Jonas Folger - © GP-Fever.de

© GP-Fever.de – Jonas Folger steht vor dem größten Schritt in seiner Karriere

Jonas Folger hat den Aufstieg in die MotoGP geschafft. Im Tech-3-Yamaha-Team wird der Deutsche ab der kommenden Saison zur Weltelite zählen.

Im November absolvierte er die ersten Tests in Valencia (Spanien) und Sepang (Malaysia). Fand der erste Test noch in der Öffentlichkeit statt, war Sepang ein Privattest von Yamaha.

Rundenzeiten wurden keine veröffentlicht, aber Folger ist mit der Arbeit sehr zufrieden. Im exklusiven Interview mit ‚Motorsport-Total.com‘ schildert der deutsche Hoffnungsträger seine Eindrücke auf der Yamaha M1.

Frage: „Jonas, wie verbringst du die Tage nach der langen Saison? Spürt man die Anstrengung in den Knochen?“
Jonas Folger: „Nach so einer langen Saison ist man schon etwas geschafft. Ich hatte jetzt auch noch die MotoGP-Tests in Valencia und Malaysia. Jetzt war ich schon froh, dass ich daheim eine Woche für mich gehabt habe.“

Frage: „Du hast deinen letzten Test in Sepang angesprochen. Man sagt oft, dass ein MotoGP-Rookie in Valencia relativ einfach schnell sein kann, aber Sepang eine andere Welt ist, weil die Strecke breiter und schneller ist. Wie ist es dir gegangen?“
Folger: „In Malaysia war ich ähnlich stark wie in Valencia, eigentlich sogar noch besser. Es hat sehr viel Spaß gemacht und ich konnte viel lernen, weil die Strecke ganz anders ist. Valencia ist für die GP eine sehr enge Strecke. Malaysia hat einen ganz anderen Charakter, man merkt dort noch deutlicher den Unterschied zur Moto2. Es ist von der Geschwindigkeit viel extremer.“

„Man muss sagen, dass es richtig gute Testtage waren. Ich konnte fahrerisch viel lernen. Wir haben beim Setup schon viel erreicht und konnten das Motorrad schon gut auf mich abstimmen. Wir waren alle sehr zufrieden. Es war gut für mein Selbstvertrauen und auch für das Team, denn sie konnten sehen, das es richtig gut war.“

Frage: „Orientierst du dich bei der Abstimmung an den Daten von Pol Espargaro und Bradley Smith, oder gehst du einen eigenen Weg?“
Folger: „Wir gehen unseren eigenen Weg. Pol war bei der Abstimmung sehr extrem. Er hatte eine komplett andere Richtung eingeschlagen als die anderen Yamaha-Fahrer. Wir sind ziemlich nahe am Motorrad von Valentino und Maverick dran. Bei der Geometrie und der Abstimmung gibt es keine großen Unterschiede. Pol war da sehr speziell, und das hat nicht funktioniert.“

Michelin-Reifen besser als Moto2-Dunlop
Frage: „Eine große Umstellung sind sicher die Elektronik und die Reifen. Hast du ein gutes Gefühl für Michelin und wie ist es mit der Elektronik, die ja viel extremer als in der Moto2 ist?“
Folger: „Viele Fahrer haben mir gesagt, dass ich auf die Reifen aufpassen muss und sie schwierig zu fahren sind. Aber wenn man von der Moto2 und Dunlop kommt, dann sind die Michelin-Reifen um Welten besser. Da hat man es eher leichter, mit den Reifen hatte ich gar keine Probleme. Man hat mehr Grip und kann später bremsen. Der ganze Reifen ist besser als ein Moto2-Reifen. Das macht alles viel leichter, weil ich in der Moto2 immer Probleme mit den Reifen hatte, die ich jetzt nicht mehr habe. Wir sind viele Runden mit gebrauchten Reifen gefahren und die Pace war gut.“

„Die Elektronik war auch von der Arbeitsweise eigentlich die größte Umstellung. Man stellt mehr an der Elektronik ein als am Fahrwerk. Ich habe ein sehr gutes Vertrauen zur Elektronik. Es war richtig gut, dass wir in Malaysia waren, weil ich dort ein richtiges Gefühl dafür bekommen habe. Dort habe ich auch unter dem Fahren ein zweites Mapping eingestellt, wenn der Reifen abbaut. Es war eine gute Erfahrung. Die Elektronik hilft den GP-Fahrern auch ziemlich viel, weil du jede Kurve anders einstellen kannst. Du kannst aus jeder Kurve mehr oder weniger Leistung freigeben. Das macht es viel fahrbarer.“

