle freuen. Er ist mittlerweile auf den vierten Rang zurückgefallen. Dennoch liegen die ersten fünf Fahrer innerhalb von 28 Punkten. „Die Weltmeisterschaft ist sehr instabil und bewegt sich jedes Wochenende. Honda und Yamaha haben mehr Probleme, Ducati ist etwas konstanter. Sie machen daher einiges richtig.“

Völlig abgestürzt in der WM-Wertung ist Valentino Rossi. War er in Jerez noch am Platz an der Sonne, muss er auf der fünften Position aufpassen, dass er nicht den Anschluss verliert. Wie schon in Jerez kam der Yamaha-Superstar überhaupt nicht mit den Bedingungen in Barcelona klar. Am Ende rettete er einen achten Platz ins Ziel. „Es war gut, einige Punkte mitzunehmen, aber es ist schade, dass ich in der WM zwei Positionen eingebüßt habe. Trotzdem liegen alle noch eng beisammen. Fünf Fahrer sind innerhalb von 28 Punkten. Zarco und Lorenzo sind auch nicht zu weit weg.“

Lorenzo: MotoGP 2017 „wirklich verrückt“
Rossis Ex-Teamkollege, der in Barcelona erstmals aus der ersten Startreihe losfuhr und das Rennen kurzzeitig anführen konnte, bringt Dovizioso Respekt entgegen. Auch für Jorge Lorenzo ist er ein potenzieller Titelkandidat: „Dovi ist ein cleverer Kerl auf dem Bike. Er stürzt nicht oft und nutzt all seine Erfahrung, um das Maximum auszuschöpfen. Wenn er die Möglichkeit hat, dann gewinnt er. Warum also nicht?“

Er selbst liegt mit 52 Punkten bereits weit zurück. „Die MotoGP ist in diesem Jahr wirklich verrückt. Alles kann passieren, auch viele Fehler und Stürze.“ Für ihn sei es sehr schwierig. „Ich müsste so viele Rennen am Stück gewinnen. Das wird kaum passieren, aber unser Potenzial ist viel höher, als wir im Moment zeigen.“ Zumindest in einer Ducati-Garagenhälfte…

Text von Maria Reyer & David Emmett

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