Frage: „Dein Teamkollege ist zweifacher Weltmeister und ein Franzose in einem französischen Team. Kann das für dich ein Nachteil werden?“
Folger: „Ich denke nicht, dass das einen großen Unterschied macht. Ich komme mit meiner Crew gut zurecht. Bis jetzt haben wir gesehen, dass sich Johann und ich nicht viel nehmen. Es wird sich erst im Laufe der Saison herausstellen, wer schneller ist. Aber ich sehe es nicht als Nachteil. Im Gegenteil, ich bin es gewohnt, dass ich mit meinem Chefmechaniker auf Englisch spreche. Also sehe ich da kein Problem.“

Datenaustausch mit dem Werksteam

Frage: „Ist Zarco deine Messlatte, oder sind es die Vergleichsrundenzeiten von Espargaro und Smith aus der abgelaufenen Saison?“
Folger: „Nein, es ist eher der Johann. Wir waren jetzt schon beim Test schneller als Pol und Bradley am Rennwochenende. Es macht eigentlich keinen Unterschied. Zarco ist sehr stark und ist auch sehr schnell auf die Zeiten von Pol gekommen. Wir zwei nehmen uns nicht viel.“

Frage: „Hast du auch Kontakt zum Werksteam, kannst du dir die Daten ansehen? Und hast du dich schon mit Valentino über die Yamaha unterhalten? Kannst du dir von ihm Tipps holen?“
Folger: „Ja immer. Das Yamaha-Werksteam und wir teilen uns jeden Run, die Daten werden durchgetauscht. Ich sehe jede Runde von Vale und Maverick, aber sie genauso auch unsere. Das ist sehr wichtig. Speziell jetzt zu Beginn schaue ich darauf, was ich mir beim Fahrstil abschauen kann.“

Frage: „Und siehst du anhand der Daten wo Valentino so besonders ist?“
Folger: „Beim Kurvenspeed ist der Unterschied gering, sehr identisch. In Malaysia waren wir ziemlich gleich schnell. Valentino ist auf der Bremse sehr stark, der stärkste Yamaha-Fahrer. Diesbezüglich kann ich mich noch verbessern, aber Vale fährt eine ganz spezielle Bremstechnik. Für mich ist jetzt jede Strecke neu und es hilft, wenn man sich die Daten ansehen kann, welche Werte früher Jorge und jetzt Valentino und Maverick vorgeben.“

Mangelnde Konstanz: Erste Eindrücke positiv
Frage: „Wenn man auf die vergangenen Jahre blickt, dann warst du an manchen Rennwochenenden super schnell, an anderen lief es weniger gut. Es hat diese Konstanz gefehlt, die Johann Zarco in den vergangenen beiden Jahren perfekt gemacht hat. Erhoffst du dir, dass dir Tech 3 helfen kann, diese Konstanz zu finden?“
Folger: „Das ist natürlich ein Punkt, den ich schon immer verbessern wollte. In der Moto2 lag es meistens an den Reifen. Mit neuen Reifen war ich immer schnell, mit gebrauchten weniger. Der Unterschied war einfach zu groß. Vom ersten Gefühl würde ich sagen, dass das in der MotoGP etwas besser geworden ist. Aber es ist noch sehr früh. Wir haben beim Test gut zusammengearbeitet und rasch Lösungen gefunden. Es könnte nächstes Jahr gut funktionieren. Ich werde mich auf jedes einzelne Rennen konzentrieren. Dann werden wir sehen, ob wir konstant sind oder nicht.“

Frage: „Ist es aktuell ein schwieriger Zeitpunkt für einen MotoGP-Einstieg, wenn man an die anderen Werke und Teams denkt? Vor ein paar Jahren hat Tech 3 noch mit Crutchlow und Dovizioso um das Podium gekämpft. Das wird jetzt wohl schwieriger werden.“
Folger: „Crutchlow ist und war auch damals sehr, sehr stark. Aber wir haben gutes Material und brauchen uns überhaupt nicht verstecken. Ich glaube auch, dass man mit unserem Motorrad auf das Podium fahren kann, wenn alles zusammenpasst. Das bin ich mir sicher.“

Frage: „Zum Abschluss noch ein Blick auf die Moto2. Was glaubst du braucht es bei IntactGP, damit Sandro und Marcel regelmäßig vorne dabei sind?“
Folger: „Man muss abwarten, wie die IRTA-Tests werden. Das Meiste macht der Fahrer. Wenn sich Sandro und Marcel auf der Suter wohlfühlen, dann kann es klappen. Man muss einfach schnell eine Basisabstimmung finden und dann in kleinen Schritten weiterarbeiten. Man darf nicht den Weg oder das Vertrauen verlieren. Das ist das Wichtigste. Ich kann schwer einschätzen, wie sich die beiden im nächsten Jahr schlagen werden.“

Text von Gerald Dirnbeck

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